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Gesundheitswesen: Kassen wollen transparente Pflegenoten

Bewohner von Pflegeheimen sollen medizinisch wie psychisch gut versorgt werden. Das Benotungssystem trägt nicht zur Qualitätssteigerung bei.

Bewohner von Pflegeheimen sollen medizinisch wie psychisch gut versorgt werden. Das Benotungssystem trägt nicht zur Qualitätssteigerung bei.

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dpa

Die Idee war gut, doch am Ende wurde bei der Umsetzung nur der kleinste gemeinsame Nenner mit einem sehr begrenzten Nutzen erreicht: Seit einigen Jahren werden Pflegeheime überprüft und mit Noten von „sehr gut“ (1,0)  bis „mangelhaft“ (5,0)  bewertet.

Diese Pflegenoten werden zum Beispiel im Internet veröffentlicht und sollen Betroffenen eine Orientierung bei der Auswahl einer Pflegeeinrichtung  geben. Trotz einiger Änderungen an der Systematik zum Beginn diesen Jahres sind die Noten jedoch weiterhin nicht allzu aussagekräftig. Die gesetzlichen Krankenkassen – in ihrer gleichzeitigen Funktion als Pflegekassen – wollen das ändern  und verlangen dafür mehr Macht gegenüber den Pflegeverbänden und Heimbetreibern.

Gute Note bei schlechter Versorgung

„Die jetzigen Regelungen behindern eine klare und verbraucherfreundliche Bewertung“, sagte der Vorstand des Kassen-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer. „Wir müssen die Pflegenoten endlich so weiter entwickeln, dass sie die Realität eins zu eins abbilden“, verlangte er. Problematisch ist nach Ansicht der Kassen noch immer, dass Heime auch dann eine gute Gesamtnote  bekommen können, wenn sie in Kernbereichen der Pflege nur schlechte Qualität bieten, etwa bei der Versorgung der Pflegebedürftigen mit Flüssigkeit und Nahrung oder bei der Verhinderung des Wundliegens (Dekubitus).

Das ist möglich, weil die schlechten Einzelnoten durch gute Bewertungen in weniger wichtigen Bereichen („Gibt es im Pflegeheim jahreszeitliche Feste?“) ausgeglichen werden können. Kiefer sagte, die Gesamtergebnisse würden dadurch unzulässigerweise verwässert. Eine echte Differenzierung zwischen guten und schlechten Pflegeeinrichtungen sei damit nur schwer möglich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Krankenkassen für ein besseres Bewertungssystem kämpfen wollen.

Die Kassen fordern schon seit längerem eine stärkere Berücksichtigung der Kernbereiche und eine Streichung eher unwichtiger Kriterien. Auch Pflegeexperten verlangen seit Jahren, dass die Gesamtbenotung eines Heimes nicht besser sein darf als die Einzelbewertung sogenannter Risikokriterien wie zum Beispiel Ernährungsmangel oder Sturzprophylaxe. Die Kassen konnten sich aber bei den Verhandlungen mit den Pflege- und Heimverbänden nicht durchsetzen, weil zwei kleinere Verbände blockierten. 

Keine neue Gewichtung

Ein Schiedsverfahren im vergangenen Jahr brachte dann nur geringfügige Änderungen. So muss zum Beispiel die Bewertung der Risikokriterien jetzt gefettet dargestellt werden. Eine neue Gewichtung der Kriterien gibt es aber nicht. „Die Frösche haben kein Interesse an echter Transparenz über die Qualität ihrer Einrichtungen – im Gegenteil“,  sagte Kiefer in Anspielung auf das Bonmot, wonach man bei der Trockenlegung der Sümpfe nicht die Frösche fragen dürfe.

Statt die Bewertungsregeln zusammen mit rund 30 Verbänden verhandeln zu müssen, verlangen die Kassen ein alleiniges Mandat, bei dem die übrigen Verbände nur noch ein Anhörungsrecht haben. „Nur so schaffen wir es, dass am Ende nur das Heim als gut bewertet wird, das auch wirklich gut ist“, sagte Kassen-Vertreter Kiefer.

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