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Berliner Zeitung | Welt-Atomindustrie-Report 2013: Reiz der Atomkraft schwindet
11. July 2013
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Welt-Atomindustrie-Report 2013: Reiz der Atomkraft schwindet

Das französische Atomkraftwerk Cattenom bei Nacht.

Das französische Atomkraftwerk Cattenom bei Nacht.

Foto:

epa Karaba

Für Abgesänge ist es noch zu früh. Doch allem Anschein nach befindet sich die Atomindustrie weltweit auf dem Rückzug. Diesen Schluss legt der am Donnerstag in Brüssel vorgelegte Welt-Atomindustrie-Report 2013 nahe. Für die Auftraggeber der Studie, die europäischen Grünen und die ihr nahestehende Böll-Stiftung, ist das eine gute Nachricht. „Diese Studie widerlegt den Mythos von der Renaissance der Nuklearenergie“, erklärt Ralf Fücks, Vorstandsmitglied der Böll-Stiftung.

Tatsächlich dürfte das zahlenstrotzende Werk, das von einem Team um den aus Köln stammenden Energieberater Mycle Schneider erstellt worden ist, manch einem Anhänger der Kernenergie Unbehagen bereiten. Allein 2012 sank die von weltweit 427 Atomkraftwerken erzeugte Energiemenge auf 2346 Terrawatt-Stunden - ein historisches Minus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2006, als weltweit 2660 Terrawatt-Stunden in die Netze eingespeist wurden, ist die Atomstromproduktion gar um 12 Prozent zurückgegangen. Der Anteil von Atomenergie am weltweiten Strommix beträgt damit nur noch zehn Prozent.

"Erneuerbare Energien sind billiger"

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europarlament, Rebecca Harms, spricht deshalb von einem „weltweiten Niedergang der Atomindustrie“. In ihrer Bewertung schwingt deutliche Genugtuung mit. Seit knapp 20 Jahren verringert sich der Anteil des Atomstroms am weltweiten Energiemix. Und einstweilen gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern könnte.

Im Gegenteil: In Deutschland, China und Indien wird inzwischen mehr Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen als aus Atomkraftwerken. Den Grund für diese Verschiebung erklärt Mycle Schneider so: „Erneuerbare Energien sind billiger und die Technik dafür viel schneller zu installieren.“

Tatsächlich scheint sich die Hoffnung, welche die Atomindustrie noch vor einem Jahrzehnt in die vergleichsweise neuen Reaktoren der dritten Generation (GenIII) gesetzt hat, nicht zu erfüllen. Seinerzeit wurde geschätzt, dass die Kosten für Reaktoren bei rund 1000 US-Dollar pro Kilowattstunde Leistungsfähigkeit liegen. Neuere Studien gehen hingegen von bis zu 7000 US-Dollar aus. Der gestiegene Preis schmälert den Reiz der Kernkraft.

Weltweit sind 66 Atomkraftanlagen im Bau

Im Jahr 2012 wurden weltweit gut 268 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert. In Atomenergie waren es - Schätzungen zufolge - nur 25 Milliarden Dollar.

Dennoch wird auch weiterhin an neuen Anlagen gebaut. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten kam 2012 sogar zum ersten Mal nach 27 Jahren ein neues Land auf die Liste der Kernkraftstaaten. Weltweit befinden sich rund 66 Anlagen im Bau, 28 davon alleine in China.

Allerdings hegen die Autoren des Berichts starke Zweifel daran, dass tatsächlich alle Meiler ans Netz gehen werden. Einige Anlagen befinden sich bereits seit Jahrzehnten im Bau - wie das argentinische Kraftwerk Atucha2. Bei anderen sei absehbar, dass sie ihre vorgegebenen Starttermine nicht einhalten werden. Insgesamt gingen 2012 gerade einmal drei neue Atomkraftwerke ans Netz, während sechs abgeschaltet wurden.


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