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Ableton AG: Chefsessel: Jan Bohl

Jan Bohl steht neben seinem Sessel.

Jan Bohl steht neben seinem Sessel.

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Paulus Ponizak

Der 45-jährige Hamburger Jan Bohl kam im Jahr eins nach der Gründung zu Ableton. Das war im Jahr 2000. Seitdem ist Jan Bohl kaufmännischer Vorstand. Zuvor war der Diplom-Kaufmann Unternehmensberater bei PricewaterhouseCoopers und hängte seinen gut bezahlten Job für das Start-up an den Nagel. Die beiden Firmengründer Gerhard Behles und Bernd Roggendorf gehören bis heute zur Unternehmensspitze. Der Münchener Behles (43), der unter anderem elektroakustische Musik studierte, ist heute Vorstandschef. Der Rheinländer Roggendorf (45) ist Technik-Vorstand.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf diesem Sessel?

So wenig möglich. Ich stehe lieber, weil das kommunikativer ist. Meetings, in denen man ewig sitzt und Kaffee trinkt, mag ich nicht. Sitzen ist irgendwie Solospiel. Diskussionen im Stehen sind schnell und kreativer.

Wo können Sie am besten entspannen?

Bei Spaziergängen. Neuerdings versuche ich auch, immer mal wieder zehn, fünfzehn Minuten an gar nichts zu denken, bewusst auf die Atmung zu hören. Das ist sehr wirkungsvoll, jedoch auch schwer. Ich lerne noch, muss mich aber auch dazu zwingen.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Nein, aber ich wusste früh, was ich nicht will. Ich habe lange bei einer Unternehmensberatung gearbeitet und dort Konzepte für Großunternehmen entwickelt, die von anderen umgesetzt wurden. Ich bin lieber Unternehmer als Berater. Auf jeden Fall wollte ich in die Wirtschaft. Nirgendwo gibt es mehr Dynamik und auch mehr Drama.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe in Hamburg das Heimat-Echo ausgetragen, eine Wochenzeitung. Das Geld hab ich dann in meine ersten Schallplatten gesteckt. Brit-Pop der 80er. Duran Duran, Ultravox ... So was.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

Alle, die mit Kindern und kranken Menschen zu tun haben. Was dort verdient wird, entspricht in keiner Weise dem Wert, den diese Arbeit für die Gesellschaft hat. Wenn man sich das bewusst macht, ist das sehr beschämend.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Ich würde niemals für Unternehmen arbeiten, mit deren Geschäftsmodell ich mich nicht identifizieren kann. Ein Rüstungsbetrieb käme nicht in Frage, und eine Investmentbank müsste ich mir schon sehr genau ansehen.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Da muss ich sagen, dass sehr Vieles schon super ist. Ich hätte gern mehr Zeit zum Fotografieren.

Wie kommen Sie ins Büro?

Zu Fuß. Ich brauche drei Minuten. Das ist ein sehr großer Luxus.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Auf meine Frau, auf Kochen, auf den Abend. Berlin bietet wahnsinnig viel.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Bleibt immer neugierig, tauscht euch mit anderen Menschen aus, lernt und lest. Habt den Mut, eurer eigenen Leidenschaft zu folgen, nicht den Zielen eurer Eltern oder Freude. Und bleibt dabei ausdauernd.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Wenn er nicht vermitteln kann, dass ihn Ableton elektrisiert. Häufig spüren wir, dass einer nur irgendwo weg statt unbedingt zu uns will.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?Dafür sorgen, dass Berlin für kreative Menschen attraktiv bleibt. Wenn wir hier Mieten haben wie in London oder Paris, werden die Kreativen weiter ziehen. Da würde ich mit dem Geld gern gegensteuern. Denn ich will schon, dass ein großes Unternehmen der digitalen Wirtschaft nicht immer in den USA sondern auch in Berlin entsteht. Ich bin sicher, das geht.