Weit auseinander haben die Forderungen der Verhandlungsparteien gelegen. Es war deshalb schon früh absehbar, für die Ärzte wie für die Krankenkassen, dass es zu einer Eskalation der Honorarverhandlungen kommen wird. Die Krankenkassen wollten den niedergelassenen Medizinern die Honorare um sieben Prozent kürzen, weil sie die Mediziner für überbezahlt halten. Die Kassenärzte wiederum forderten ein Plus von 11 Prozent und argumentierten mit gestiegenen Betriebskosten.
Nach der Einigung auf ein Milliardenplus für Deutschlands Kassenärzte haben am Mittwoch weniger Mediziner demonstriert als angekündigt. An zentralen Orten des Protestes gingen am Vormittag nach einer ersten Übersicht jeweils wenige hundert Ärzte und Angestellte für eine bessere Bezahlung auf die Straße. Die Organisatoren waren im Vorfeld von insgesamt bis zu 30 000 protestierenden Ärzten und Angestellten ausgegangen. Vor mehr als 30 Krankenkassen-Filialen hatten die Ärzte demonstrieren wollen.
Foto: dpaHätte man sich in der Mitte getroffen, wäre ein Honorarplus von zwei bis drei Prozent herausgekommen. Jetzt sind drei bis vier Prozent oder 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro mehr herausgekommen. Die Krankenkassen konnten sich nicht durchsetzen mit ihrem Versuch, den Anstieg der ärztlichen Honorare – wenigstens vorübergehend – zu stoppen. Sie sind die Verlierer dieser Verhandlungen.
134.000 Euro brutto für den deutschen Arzt
Mit einer spektakulären öffentlichen Inszenierung, wüsten Beschimpfungen und der Drohung von Praxisschließungen ist es den Ärzten gelungen, die Krankenkassenvertreter unter Druck zu setzen. Dabei sind ihre Verdienste schon jetzt nicht schlecht: Durchschnittlich 134.000 Euro brutto verbleiben den Ärzten nach Abzug ihrer Kosten pro Jahr in der Tasche, das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung errechnet. Der Spitzenverband der Krankenkassen kommt sogar auf 165.000 Euro. Das größte Problem daran ist, dass diese Verdienste sehr stark variieren.
Es wäre der nobelste Zweck der Honorarverhandlungen gewesen, diese Ungerechtigkeiten zu beenden. Doch das Problem wird allenfalls gelindert, aber nicht geheilt. Die vierseitige Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Ärzten sieht vor, dass im hausärztlichen Bereich Zuschläge für Patienten mit mindestens drei chronischen Krankheiten gezahlt werden können. Das sind die Patienten, die besondere Betreuung erfordern und damit einen Mehraufwand auslösen. Zudem stellen die Krankenkassen zusätzlich 250 Millionen Euro bereit, um alte und sterbende Patienten zu versorgen. Das sind richtige Schritte.
Viele niedergelassene Ärzte sind sauer, weil die Krankenkassen ihrer Ansicht nach zu niedrige Honorare zahlen. Dabei ist das Einkommen der meisten Ärzte alles andere als mager: Allgemeinmediziner verdienen im Schnitt nach Abzug der Praxiskosten rund 116.000 Euro brutto pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Kollegen ist das noch wenig. Kinderärzte...
Foto: dpaDer Wunsch der Ärzte, für den sie heute auf die Straße gehen, dass künftig jede Leistung mit einem festen Preis bezahlt wird, ist aber völlig utopisch. Ärzte können sich ihre Nachfrage selbst schaffen. Das sieht man bei den Privatversicherten und Selbstzahlerleistungen. Deswegen müssen Regelungen getroffen werden, die verhindern, dass Leistungen immer weiter ausgeweitet werden. Die pauschalen Vergütungen sind der Versuch, diese Leistungsausweitungen zu verhindern.
SAP, Europas führender Softwarekonzern, hat hierzulande die sogenannte Bilanzsaison eingeläutet , war aber leider nicht für Überraschungen gut. Denn SAP wuchs weniger stark als erwartet. mehr...
