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Aus für DVB-T: Dobrindt schaltet Berlinern das Fernsehen ab

Fernsehen über DVB-T wird bald der Vergangenheit angehören.

Fernsehen über DVB-T wird bald der Vergangenheit angehören.

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imago/Westend61

Berlin -

Wenn es einmal nicht um die Pkw-Maut geht, sondern um das schnelle Internet, blüht der selbst ernannte „Minister für Mobilität und Modernität“ richtig auf. Alexander Dobrindt spricht dann von Initialzündungen, dynamischen Innovationsfeldern und Daten-Tsunamis. Und anders als bei der Maut drückt er beim Thema Breitbandausbau tatsächlich aufs Tempo. Was der CSU-Mann dabei allerdings verschweigt: Für mehrere Millionen Fernsehzuschauer wird das Ganze ein sehr teurer Spaß.

600.000 Berliner betroffen

Der Zusammenhang zwischen Breitbandausbau und Fernsehen ist etwas kompliziert: Um das schnelle Internet auch in die hintersten Winkel der Republik zu bekommen und zusätzlich das Geld für eine Förderung des Ausbaus aufzubringen, sollen weitere Funkfrequenzen versteigert werden. Dabei geht es um das 700-Megahertz-Band. Über diese Frequenzen sendet derzeit aber noch das relativ junge digitale Antennenfernsehen DVB-T, das bundesweit von immerhin 3,8 Millionen Haushalten genutzt wird. Allein in Berlin und Brandenburg sehen 600.000 Haushalte DVB-T.

Bereits 2015 will Dobrindt die Frequenzen an die meistbietenden Mobilfunkfirmen verkaufen, ab Mitte 2016 oder spätestens 2017 soll dort mobiles LTE-Breitband verfügbar sein. Was die bisher internetfreie Landbevölkerung freut, bedeutet Pech für die DVB-T-Gucker: Ihre Fernseher bleiben fortan dunkel. Die erst vor einigen Jahren gekauften kleinen Boxen zum Empfang des DVB-T-Signals können auf den Müll geschmissen werden. Selbst hochmoderne LED-TV empfangen dann kein Bild mehr über Antenne. Fernseher, in denen die bisherige DVB-T-Technik integriert ist, müssten mit neuen Empfangsboxen nachgerüstet werden.

Hunderte Millionen Euro Entsorgungskosten

Nun muss zur Entlastung Dobrindts gesagt werden, dass die Abschaltung von DVB-T schon seit längerem vorgesehen war, aber erst für 2020 – also drei Jahre später als jetzt geplant. Folgen soll der Standard DVB-T2, der Bilder in höherer Qualität ermöglicht. Ursprünglich war daran gedacht, die neue Technik ab 2017 schrittweise einzuführen und zunächst parallel mit DVB-T anzubieten. Das hätte für die TV-Kunden den Vorteil, dass sie die alten Geräte noch länger nutzen können. Außerdem wäre die Umstellung erheblich billiger: Kosteten die DVB-T-Geräte kurz nach Einführung der Technik um das Jahr 2005 noch bis zu 200 Euro, sind sie heute teilweise für 30 Euro erhältlich.

In Dobrindts Plan gibt es keine nennenswerte Übergangsphase mehr. Anfang 2017 müssten sich die DVB-T-Seher innerhalb weniger Monate neue Zusatzgeräte oder gleich neue Fernseher kaufen. „Wir rechnen mit Kosten von mindestens 300 Millionen Euro für die Haushalte und einer Menge Elektroschrott“, kritisiert die Grünen-Politikerin Tabea Rößner: „Der Bundesregierung sind diese Konsequenzen bewusst, verschweigt sie aber in der Öffentlichkeit. Das ist ein Skandal.“

Noch leisten die Rundfunkanstalten heftigen Widerstand. Sie wollen die Umstellung nicht vor Mitte 2019. Dass Dobrindt nachgibt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn dann käme der Breitbandausbau nicht voran, der in der Regierung hohe Priorität genießt.