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Arbeit in Berlin: Berliner Gehalt: Ein Drittel weniger als im Westen

Der Chef der Landesarbeitsagentur, Dieter Wagon, fordert von Berliner Arbeitslosen sich aktiver an der Jobsuche zu beteiligen.

Der Chef der Landesarbeitsagentur, Dieter Wagon, fordert von Berliner Arbeitslosen sich aktiver an der Jobsuche zu beteiligen.

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dpa

Berlin -

In der Berliner Wirtschaft hat der Chef der Arbeitsagenturen in Berlin und Brandenburg Zustimmung erhalten, bei den Gewerkschaften stößt Dieter Wagon auf Ablehnung und Empörung. „Es muss endlich einmal Schluss damit sein, pauschal den Arbeitslosen die Schuld für ihre Lage in die Schuhe zu schieben“, sagte der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dieter Pienkny. „Ihnen den Schwarzen Peter zu geben, hilft den Betroffenen nicht weiter und wird der Lage am Arbeitsmarkt nicht gerecht. “

Die Kritik des DGB entzündet sich an Äußerungen von Wagon in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Darin sprach Wagon sinngemäß davon, dass nach seiner Beobachtung ein Teil der Erwerbslosen in Berlin selbst schuld an ihrer Misere sei: Ihm sei aufgefallen, „dass ein Teil der Arbeitslosen in Berlin eine passive Haltung hat, wenn es darum geht, die eigene Arbeitslosigkeit zu beenden.“ Die Arbeitsämter würden aber erwarten, „dass jeder sich aktiv um Arbeit bemüht“ und „sich vielleicht auch auf eine Beschäftigung einlässt, die nicht hundertprozentig der früheren Tätigkeit entspricht“.

Massiv eingespart

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DGB-Sprecher Pienkny betonte dagegen, dass der Zahl der Erwerbslosen in Berlin eine verhältnismäßig kleine Menge an freien Arbeitsstellen gegenüber stehe (siehe Grafik), die Job-Möglichkeiten also relativ gering seien. Zudem hätten die Einsparungen bei der Bundesagentur und bei den regionalen Arbeitsagenturen selbst zu der schwierigen Lage beigetragen. So seien in Berlin-Brandenburg die Mittel für Weiterbildung und Qualifizierung in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent verringert worden. Das sei für die Region insbesondere deshalb verheerend, weil nach Senatsangaben fast jeder zweite der hiesigen Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung und damit auch schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe. „Sie hätten eine Qualifizierung dringend nötig“, sagte Pienkny.

Auch die Qualität der Arbeitsplätze insgesamt lasse nach Auffassung der Gewerkschaften oft zu wünschen übrig. So würden sich bereits 42 Prozent der Berliner Arbeitnehmer in den sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen befinden – also beispielsweise in Leiharbeit, Minijobs oder Teilzeit. Damit liege die Hauptstadt an erster Stelle unter den Bundesländern. In Brandenburg betrage der Anteil rund 37 Prozent.

Die Konsequenz ist eine geringere Entlohnung: In der Regel könne damit kaum das Existenzminimum gesichert werden, klagt der DGB. In Berlin allein seien rund 130.00 Aufstocker registriert. Sie verdienen mit Arbeit so wenig, dass sie auf staatliche Zuschüsse angewiesen sind. Nach Gewerkschaftsangaben liegen die durchschnittlichen Löhne und Gehälter in der Region rund 30 Prozent unter dem Niveau in Westdeutschland.