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Kommentar zur Nachrüstung der VW-Software: Ein Armutszeugnis für Minister Dobrindt

180216 Dobrindt VW Werkstatt Berlin

Verkehrsminister Dobrindt (r.) und VW-Markenvorstand Herbert Diess wohnen der Umrüstung eines VW-Diesels in einer Werkstatt in Berlin bei.

Foto:

REUTERS

Anfang Februar ließ sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in einer Berliner VW-Autowerkstatt pressewirksam fotografieren, wie er dem Software-Update für einen VW-Amarok-Pritschenwagen beiwohnte. Damit hat er dem, was da gerade geschah, seinen ministeriellen Segen gegeben. Passiert ist da, dass bei dem Auto eine Motorsteuerung deaktiviert wurde, die eine in der Europäischen Union verbotene Abschaltvorrichtung bei der Abgasreinigung darstellt. Ersetzt wurde sie durch eine äußerst fragwürdige, halblegale Motorsteuerung.

Der Effekt ist: Bei extrem überhöhtem Ausstoß der giftigen Stickoxide im alltäglichen Fahrbetrieb ändert sich nichts. Aber der Kraftstoffverbrauch steigt. Für die Umwelt wächst also durch die Nachrüstungsaktion die Schadstoffbelastung. Das ist das Gegenteil von dem, was eigentlich mit den Vorschriften erreicht werden soll. Es stellt sich die Frage: Wusste Dobrindt, wie VW gerade trickst und betrügt, oder hat er nicht kapiert, welches Spiel gespielt wird. Beides wäre ein Armutszeugnis.

Mehr noch: Es ist sehr bitter zu sehen, dass in diesem Land das Recht außer Kraft gesetzt wird, wenn die Lobby – hier die Autobranche – nur stark genug ist. Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen.