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Gesundheitsdaten: Sorgloser Umgang mit Fitness-Trackern

Wie weit? Wie schnell? Fitness-Tracker können Nutzer motivieren. Aber was passiert mit unseren Daten?

Wie weit? Wie schnell? Fitness-Tracker können Nutzer motivieren. Aber was passiert mit unseren Daten?

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dpa

Berlin -

Die Datenschutzbeauftragten verstehen die Welt nicht mehr. Jahrzehntelang haben sie dafür gekämpft, dass persönliche Daten geschützt werden -  und nun das: Den Bürgern ist es mittlerweile egal. Freiwillig geben sie sensible Daten aus der Hand, ohne zu wissen, was damit angestellt wird.

Durch Rabattkarten und ungeschütztes Online-Shopping verraten sie ihr Einkaufsverhalten, durch die Nutzung von Navigations-Apps lassen sie die Erstellung von Bewegungsprofilen zu, in sozialen Netzen legen sie ihr Privatleben offen. Ohne jedes Problembewusstsein geben sie sogar biometrische Daten wie den Fingerabdruck preis, um das Smartphone bequem bedienen zu können. Doch einmal entwendet, ist der Fingerabdruck für den Rest des Lebens nicht mehr nutzbar.

Nun gibt es neue datenhungrige Anwendungen, die auf wachsende Begeisterung stoßen: Fitness-Tracker, die den Puls messen oder Schritte zählen. Das ist bisher vielleicht Spielerei, aber weitere Funktionen sind denkbar oder bereits in der Entwicklung, wie die Messung der Körpertemperatur, des Blutdruckes  oder des Blutzuckerspiegels.

Günstigere Tarife für gesunde Lebensweise

Man muss kein medizinischer Experte sein um zu verstehen, dass sich aus diesen Daten nicht nur der körperliche Zustand sondern auch große Teil des Lebenswandels herauslesen lassen. Das weckt Begehrlichkeiten, aus denen die Industrie auch keinen Hehl macht.

Erste Versicherungskonzerne haben angekündigt, gesundheitsbewusstes Verhalten mit günstigen Tarifen zu belohnen. Und auch die gesetzlichen Kassen können sich vorstellen, die Daten von Fitness-Armbändern in den geplanten elektronischen Patientenakten abzuspeichern, um sie bei der medizinischen Versorgung nutzbar zu machen.

Das alles soll natürlich freiwillig geschehen. Der Patient soll die Hoheit über seine Daten behalten, wird stets versichert. Aber hat irgendjemand überhaupt einen Überblick, welche Daten Apps tatsächlich übertragen? Wird aus der Freiwilligkeit nicht ein Zwang, wenn Krankenversicherungen preiswerte Tarife nur gegen Aufgabe der Datenhoheit anbieten?

Gesundheitsinformationen als „Handelsware“

Und wie werden derartige Tarife dann eigentlich umgesetzt? Werden die Fitness-Bänder zur elektronischen Fußfessel? Und was sollen Daten in einer elektronischen Patientenakte bringen, die unter medizinisch völlig unkontrollierten Bedingungen zu Stande gekommen sind? Es wird Zeit, dass sich auch der Gesetzgeber mit der Problematik beschäftigt. Es durchaus auch die Aufgabe des Staates, die Bürger vor der eigenen Dummheit zu schützen.           

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat das Thema gestern aus Anlass des „Safer Internet Day“ endlich aufgegriffen. „Informationen über unsere Gesundheit dürfen keine Handelsware werden“, forderte der SPD-Politiker. Konkret werde sein Ministerium prüfen, die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf  Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechtes einzuschränken.

Niemand dürfe de facto gezwungen werden, intime medizinische Daten oder die Häufigkeit des Fitnesstrainings zu offenbaren, so der Minister. Das reicht aber noch nicht: Für Geräte und Apps, die sensible Informationen erfassen, muss es klare gesetzliche Regelungen geben. Wer nicht will, dass seine Daten weitergegeben werden, muss sich sicher sein können, dass sie das eigene Smartphone nicht verlassen.