image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Aufregung um schnelles Internet: Showdown um Vectoring-Pläne der Telekom

Glasfaserkabel bieten hohe Übertragungs-Geschwindigkeiten – doch die Verlegung ist teuer.

Glasfaserkabel bieten hohe Übertragungs-Geschwindigkeiten – doch die Verlegung ist teuer.

Foto:

dpa

Selten war die Aufregung in der Telekommunikationsbranche so groß. Am Montag wird es eine Art Showdown geben: Politiker stellen die Weichen für den weiteren Ausbau der schnellen Internetverbindungen. Die Telekom will sich dabei verpflichten, flächendeckend für hohe Bandbreiten zu sorgen. Dafür soll ihr der exklusive Zugriff auf die Netztechnik gewährt werden. Die Konkurrenten laufen dagegen Sturm. Auch von Wirtschaftsverbänden gibt es massiven Protest.

„Wichtigste Entscheidung in unserer Branche“

„Seit der Privatisierung der Telekom vor 18 Jahren stehen wir vor der wichtigsten Entscheidung über Wettbewerb in unserer Branche“, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes VATM, in dem sich T-Konkurrenten organisiert haben.

Würden die Pläne des Bonner Konzerns genehmigt, entstehe „ein neues Teilmonopol, das auf absehbare Zeit nicht mehr zu knacken ist“.

Es geht um eine technische Neuerung, die Vectoring heißt: Sie ermöglicht schnelles Internet über die gute alte Telefonleitung mit einer Geschwindigkeit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit). Die Telekom bietet an, diese Technik überall im Land in einem Umkreis von gut 500 Meter um die Ortsnetzverteiler-Stationen (HVT) für insgesamt knapp sechs Millionen Haushalte zu installieren. Das kostet mehrere Milliarden Euro und soll bis 2018 abgeschlossen sein.

Technisch geht es vor allem darum, Glasfaserleitungen von den HVT zu den grauen Kästen an den Straßenecken (Kabelverzweiger, KVZ) zu ziehen.

Ausbau soll Breitbandziele der Bundesregierung fördern

Der Ausbau soll helfen die Breitbandziele der Bundesregierung zu erreichen – mindestens 50 MBit überall im Land bis Ende 2018. Der T-Konzern fordert als Gegenleistung: Konkurrenten soll es verboten werden, von den knapp 8000 HVT aus neue Leitungen fürs schnelle Internet zu legen. Das würde vor allem regional tätige Firmen betreffen, die oft in der Hand von Kommunen sind.

Der Vorstoß der Bonner wird nicht nur von den Telekom-Rivalen massiv kritisiert. Auch sechs wichtige Verbände und Organisationen warnen in einem Brief an den Beirat der Bundesnetzagentur (BNetzA). Wettbewerber würden „in struktureller Weise“ benachteiligt. Die Marktmacht der Telekom werde „wird somit perpetuiert“, heißt es in dem Papier, das unter anderen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag, vom Landkreistag und vom Städtetag verfasst wurde. Der Beirat ist das politische Gremium der BNetzA, besetzt mit Bundestagsabgeordneten und Vertretern der Länder. Er stellt heute die Weichen beim Vectoring-Antrag der Telekom. Die endgültige Entscheidung der BNetzA soll bis zum Sommer fallen.

Nach Einschätzung von Insidern steht eine Mehrheit im Beirat auf der Seite der Telekom. „Die Politiker haben sich von der vermeintlichen Ausbaugarantie blenden lassen“, sagt Grützner. Dabei könne die Zusicherung ohne große Probleme zurückgenommen werden. Es gebe viele Hintertürchen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum lediglich 1,4 Millionen Menschen profitieren würden, und welche Strategie die Telekom verfolgt.

nächste Seite Seite 1 von 2