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Löhne und Arbeitsverträge: Burger King beutet weiter aus

Burger King will keine Zuschläge mehr zahlen.

Burger King will keine Zuschläge mehr zahlen.

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dpa

Berlin -

Alles sollte besser werden. Faire Arbeitsbedingungen, hygienisch einwandfreie Zubereitung und höchste Qualitätsstandards würden fortan das Wirken in den Restaurants prägen, gelobte die deutsche Burger-King-Zentrale in München Anfang Mai. Kurz zuvor hatte Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in einem TV-Bericht ekelerregende Hygienemängel und schlechte Arbeitsbedingungen in Burger-King-Filialen publik gemacht, die das Image des Konzerns zu ruinieren drohten.

Wallraffs Recherchen hatten sich nur auf einen kleinen Teil der fast 700 Burger-King-Restaurants in Deutschland bezogen, nämlich auf 91 Filialen der zur Yi-Ko Holding gehörenden Burger King GmbH, darunter auch Restaurants in Köln, Leverkusen und Euskirchen. Deutschlandchef Andreas Bork ordnete die vorübergehende Schließung einiger Yi-Ko-Restaurants an, Kontrollen durch den Tüv wurden angekündigt, Yi-Ko Geschäftsführer Ergün Yildiz konnte zum Rücktritt gedrängt werden. Überdies wurden Arbeitsgerichtsprozesse gütlich beigelegt, in denen es unter anderem um fristlose Kündigungen gegangen war.

Weiterhin schlechter Umgang mit Belegschaft

Was den Umgang mit den rund 3000 Belegschaftsmitgliedern der Yi-Ko-Filialen angeht, hat sich in den letzten Monaten allerdings offenbar wenig geändert. Wie schon 2013 unter Yildiz kam es auch in diesem Sommer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei der Lohnzahlung. Guido Zeitler, Referatsleiter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), sind mehrere Dutzend Fälle bekannt, in denen Mitarbeitern zu wenig Urlaubsgeld ausgezahlt wurde. Zudem belegen neue Arbeitsverträge, die die GmbH ihren Mitarbeitern zur Unterschrift vorgelegt hat, dass es mit dem Kulturwandel in der Yi-Ko-Holding nicht weit her ist: Ein juristische Prüfung des Textes durch die NGG ergab schwerwiegende Beanstandungen.

So sollen Mitarbeiter für Kassenfehlbeträge weitgehend selbst gerade stehen. Laut NGG ist eine solche Regelung schlicht rechtswidrig. Das Gesetz sieht nämlich vor: Der Arbeitgeber muss Kassenkräften zusätzlich zum Lohn ein so genanntes Mankogeld zahlen, das im Falle von Fehlbeträgen zur Haftung einbehalten werden kann. Vertragsklauseln, die ausscheidenden Mitarbeiter zur Rückzahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld verpflichten, verstoßen laut Zeitler zudem gegen den geltenden Tarifvertrag. Gleiches treffe auf Vertragsbestimmungen zu, die Mitarbeitern den Aufstieg in höhere Lohngruppen verwehrten.

Lohnkürzungen drohen

Als gravierendsten Einschnitt betrachtet der Gewerkschafter die Ankündigung der Yi-Ko Holding, ihre Burger King GmbH werde zum 31. März 2015 den Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) verlassen und sich damit aus der Tarifvertragsbindung lösen. Dieser Schritt könne zu massiven Lohnkürzungen führen: Abgesehen vom gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, den auch Yi-Ko zahlen muss, dürften nämlich sämtliche Zuschläge für Überstunden, Feiertags- und Nachtarbeit wegfallen. Denn Zuschläge sind nicht gesetzlich, sondern tarifvertraglich geregelt.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter versucht die Geschäftsleitung, den gegenteiligen Eindruck zu erwecken: „Zusammen mit bereits geltenden Gesetzesvorschriften zur Vergütung von Nacht- und Überstundenarbeit existiert damit ein Katalog von Vorgaben, der aus unserer Sicht einfacher zu handhaben ist, als ein komplexer Tarifvertrag.“ Klingt gut, bedeutet aber nur: Überstunden und Nachtarbeit müssen bezahlt werden, von Zuschlägen ist nicht die Rede.

Zum Abschied von der Tarifbindung heißt es in der Münchner Zentrale, man bedauere den Schritt, könne die BdS-Mitgliedschaft der Yi-Ko Holding jedoch nicht erzwingen. Der BdS übrigens ist erst jüngst mit ähnlichen Forderungen in die Tarifverhandlungen gegangen. Den Mindestlohn werde man zahlen, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Zuschläge sollen hingegen gestrichen werden. In diesem Fall hat allerdings die Gewerkschaft noch ein Wörtchen mitzureden.