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Kommentar zum Iran: Ölpreisverfall ist ein politisches Risiko

Das Ende der Iran-Sanktionen schickt den Ölpreis weiter auf Talfahrt.

Das Ende der Iran-Sanktionen schickt den Ölpreis weiter auf Talfahrt.

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dpa

Manager in Deutschland, Frankreich und den USA scharren schon seit geraumer Zeit mit den Hufen. Doch jetzt geht das Rennen richtig los: Die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen den Iran sind aufgehoben, weil das Mullah-Regime in Teheran glaubhaft machen konnte, dass es keine Atomwaffen mehr anstrebt. Für Unternehmer aus Europa und Amerika tut sich schlagartig ein großer Markt auf. Fast 80 Millionen Menschen leben im Iran. Zehn Jahre lang war das Land umfangreichen Sanktionen ausgesetzt. Die Infrastruktur ist marode, die Leute wollen endlich konsumieren. Straßen, Eisenbahnverbindungen und Gebäude müssen hergerichtet werden, der Iran will Hunderte neuer Flugzeuge anschaffen und muss dringend seine Anlagen zur Öl- und Gasförderung modernisieren. Die Bürger wollen Autos, Haushaltsgeräte und andere Güter kaufen. Das Land öffnet sich der Weltgemeinschaft, es verspricht mehr Sicherheit und erwartet mehr Wohlstand.

Wenn die Dinge so laufen wie erhofft, werden vom Iran-Deal alle profitieren. Gleichwohl sollte man sich vor überzogenen Hoffnungen hüten. Das gilt auch für die westlichen Unternehmen, die jetzt den iranischen Markt erobern wollen. Schon unter normalen Bedingungen ist es schwer genug, neue Geschäftskontakte mit einem Land zu knüpfen, das bisher auf der Weltbühne weitgehend isoliert war. Die Bedingungen sind aber nicht normal. Es stellt sich die Frage, ob der Iran in nächster Zeit überhaupt genug Geld wird mobilisieren können, um all die Dinge zu kaufen und zu bestellen, die er dringend braucht.

Ölpreis fallen weiter

Das Land sitzt auf gigantischen Öl- und Gasreserven. Doch die Preise sind im Keller. Rohöl ist auf den Weltmärkten so günstig zu haben wie seit 13 Jahren nicht mehr. Es gibt ein riesiges Überangebot. Und allein die Aussicht darauf, dass die Iraner jetzt auch wieder mit voller Leistung pumpen können, lässt die Preise weiter purzeln.

Ein Fass (159 Liter) Öl kostet bereits deutlich unter 30 Dollar. Es gibt viele an den Märkten, die davon ausgehen, dass er sich schon bald der 20-Dollar-Marke nähern wird. Für die Ölproduzenten bedeutet dies, dass ihre Erlöse aus dem Ölgeschäft dahinschmelzen. In den Staatshaushalten tun sich riesige Löcher auf. Russland steckt wegen des Ölpreisverfalls in einer schweren Krise, Venezuela hat gerade den Wirtschafts-Notstand erklärt. Saudi-Arabien mutet seinen Bürgern schmerzhafte Einschnitte zu. Auf 90 Milliarden Euro summiert sich in dem Königreich das Defizit in der Staatskasse, was 15 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung entspricht.

Der Ölpreisverfall stellt in vielen Ländern ein politisches Risiko dar, und das gilt sicher auch für den Iran. Die Bevölkerung dort hofft auf einen schnellen Wirtschaftsaufschwung. Doch der könnte sich zumindest verzögern, wenn sich die Lage an den Rohstoffmärkten nicht stabilisiert. Den Kurs der behutsamen Öffnung Richtung Westen wird Präsident Hassan Ruhani auf Dauer nur fortsetzen können, wenn er für jedermann spürbare Erfolge zeitigt. Es ist nicht ausgemacht, dass das schon in nächster Zeit so kommen wird. Vielleicht weicht die Euphorie schon bald einer neuen Nüchternheit – im Iran selbst, aber auch bei den Regierungen und Exporteuren in Europa und den USA.



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