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Bankenkrise: Unicredit aus Italien ist der Vorbote der Krise

Schnell das Geld abheben: Unicredit-Filiale in Rom.

Schnell das Geld abheben: Unicredit-Filiale in Rom.

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dapd

In Italien zeigt sich derzeit, wie schwer es viele europäische Banken haben werden, die Eigenkapitalanforderungen der Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni zu erfüllen. Die größte Bank des Landes schafft es, wenn überhaupt, nur mit einem Abschlag von 43 Prozent auf den Aktien-Schlusskurs vom Dienstag eine Kapitalerhöhung zu stemmen − und erlebt deshalb gerade ein Desaster an der Börse.

Auch optimistische Äußerungen von Institutschef Federico Ghizzoni, der sich zuversichtlich zeigte, fast alle neuen Papiere am Markt platzieren zu können, konnten das Misstrauen der Anleger gestern nicht zerstreuen. Die Aktie stürzte in Mailand noch einmal um mehr als elf Prozent ab, nachdem sie bereits am Mittwoch fast 15 Prozent eingebüßt hatte. Zunächst waren die Titel sogar vom Handel ausgesetzt worden.

Das Geldhaus benötigt dringend 7,5 Milliarden Euro: Die EBA hat den Banken eine Frist bis Ende Juni gesetzt, um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen, wollen sie staatliche Rekapitalisierungen vermeiden. Die 70 größten Geldhäuser Europas müssen ihr Kapital um 115 Milliarden Euro aufstocken.

"Die sind alle unter Druck“

Analysten der WGZ Bank machten zwar auf die besondere Lage des Unicredit aufmerksam, der für 48,6 Milliarden Euro Staatsanleihen aus kriselnden Euro-Ländern hält, und nun die größte Kapitalerhöhung einer europäischen Bank seit Herbst 2010 zu stemmen versucht. Doch Dirk Müller-Tronnier, Banken-Spezialist des Beratungsunternehmens Ernst & Young, sieht darin mehr als nur einen missglückten Einzelfall. „Es ist immer schwer, eine Kapitalerhöhung durchzuziehen, wenn man erkennbar unter Druck steht“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. In dieser Situation befänden sich alle Geldhäuser, denen die EBA nach dem Stresstest im Dezember Nachholbedarf attestiert habe: „Die sind alle unter Druck.“

In Deutschland wurde seinerzeit vor allem der Commerzbank, aber auch der Deutschen Bank Kapitalbedarf attestiert. Die Aktien beider Häuser gerieten im Sog von Unicredit unter Druck. Mit einem Minus von mehr als fünf Prozent waren sie zeitweise die größten Verlierer im Dax − und gaben stärker nach als die Titel ihrer europäischen Wettbewerber. Die Papiere der Deutschen Bank belasteten insbesondere Spekulationen über eine weitere Kapitalerhöhung.

"Jedes Institut muss sehen, wie es dasteht“

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte dazu auf Anfrage lediglich, das Institut nehme nicht zu Spekulationen Stellung. Noch in der ersten Dezember-Hälfte des vergangenen Jahres hatte die Bank in einer Reaktion auf die Ergebnisse des EBA-Stresstests erklärt, die geforderte Kapitalquote von neun Prozent bereits bis Ende 2011 zu erreichen und in den Folgemonaten weiter erhöhen zu können. Die EBA, die eine Kapitallücke von 3,2 Milliarden Euro attestiert hatte, habe zum Beispiel „keinerlei einbehaltene Gewinne zwischen September 2011 und Juni 2012 berücksichtigt“.

Außerdem hätten „keinerlei Gegenmaßnahmen“ Beachtung gefunden. So erwägt der deutsche Branchenprimus, sich von einem Teil seiner Vermögensverwaltung zu trennen. Wie gestern von der Nachrichtenagentur ddp mit Hinweis auf vertraute Personen berichtet wurde, sollen Interessenten bis Ende der Woche ein „indikatives Angebot“ abgeben.

Bankenexperte Müller-Tronnier will trotzdem eine weitere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank nicht ausschließen. „Jedes Institut muss sehen, wie es relativ zu anderen dasteht“, sagte er. Das sah im Dezember auch die Ratingagentur Fitch so. Sie stufte die Deutsche Bank und sieben weitere Institute mit dem Hinweis herab, sie sei „nicht so gut kapitalisiert wie andere internationale Wettbewerber“.


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