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Berliner Zeitung | Virtuelle Friedhöfe: Gedenken über das Internet
21. February 2013
http://www.berliner-zeitung.de/5564964
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Virtuelle Friedhöfe: Gedenken über das Internet

Ein Beispiel ist die Seitewww.gedenkseiten.de, welche Nutzern neben dem Entzünden von Trauerkerzen und dem Erstellen von persönlichen Gedenkseiten auch die Lektüre eines Magazins mit aktuellen Beiträgen rund um das Thema Trauer ermöglicht. Doch was verbirgt sich genau hinter dieser neuen Form der Trauerbewältigung, welche Vorteile sind damit verbunden und inwieweit haben kritische Stimmen ihre Berechtigung?

Virtuelle Gedenkstätten oder der „moderne“ Umgang mit dem Tod - eine Einführung
Der Tod eines geliebten Menschen stellt immer einen großen Verlust dar und die Formen der Trauer und Bewältigung sind je nach individueller Veranlagung und Kultur vielfältig. Eine Rolle spielt dabei sicherlich der persönliche Glaube der Hinterbliebenen. Schließlich wird der Tod von vielen Menschen vor allem aufgrund seines endgültigen Charakters gefürchtet und entsprechend versuchen ihm viele Religionsrichtungen den Schrecken zu nehmen, indem sie auf ein Leben danach verweisen. Ein wesentlicher Aspekt erfolgreicher Trauerbewältigung besteht darin, den Tod lediglich als Stadium zu begreifen. So finden viele Trauernden in dem Glauben Trost, dass nur der Körper vergänglich, die Seele jedoch unsterblich ist, wie es auch der Name einer weiteren Gedenkseitewww.stayalive.commit ihrem Slogan „digitale Unsterblichkeit“kommuniziert.Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis ist es vielen Hinterbliebenen ein zwingendes Bedürfnis, den Verstorbenen ein Andenken zu setzen, welches sie auch für die Außenwelt unvergesslich macht. Nicht von ungefähr bezieht sich einer der beliebtesten Sprüche bei Sterbeannoncen auf die Vorstellung, dass man dem Dahingeschiedenen zu ewigem Leben verhilft, wenn man ihn in Erinnerung behält. Diesem Bestreben wird sowohl in Form der klassischen Gedenkfeier und Grabstätte als auch, und das in weitaus größerem Umfang, durch das virtuelle Pendant Genüge getan.

Virtuelle Trauerbewältigung im Diskurs
Dabei scheinen die Vorteile der Internet-Variante klar auf der Hand zu liegen. Denn im World Wide Web kann die gesamte Trauergemeinde bei Bedarf zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt Trost spenden, beziehungsweise finden. Auf diese Weise können sich Freunde und Angehörige kostspielige Annoncen sowie zeitaufwendige Fahrtwege zu der eigentlichen Ruhestätte sparen.
Zudem bleiben Charakter und Verdienste des Verstorbenen einem weitaus größeren „Publikum“ in Erinnerung als dies bei klassischen Gedenkfeiern der Fall ist und oftmals finden sich auf diesem Wege wertvolle Austauschmöglichkeiten mit Unbekannten, die einen ähnlichen Verlust erlitten haben. Betroffene empfinden den häufigen Rückzug vieler Bekannter während der Trauerphase als weniger drastisch, da sie sich auf die Unterstützung der Online-Gemeinde verlassen können. Zudem ist es oftmals leichter und unkomplizierter, seine Gefühle schriftlich anstatt direkt auszudrücken. Die unbegrenzte Möglichkeit, Kommentare auf virtuellen Gedenkstätten zu hinterlassen, birgt jedoch auch ein gewisses Risiko. So können unsensible und taktlose Einträge den Prozess der Trauerbewältigung zusätzlich erschweren.
Ein endgültiges Urteil zum virtuellen Umgang mit der Trauer lässt sich hier sicherlich nicht fällen und die Entscheidung für oder gegen eine virtuelle Gedenkstätte bleibt letztendlich den Betroffenen selber überlassen.


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