27.09.2011

Flugrouten: Es wird laut über dem Müggelsee

Von Peter Neumann
Berlin –  

Die Planer sehen keine Alternative zu der umstrittenen Flugroute im Osten der Stad: Die Deutsche Flugsicherung wies Forderungen, startende Flugzeuge anstatt über den größten See von Berlin über die Gosener Wiesen zu leiten, erneut zurück.

Berlin - Sie demonstrieren seit Juli jeden Montag zu vielen Tausenden auf dem Marktplatz von Friedrichshagen. Sie backen "Flugroutenverbotsbrötchen", sammeln Unterschriften und bilden rekordverdächtige Menschenketten - die erste war fast zwölf Kilometer lang. Doch die Chance, dass die Gegner der geplanten Flugroute über dem Großen Müggelsee mit ihren Protesten Erfolg haben, wird immer geringer.

Er gehe davon aus, dass diese Startroute "so kommt", sagte der Vize-Vorsitzende der Schönefelder Fluglärmkommission, Winfried Seibert, am Montag der Berliner Zeitung. "Wir erwarten keine Änderungen", hieß es auch in der Brandenburger Landesregierung. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) wies Forderungen, startende Flugzeuge anstatt über den größten See von Berlin über die Gosener Wiesen zu leiten, erneut zurück.

Kein neues Konzept
Keine großen Änderungen mehr

Ein "komplett anderes Flugroutenkonzept" ist nicht vorstellbar, teilte das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) der Fluglärmkommission mit. An einzelnen Stellen seien jedoch "Optimierungen" zu den Vorschlägen der Deutschen Flugsicherung (DFS) vom 4. Juli denkbar, sagte BAF-Direktor Nikolaus Herrmann.

Bei Ostwind, der in Berlin an mehr als hundert Tagen im Jahr herrscht, sollen im Durchschnitt 122 startende Flugzeuge pro Tag über den Müggelsee geleitet werden. Über dem Gewässer sollen sie eine Höhe von 1 150 Meter erreicht haben - damit wären sie am Boden noch deutlich hörbar. An dieser Planung habe sich nichts geändert, so der Berliner DFS-Niederlassungsleiter Hans Niebergall.

Der Osten werde gegenüber dem Westen benachteiligt

An der Begründung auch nicht: "Das Kernargument ist die Vermeidung von Doppelbelastungen durch An- und Abflüge, besonders in Berlin-Müggelheim und Erkner." Beide Gebiete müssten bereits den Lärm landender Maschinen ertragen. Niebergall wies den Vorwurf zurück, der Müggelsee im Osten werde gegenüber dem Wannsee im Westen benachteiligt. Ausschlaggebend für die größere Belastung sei allein die Geografie. "Der Wannsee ist 31 Kilometer von der Startbahnschwelle entfernt, der Müggelsee elf", teilte er mit.

Doch durch das DFS-Konzept würden die Bewohner der Berliner Stadtteile Friedrichshagen und Rahnsdorf sowie von Neuenhagen, Schöneiche und anderen Gemeinden mehr Lärm ausgesetzt, argumentieren die Gegner. Der Berliner Senat gehörte am Montag zu den vier Antragstellern, die stattdessen eine Startroute über den Gosener Wiesen forderten.

"Alle Anträge wurden an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung weitergeleitet, das sie in die Abwägung einbeziehen will", sagte Kathrin Schneider, die Vorsitzende der Fluglärmkommission. Kommissions-Vize Seibert rechnet aber nicht damit, dass die Anträge Erfolg haben werden. Das Amt habe "keine fundamentale Kritik" am DFS-Konzept erkennen lassen, sagte der Kölner Rechtsanwalt. Er erwarte derzeit nicht, dass dort "noch große Alternativen zur Müggelseeroute erörtert werden".

"Der lügt den Leuten ins Gesicht"

Auch andere Beobachter gehen davon aus, dass die Behörde der Argumentation der Flugsicherung folgen wird. Zum einen wäre eine Route über den Gosener Wiesen nicht mit den Regularien der Luftfahrtorganisation ICAO vereinbar, sagte Hans Niebergall. Zum anderen müsste dafür der Verkehr auf der Schönefelder Südbahn eingeschränkt werden, weil sich parallel startende Flugzeuge sonst zu nahe kämen. Dies ließe sich nur vermeiden, wenn einige Flüge (elf laut DFS-Konzept) auf die Nordbahn verlagert würden. Doch der Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sehe eine solche Beschränkung nicht vor. Damit wäre die Gosen-Route nicht mit der Rechtsgrundlage des Airports vereinbar. BER soll am 3. Juni 2012 öffnen.

"Der lügt den Leuten ins Gesicht. Unsere Vorschläge belasten Erkner und Müggelheim nicht", griff ein Sprecher der Friedrichshagener Bürgerinitiative Niebergall an. "Wir vertrauen auf die Worte der Bundeskanzlerin, die sich für Vertrauensschutz einsetzt," sagte sein Mitstreiter Bernd Ebert. Dagegen forderte die Bürgerinitiative (BI) Gosener Wiesen die Planer auf, bei der Müggelseeroute zu bleiben.

Sprecher Thomas Schölzchen kritisierte die Versuche "der Berliner, Fluglärm im benachbarten Brandenburg abzuladen". Nun revanchiert sich die BI. Sie will den Mammutbaum, den der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit 2010 bei Gosen gepflanzt hat, ausgraben und ihm am 12. Oktober zurückbringen.

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