Wirtschaft
Informationen zu Börsen-Kursen, Arbeitsmarkt, Energiewende, Krise und Finanz-Themen

Ärzte-Streit: Ende des Theaters um Arzt-Honorare

Von 

Deutsche Ärzte bekommen bis zu 1,3 Milliarden Euro mehr. Die Krankenkassen sind mit ihrem Versuch den Anstieg der ärztlichen Honorare zu stoppen, gescheitert. Der Grund dafür: die spektakulären öffentlichen Inszenierungen der Ärzte.

Weit auseinander haben die Forderungen der Verhandlungsparteien gelegen. Es war deshalb schon früh absehbar, für die Ärzte wie für die Krankenkassen, dass es zu einer Eskalation der Honorarverhandlungen kommen wird. Die Krankenkassen wollten den niedergelassenen Medizinern die Honorare um sieben Prozent kürzen, weil sie die Mediziner für überbezahlt halten. Die Kassenärzte wiederum forderten ein Plus von 11 Prozent und argumentierten mit gestiegenen Betriebskosten.

Hätte man sich in der Mitte getroffen, wäre ein Honorarplus von zwei bis drei Prozent herausgekommen. Jetzt sind drei bis vier Prozent oder 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro mehr herausgekommen. Die Krankenkassen konnten sich nicht durchsetzen mit ihrem Versuch, den Anstieg der ärztlichen Honorare – wenigstens vorübergehend – zu stoppen. Sie sind die Verlierer dieser Verhandlungen.

134.000 Euro brutto für den deutschen Arzt

Mit einer spektakulären öffentlichen Inszenierung, wüsten Beschimpfungen und der Drohung von Praxisschließungen ist es den Ärzten gelungen, die Krankenkassenvertreter unter Druck zu setzen. Dabei sind ihre Verdienste schon jetzt nicht schlecht: Durchschnittlich 134.000 Euro brutto verbleiben den Ärzten nach Abzug ihrer Kosten pro Jahr in der Tasche, das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung errechnet. Der Spitzenverband der Krankenkassen kommt sogar auf 165.000 Euro. Das größte Problem daran ist, dass diese Verdienste sehr stark variieren.

Ist die Erhöhung der Ärzte-Honorare gerechtfertigt?

Es wäre der nobelste Zweck der Honorarverhandlungen gewesen, diese Ungerechtigkeiten zu beenden. Doch das Problem wird allenfalls gelindert, aber nicht geheilt. Die vierseitige Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Ärzten sieht vor, dass im hausärztlichen Bereich Zuschläge für Patienten mit mindestens drei chronischen Krankheiten gezahlt werden können. Das sind die Patienten, die besondere Betreuung erfordern und damit einen Mehraufwand auslösen. Zudem stellen die Krankenkassen zusätzlich 250 Millionen Euro bereit, um alte und sterbende Patienten zu versorgen. Das sind richtige Schritte.

Der Wunsch der Ärzte, für den sie heute auf die Straße gehen, dass künftig jede Leistung mit einem festen Preis bezahlt wird, ist aber völlig utopisch. Ärzte können sich ihre Nachfrage selbst schaffen. Das sieht man bei den Privatversicherten und Selbstzahlerleistungen. Deswegen müssen Regelungen getroffen werden, die verhindern, dass Leistungen immer weiter ausgeweitet werden. Die pauschalen Vergütungen sind der Versuch, diese Leistungsausweitungen zu verhindern.

Auch interessant
Börsen
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Wirtschaft
Neueste Bildergalerien Wirtschaft
Berlin
Die Berliner konnten am 3. November über einen Gesetzentwurf der Bürgerinitiative „Berliner Energietisch“ abstimmen.

Hier finden Sie alle Infos zum gescheiterten Volksentscheid des Berliner Energietisches.

Dossier
Der mittelständische Bauverband ZDB warf der öffentlichen Hand vor, in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen ihre Kompetenz als Bauherr stetig zurückgefahren zu haben.

Der Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg wird zum Politikum.

Jobmarkt
Wohnen
Sonderbeilagen & Prospekte
Anzeige
Galerie
Aktuelle Videos
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. €) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen