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von Mely Kiyak, freie Autorin in Berlin: Liebe Sasha Waltz!

Herzlichen Glückwunsch! Tausendmal herzlichen Glückwunsch! Ihre Idee zum Freiheits- und Einheitsdenkmal wird gebaut! Erstmals wird ein nationales Bauwerk dieser Größenordnung von einer Frau geschaffen. Noch dazu von einer Tänzerin, die mit dem ganzen Architekturbetrieb nichts zu tun hat und ihr Geld als Choreografin damit verdient, Menschen in Bewegung zu setzen. Die Skulptur, die aus einem Denkmal ein Tanzmal, ein Bewegmal macht, ist eine Sprache, die alle Menschen verstehen werden."Wir sind ein Volk" wird auf der "Demonstrierfläche" stehen, und Besucher aus aller Welt werden sich daraufstellen und den Satz übersetzen lassen und alle, die zufällig an diesem Tag in dieser Stadt auf diesem Denkmal sind, werden die Erfahrung machen, dass jede Bewegung mit einer Bewegung anfängt - welch poetisches Bild!Bewegte Bürger sind das Gegenteil von verknöcherten, erstarrten Menschen. Womit ich bei meinen geschätzten männlichen Feuilleton-Kollegen bin, die ich eigentlich alle sehr liebe. Einmal nur will ich es erleben, dass eine Denkmaldiskussion, die sich mit der Geschichte unseres Landes befasst, mit Liebe, Langmut und Respekt behandelt wird. Immer muss ein Denkmal anders sein, als es ist, immer wissen die Kollegen besser Bescheid, sind ungeduldige, verbohrte alte Kontrollfreaks, die es nicht schaffen, einfach mal jemanden machen zu lassen. Da wird ein Einheitsdenkmal für die Deutschen errichtet, und die Kollegen spalten, dozieren, labern, stänkern, ja Himmel noch mal, mit solchen vertrockneten Herrschaften hätte man nie im Leben Revolution machen können. Das ist alles sooo deutsch! Diese Art des Feuilletons ist sooo deutsch! Die hochnäsige Attitüde, Künstler partout missverstehen zu wollen, immer fragen "Wozu, weshalb, warum" ist sooo bürokratisch, sooo uninspiriert, künstlerisch derart impotent, unneugierig und spinnwebumhangen, das man es nur noch als déformation professionelle bezeichnen kann. Diese Haltung, dass eine Sache alles symbolisieren und nachvollziehbar darstellen soll, kann eine Behörde mit Akten leisten, das hat aber mit Kunst, Reflexion und Erinnerung nichts zu tun. Ein Denkmal ist kein Polizeiprotokoll. Kollegen, wisst ihr, warum ihr den Entwurf nicht begreift? Weil diese Künstlerin ein Leben lebt und eine Sprache spricht, die eine naheliegende, menschliche, ja fast kindliche Assoziation zum Thema hat. Und schön ist der Entwurf - er ist wirklich schön!Weggefährten, man muss euch nur in euren Büros besuchen, dann weiß man, dass es keinen Sinn hat, mit euch über Ästhetik und Eleganz zu diskutieren!Sasha Waltz und Johannes Millas Arbeitsalltag besteht aus Menschen mit vielen Kulturen. Sasha Waltz war mit ihren Tänzern in den brodelnden arabischen Gesellschaften und hat in vielen Ländern mit vielen verschiedenen Menschen getanzt und gegessen. Vielleicht ist sie deshalb in vielerlei Hinsicht vielsprachig.Sasha Waltz, die ich nicht persönlich kenne, ist eine deutsche Künstlerin, die zutiefst künstlerisch und politisch denkt. Die Kollegen sollten ihre feinsinnige Arbeit endlich sehen, dem Volk vorstellen, sich frisch gemacht auf den Weg in Waltz' Tanztheater bemühen und darüber ausgiebig und großzügig platziert schreiben.Nochmal: Herzlichen Glückwunsch, Sasha Waltz! Ihre Mely Kiyak