08.11.2011

Autovermietung: Ein Golf für sechs Euro

Von Daniel Baumann
        

Anfänge des Carsharings: Der VW-Bulli wurde gerne geteilt.
Anfänge des Carsharings: Der VW-Bulli wurde gerne geteilt.
Foto: dapd

Vor fünf Jahren hat VW seinen Anteil an Europcar noch für drei Milliarden Euro verkauft - jetzt entdeckt der Auto-Riese das Vermietgeschäft wieder, um den Anschluss an einen der wichtigsten Zukunftsmärkte nicht zu verpassen.

Weitsichtiges Management sieht anders aus: Vor fünf Jahren hat Volkswagen seinen Anteil am Autoverleiher Europcar für drei Milliarden Euro an einen französischen Investor verkauft. Jetzt müssen die Wolfsburger den Fehler wieder ausbügeln – und steigen wieder ins Verleihgeschäft ein. Denn mittlerweile kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Zukunft der Autoindustrie nicht alleine im Verkauf von Fahrzeugen liegt, sondern auch in deren Vermietung.

Gerade jungen Menschen ist ein eigenes Auto immer weniger wichtig. Der Bundesverband Car-Sharing erwartet, dass sich die Zahl der Nutzer von Car-Sharing-Modellen in diesem Jahr von 158.000 auf 190.000 erhöhen wird. In Großstädten versuchen sich Autokonzerne deshalb mit Verleih-Modellen für Kurzstrecken. Die Kompetenz dafür bringen die klassischen Autovermieter ein. In Berlin und München hat der Autokonzern BMW zusammen mit dem Mietwagenspezialisten Sixt ein Car-Sharing-Modell gestartet. Daimler arbeitet mit Europcar zusammen.

VW hat den Anschluss an das neue Autozeitalter bislang verpasst. Die Niedersachsen werden erst am 18. November in das Geschäft einsteigen. Der Konzern startet dann in Hannover mit der Vermietung von Fahrzeugen. Um die verlorene Zeit schnell aufzuholen, plant Volkswagen zudem die Übernahme des Autovermieters Euromobil. Damit wird der Fehler, die Beteiligung an Europcar abzugeben, wieder ausgemerzt.

„Volkswagen hat nun das Thema neue Mobilitätskonzepte entdeckt, wenn auch etwas spät“, sagt der Automobilexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. „Das VW-Management hat aber keine Erfahrung im Vermietgeschäft. Mit Euromobil holt man die sich ins Haus.“ Euromobil steht dem VW-Konzern jetzt schon nahe. Das Unternehmen gehört den Händlern von Volkswagen, Audi, Skoda und Seat. Das sind alles Marken, die zum VW-Konzern gehören. Neben dem klassischen Verkauf von Autos haben die Händler mit der Vermietung von Fahrzeugen bislang ein Zubrot verdient. Nun will VW das Unternehmen in die eigene Hand nehmen. Der Konzern wäre damit auf einen Schlag mit 17.000 Mietfahrzeugen in 2500 Vermietstationen in ganz Deutschland präsent.

Quicar, das neue VW-Konzept

Die Übernahme passt sich nahtlos in das Car-Sharing-Modell von Volkswagen ein. Quicar nennen die Wolfsburger ihr Konzept, das sie Anfang November starten. Dabei holt der Nutzer das Auto an der Verleihstation ab und bringt es auch wieder dorthin zurück. Sechs Euro kostet eine halbe Stunde im VW-Golf.

Besonders innovativ ist das Modell von Volkswagen nicht. Bei BMW und Daimler sind die Fahrzeuge über das ganze Stadtgebiet verteilt. Vermietungsstationen gibt es nicht. Man findet ein Auto über sein Handy – und lässt es nach der Nutzung dort stehen, wo man es nicht mehr braucht.

Volkswagen wird mit der Übernahme von Euromobil dafür schneller Präsenz in der Fläche gewinnen. Schließlich können die Fahrzeuge künftig bei jedem Händler von Seat, Volkswagen, Audi und Skoda abgeholt werden.

Abgeguckt ist dieses Konzept von Peugeot. Der französische Autobauer ist mit seinem Car-Sharing-Modell nach eigenem Bekunden so erfolgreich, dass er es ab Ende des Jahres in jeder deutschen Großstadt anbieten will. Bei Peugeot sind nicht nur Kleinwagen zu haben, sondern auch Motorroller, Transporter, Zubehör – und sogar Fahrräder.

Wenn mit Volkswagen nun der größte deutsche Automobilhersteller ernsthaft in das Verleihgeschäft einsteigt, erhöht das nicht nur die Präsenz von Carsharing-Modellen. Auch der Wettbewerb nimmt zu. Für die Verbraucher hat das vor allem Vorteile. Mobilität wird noch flexibler. Und wie die aggressive Preispolitik der Wolfsburger zeigt, dürften künftig auch die Auto-Mietpreise sinken.

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