28.10.2011

Autobranche: Das Ende der Party

Von Jakob Schlandt
Noch läuft die Produktion auf Hochtouren bei Daimler.
Noch läuft die Produktion auf Hochtouren bei Daimler.
Foto: dpa

Die großen deutschen Autokonzerne machen Riesengewinne. Noch. Nun wird es schwierig, noch draufzulegen. Weltweit erwarten Analysten nur wenig Wachstum auf dem Automarkt.

Eine furiose, zwei Jahre währende Aufholjagd der deutschen Autobauer geht zu Ende. Nach dem Tiefpunkt 2009, als die Absatzzahlen einbrachen und zum Teil dramatische Verluste verzeichnet werden mussten, ging es steil bergauf. Die Aktienkurse stiegen auf ein Vielfaches an, die Umsätze schossen ebenfalls nach oben. Nun sind die meisten Werke voll ausgelastet, hohe Gewinne werden eingefahren. Die Deutschen haben nicht nur von der Erholung in Europa und den USA sowie dem Boom in China profitiert. In vielen Segmenten gelang es sogar, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive an der Fachhochschule Bergisch Gladbach, erwartet dass 2011 ein „Rekordjahr für die deutschen Autobauer werden wird.“ Doch ganz oben ist die Luft dünn. Daimler legte gestern seine Quartalszahlen vor. In den vergangenen neun Monaten wurden operativ zwar 6,8 Milliarden Euro verdient und damit schon fast so viel wie im ganzen Jahr 2010. Doch einige Kennzahlen enttäuschten. Daimler hat sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, an jedem Euro Verkaufspreis seiner Pkw zehn Cent zu verdienen. Doch die Sparte rutschte auf acht Prozent Marge ab. Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt sich zwar überzeugt, dass es kommendes Jahr noch weiter bergauf geht. Analysten bezweifeln das aber und bereiten die Anleger schon auf Gewinnrückgänge vor.

Starke Tochter: Audi steigerte seinen Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres um 74 Prozent auf vier Milliarden Euro.
Starke Tochter: Audi steigerte seinen Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres um 74 Prozent auf vier Milliarden Euro.
Foto: Audi

Für Volkswagen ist die Freude noch ungetrübter. Im Vergleich zum Vorjahr wurde der operative Gewinn in den ersten neun Monaten annähernd verdoppelt auf neun Milliarden Euro. Der enorme Gewinnanstieg nach Steuern kam nur durch die Neubewertung der Beteiligung an Porsche zustande. Laut Bratzel wird VW dieses Jahr bis zu 8,3 Millionen Autos absetzen, das sind rund 800.000 mehr als Erzkonkurrent Toyota und nur eine halbe Million weniger als die Nummer eins General Motors.

Bis auf die weltweite Nummer vier hat sich allerdings inzwischen Hyundai herangepirscht. Die Südkoreaner haben gezeigt, dass es möglich ist, erstaunlich schnell aufzuholen. Innerhalb weniger Jahre haben sie Design und Qualität ihrer Autos auf ein mit VW durchaus vergleichbares Niveau gehoben und können nun ständig neue Absatzrekorde in Europa und den USA feiern – Märkten, in denen es vielen Asiaten schwer fällt, Fuß zu fassen. „Das ist ein starker Konkurrent für Volkswagen“, sagte Bratzel. Er erwartet jedoch, dass VW aufgrund seiner Größenvorteile weiter die Kosten bei hoher Qualität deutlicher drücken kann als die Konkurrenz. VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte gestern das Ziel, bis 2018 die globale Nummer eins werden. Vermutlich gelingt das aber viel früher.

Für deutliche Absatzsteigerungen müssen allerdings ab jetzt der Konkurrenz im Wettbewerb Marktanteile abgeknöpft werden – das gilt für alle Autobauer. Denn selbst wenn die Weltwirtschaft stabil bleibt, erwartet Bratzel nur noch wenig Wachstum für den globalen Automarkt. „In Europa rechne ich für kommendes Jahr mit Stagnation, in den USA wird es auch deutlich weniger Wachstum geben als dieses Jahr“, sagte Bratzel. Einzig China werde noch nennenswert zulegen, aber auch nicht so stürmisch wie in den vergangenen Jahren. Die große Aufholparty ist gelaufen.

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