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Analyse zur weltweiten Lohn-Entwicklung: Die globale Umverteilung setzt sich fort

Arbeiten im Finanzdistrikt von Shanghai: In China sind die Löhne überdurchschnittlich hoch gestiegen.

Arbeiten im Finanzdistrikt von Shanghai: In China sind die Löhne überdurchschnittlich hoch gestiegen.

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REUTERS

Berlin -

Die globale Umverteilung zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Das zeigt der jüngste Bericht der UN-Arbeitsorganisation ILO. Zwar legten die Löhne weiter zu. Schneller stieg jedoch die Produktivität der Arbeitnehmer, sprich: Sie erhalten einen immer kleineren Teil des Gesamtprodukts.

Weltweit legten die Löhne im vergangenen Jahr laut ILO real – also abzüglich Inflation – um 2,0 Prozent zu. Dies lag jedoch vor allem an der Entwicklung in Asien, wo die Arbeitseinkommen um sechs Prozent stiegen. Großen Einfluss auf den globalen Durchschnitt hatte China: Ohne das Riesenreich wären die Löhne auf der Welt nur um 1,1 Prozent gestiegen.

Nach unten gedrückt wird der Durchschnitt durch die Industrieländer. Hier stagnieren die Löhne im wesentlichen: 2013 gab es laut ILO ein kleines Plus von 0,2 Prozent nach 0,1 Prozent im Vorjahr. In einigen Ländern mussten die Arbeitnehmer weitere Rückgänge ihrer Einkommen verkraften: In Griechenland, Irland, Italien, Japan, Spanien und Großbritannien sanken sie im vergangenen Jahr sogar unter das Niveau von 2007.

Die Senkung der Lohnkosten wurden und werden insbesondere in Europa eingesetzt, um der Krise zu begegnen. Allerdings gab es diesen Trend bereits vor der jüngsten Krise. So haben zum Beispiel in Italien Arbeitsmarktreformen in den neunziger Jahren laut ILO dazu beigetragen,  das Lohnwachstum zu bremsen.

Neue Technologien sparen Lohnkosten

Während die Einkommen der Arbeitnehmer in den Industriestaaten stagnierten, legte ihre Produktivität  weiter zu. Die Arbeitsproduktivität misst die ILO an der Wirtschaftsleistung pro Kopf. Seit 1999 ist sie um 17 Prozent gewachsen, die realen Löhne dagegen nur um sechs Prozent, errechnet die Organisation. Das bedeutet: Die Arbeitnehmer erhalten einen kleineren Teil des produzierten „Kuchens“, der Anteil der Eigentümer der Unternehmen dagegen steigt.

Die Gründe dafür sind laut ILO vielfältig: Reformen bremsen das Lohnwachstum, die Globalisierung schwächt  die Verhandlungsposition der Gewerkschaften, die Finanzmärkte verlangen höhere Renditen von den Unternehmen, neue Technologie ermöglicht es den Firmen, zu rationalisieren und Lohnkosten zu sparen.  Als Ergebnis geht die Lohnquote – also der Anteil der Arbeitseinkommen an den Gesamteinkommen – in fast allen Industrieländern seit den achtziger Jahren tendenziell zurück. Lag sie in Deutschland und den USA 1991 noch bei etwa 62 Prozent, so sind es laut ILO nun eher 56 bis 58 Prozent.

Die schwache Lohnentwicklung nutzt zwar einerseits den Unternehmen, deren Gewinne sich seit der Krise gut erholt haben. Gleichzeitig  jedoch drückt die Entwicklung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auf das gesamte Wirtschaftswachstum, mahnt die ILO in ihrem Report. In der Folge sinkt für Unternehmen der Anreiz, die Gewinne zu investieren. Die ILO fordert die Politik daher auf, für eine stärkere Lohnentwicklung zu sorgen. Dies sei nicht nur ökonomisch wichtig, sondern auch ein Mittel, um der wachsenden Ungleichheit zu begegnen.