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Altersvorsorge: Angst vor Armut im Alter wächst

Auf der Suche nach Leergut

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dpa/Martin Schutt

Die Sorge der Deutschen um die Höhe ihrer Altersbezüge wächst aktuellen Umfragen zufolge deutlich. Mittlerweile gehen 42 Prozent der Beschäftigen nach einer Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) davon aus, dass ihre Rente zum Leben nicht ausreichen wird. Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch 2012. Nur 18 Prozent der 5800 Befragten glauben, mit der Rente den Lebensunterhalt gut oder sehr gut zu bestreiten können.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt eine Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Postbank. Danach halten drei Viertel der Menschen Altersarmut in Deutschland für ein bereits heute weit verbreitetes Phänomen. Neun von zehn Befragten gehen von künftig wachsender Altersarmut aus. 74 Prozent der 1 550 Interviewten verlangen von der Politik, mehr als bisher für die Altersvorsorge zu tun.

Demografie-Reserve bilden

In diese Richtung zielt auch die Forderung des DGB, den Rentenversicherungsbeitrag nicht weiter zu senken. Vielmehr müsse die gute Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung zum Aufbau einer Demografie-Reserve genutzt werden, um zumindest das heutige Rentenniveau dauerhaft halten zu können und die Erwerbsminderungsrente „armutsfest“ zu gestalten.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach regte an, den Beitragssatz kontinuierlich in kleinen Schritten anzuheben, um die Finanzbasis der Rentenkassen zu stärken. Sollten solche Maßnahmen in der neuen Legislaturperiode unterbleiben, werde „das gesamte Rentensystem auf lange Sicht in eine folgenschwere Krise“ geraten.

Und mit dem System auch Millionen älterer Menschen. Noch liegt der Anteil der statistisch von Altersarmut betroffenen über 64-Jährigen bei unter drei Prozent. Dass dieser Anteil künftig steigen wird, ist angesichts der viele Jahre lang ansteigenden Arbeitslosigkeit, des wachsenden Niedriglohnsektors und der nur noch geringfügig steigenden gesetzlichen Renten kaum mehr zu vermeiden. Laut Allensbach glauben 26 Prozent der Berufstätigen in Ostdeutschland nicht, den Lebensunterhalt im Alter aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Dies ist der höchste je gemessene Wert.

Gleichzeitig lassen die Anstrengungen zur privaten Altersvorsorge nach. Fast die Hälfte der Berufstätigen gab in der Postbank-Umfrage an, von weiteren Vorsorge-Aktivitäten absehen zu wollen. Auch dies ist der höchste je gemessene Wert. Besonders Lebensversicherungen haben wegen der anhaltend niedrigen Zinsen stark an Attraktivität eingebüßt. Zudem haben in den vergangenen zwölf Monaten weniger Menschen eine Beratung zur Privatvorsorge in Anspruch genommen als in jedem anderen Jahr seit 2008.

In der Folge scheint auch das Wissen um öffentliche Fördermöglichkeiten zu schwinden. Vom Wohn-Riester – dem staatlich geförderten Kauf von Wohneigentum zur Altersvorsorge – haben aktuell 56 Prozent der Berufstätigen „schon gehört“. 2011 waren es noch mehr als 60 Prozent gewesen. Dabei erfreuen sich die eigenen vier Wände steigender Wertschätzung, wenn es um den Lebensabend geht. Laut Umfragen gilt Immobilienbesitz als besonders sicher und rentabel.



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