21.12.2011

Aktuelle Umfrage: Ökostrom-Boom kommt ins Stocken

Der Fall Fukushima war für die meisten Betroffenen eine Tragödie. Aus Sicht der Stromanbieter war er jedoch Segen. Denn damals interessierten sich noch 80 Prozent für einen Stromwechsel.
Der Fall Fukushima war für die meisten Betroffenen eine Tragödie. Aus Sicht der Stromanbieter war er jedoch Segen. Denn damals interessierten sich noch 80 Prozent für einen Stromwechsel.
Foto: dapd
Berlin –  

Der Fall Fukushima war für die meisten Betroffenen eine Tragödie. Aus Sicht der Stromanbieter war er jedoch Segen. Denn damals interessierten sich noch 80 Prozent für einen Wechsel zu Ökostrom. Mittlerweile sind es gerademal 45 Prozent.

Strom aus erneuerbaren Energien ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Die Nachfrage privater Kunden nach Ökostrom steigt aber lange nicht mehr so rasant wie in den Wochen nach der Atomkatastrophe in Japan im März. Nun wechseln wieder etwa so viele Verbraucher in Ökostromtarife wie vor Fukushima. Das zeigt eine dpa-Umfrage bei den größten Ökostrom-Anbietern sowie den Internet-Vergleichsportalen Toptarif und Verivox.

Insgesamt positive Ökostrom-Blilanz

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Wie Ökostrom funktioniert

Ökostrom stammt in Deutschland vor allem aus Wasser- und Windkraft. Allerdings ändert sich beim Wechsel zu einem solchen Tarif keineswegs der Strom, der zu Hause aus der Steckdose kommt. Vielmehr fließt der insgesamt produzierte Strom - also aus Atomkraft, Kohle und alternativen Energien - in einen großen Pool, aus dem wiederum alle Verbraucher versorgt werden.
Steigen mehr Verbraucher auf Ökostrom-Tarife um, hat dies zur Folge, dass künftig mehr Mittel in Anlagen zur alternativen Stromerzeugung investiert werden. Am transparentesten ist daher eine Zusage des Anbieters, dass das Geld der Kunden anteilig in eigene Investitionen für neue Anlagen fließt. Dadurch steigt der Anteil regenerativer Energien am Strompool (zuletzt 17 Prozent) und der von konventionellen Energiequellen sinkt.

Wechselwillige schauten angesichts von steigenden Strompreisen derzeit wieder stärker auf die Kosten und etwas weniger auf die Herkunft des Stroms, meinte Daniel Dodt von Toptarif. Im März und April hätten in der Spitze bis zu 70 Prozent der Portalbesucher Ökostrom als Grund für einen Wechsel angegeben. Nun seien es wieder 40 bis 50 Prozent wie zu Jahresanfang.
Auch beim Portal Verivox waren die Anfragen nach Strom aus alternativen Quellen im Frühjahr nach oben geschnellt. 80 Prozent interessierten sich nur für Ökostrom, nun sind es wieder etwa 45 Prozent.
Das Hamburger Unternehmen Lichtblick, größter Ökostrom-Anbieter in Deutschland, gewann in den ersten acht Wochen nach dem Reaktorunglück viele Kunden hinzu, an Spitzentagen bis zu 1000, wie Firmensprecher Ralph Kampwirth berichtete. Dann flachte die Kurve ab. Unterm Strich sei die Kundenzahl seit März um 35.000 auf 535.000 gestiegen.

Erneuerbare Energien deckten etwa 17 Prozent des deutschen Stromverbrauchs

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Den größten Sprung machte Naturstrom, das Düsseldorfer Unternehmen verdoppelte die Zahl seiner Ökostromkunden in diesem Jahr auf mehr als 200.000. Greenpeace Energy bekommt seit Fukushima 10.000 neue Kunden, nun sind es 110.000, wie die Sprecherin Kirsten Brodde mitteilte. Bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) stieg die Zahl der Ökostrombezieher nach eigenen Angaben von Ende 2010 bis heute um 28 000 auf 125 000.
Greenpeace Energy und die EWS machten die gleiche Erfahrung wie Lichtblick: Nach einigen Wochen war der Run auf den Ökostrom der Unternehmen abgeebbt. Bei den EWS sank die Zahl der monatlichen Neukunden wieder von 4000 auf 1500, den Stand vor Fukushima. Nach wie vor sei aber eine „generelle Wechselbereitschaft zu spüren“, so Brodde von Greenpeace Energy. „Die Leute wollen Teil der Energiewende sein.“
Nach Angaben der Bundesnetzagentur hatten sich im vergangenen Jahr 3,7 Millionen Haushaltskunden für einen Ökostromtarif entschieden, das entsprach einem Anteil von 8,8 Prozent. Neuere Angaben liegen noch nicht vor. Erneuerbare Energien, vor allem Wasser- und Windkraft, deckten 2010 etwa 17 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. (dpa) -

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