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Ausländische Qualifikation: Anerkennungsgesetz schreckt ab

Vielen beruflich qualifizierten Ausländern ergeben sich aus dem Behördengang zur Anerkennung ihres Abschlusses Kosten und ein zäher Prozess.

Vielen beruflich qualifizierten Ausländern ergeben sich aus dem Behördengang zur Anerkennung ihres Abschlusses Kosten und ein zäher Prozess.

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dpa

Schaut man auf die reinen Zahlen, ist der Zustrom noch bescheiden: Seitdem das sogenannte Anerkennungsgesetz in Deutschland im April 2012 in Kraft getreten ist, haben 66 Ausländer bei der Handwerkskammer Berlin einen Antrag auf Anerkennung ihres in der Heimat erworbenen Berufsabschlusses gestellt. Nach Angaben der Handwerkskammer wurde in 28 Fällen ein Bescheid über die volle oder teilweise Gleichwertigkeit mit einem deutschen Abschluss erteilt. 13 Anträge seien zurückgenommen worden, 25 werden noch bearbeitet. In Brandenburg sind die Zahlen nicht wesentlich größer, dort gingen bei den drei Handwerkskammern insgesamt 120 Anträge ein.

Besonders häufig würden sich Kfz- und Elektrotechniker sowie Tischler und Konditoren melden, die mit einem in Deutschland attestierten Abschluss ihren Beruf ausüben möchten. Nicht verwunderlich ist, dass bundesweit viele Antragsteller aus der Türkei und aus Polen, aber auch aus den aktuellen Krisenländern Spanien, Griechenland und Italien kommen.

Die Anerkennung der Qualifikation muss sich rumsprechen

Nun dürfte es als sicher gelten, dass wesentlich mehr Migranten als Handwerker oder mit Handwerks-Erfahrung in Berlin und Brandenburg tätig sind. Aber warum ist dann die Zahl der Anträge auf Anerkennung von beruflichen Qualifikationen so niedrig? Fachkräfte werden gebraucht, auch aus dem Ausland, so werden die Unternehmen nicht müde zu beteuern – aber sie bieten laut Nationalen Bildungsbericht selbst zu wenig Lehrstellen an.

Klar ist, dass sich die Möglichkeit der Anerkennung eines beruflichen Abschlusses erst einmal herumsprechen muss. Zwar verweisen Handwerkskammer und die Industrie- und Handwerkskammer Berlin auf ihren Internet-Seiten ausführlich auf das Gesetz, gespickt mit Handreichungen, was man im Bedarfsfall tun kann. Aber für Migranten muss das längst nicht die erste Sorge sein, wenn man im konjunktursonnigen Deutschland Geld verdienen will.

Senkung der Hürden wäre hilfreich

Hinzu kommen die bürokratischen Hemmnisse. In vielen Ländern ist es oft nur unter großen Mühen und über einen langen Zeitraum hinweg möglich, die in Deutschland geforderten Unterlagen zu besorgen. Diese Anstrengungen spart sich jeder, der auch ohne Gang vor eine Anerkennungsstelle Arbeit findet. Und Kosten fallen auch noch an. Bis zu 600 Euro müssen bezahlt werden – für einen Prozess, in dem sich der Antragsteller nicht sicher sein kann, dass er am Ende das gewünschte Papier erhält.

Trotz aller Schwierigkeiten ist das Anerkennungsgesetz aber wichtig, weil es die Möglichkeit gibt, den heimischen Abschluss in einen in Deutschland akzeptierten zu transferieren. Gerade hierzulande spielen Urkunden und Zeugnisse eine große Rolle, und der Nachweis eines bestimmten Qualifikationsniveaus ermöglicht oft den Einstieg in einen neuen Job oder befördert ihn zumindest. Aber spätestens in seinem dritten Geltungsjahr sollte grundlegend geprüft werden, wie groß der Erfolg des Gesetzes tatsächlich und wie man die bürokratischen Hürden senken kann. Denn sonst hat es statt einer einladenden Wirkung zur Arbeit in Deutschland eher einen abschreckenden Effekt.