blz_logo12,9

Beschäftigung: Kurzzeit-Jobber werden allein gelassen

Kurz-Jobber: Hilfsarbeiter erhalten besonders oft nur befristete Arbeitsverträge.

Kurz-Jobber: Hilfsarbeiter erhalten besonders oft nur befristete Arbeitsverträge.

Foto:

dpa

Berlin -

Der deutsche Arbeitsmarkt ist stabil, befinden Politiker und Ökonomen. Gemeint ist damit vor allem eins: Die Arbeitslosigkeit ist relativ niedrig. Für viele Beschäftigte kann von Stabilität aber keine Rede sein. Mehr als 40 Prozent aller neuen Arbeitsverträge sind mittlerweile befristet. Hunderttausende werden nur für wenige Wochen eingestellt. Betroffen sind Hilfsarbeiter ebenso wie Kaufleute und Künstler. Die Politik hat vor einigen Jahren eine Regelung beschlossen, um diese Menschen besser abzusichern. Doch kaum jemand profitiert davon.

Über die Kurz-Jobber ist bislang nur wenig bekannt. Ein paar Informationen stehen in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei. Danach gab es zuletzt fast 700.000 Menschen, deren Jobs zehn Wochen oder kürzer dauerten. Die Bundesregierung bezieht sich auf eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Dafür wurde die Erwerbstätigkeit von Beschäftigten über einen längeren Zeitraum betrachtet.

Die 700.000 Menschen hatten in den letzten zwei Jahren überwiegend solche Wochen-Jobs. Gezählt wurden dabei ausschließlich Menschen, die nach spätestens zehn Wochen den Betrieb tatsächlich wieder verlassen haben, Ketten-Verträge bei einer Firma wurden nicht berücksichtigt. Die Daten stammen von 2010, neuere Erhebungen gibt es nicht. Das Ausmaß dürfte heute ähnlich groß sein, vermutet der IAB-Wissenschaftler Daniel Werner.

Minijobber gar nicht erfasst

Besonders viele Wochen-Stellen gibt es in der Leiharbeit und im Einzelhandel. Die Idee der Zeitarbeit ist eigentlich, dass die Beschäftigten in verschiedenen Betrieben arbeiten, aber dauerhaft bei der Zeitarbeits-Firma beschäftigt sind. Doch in der Praxis werden sie oft nur für einen bestimmten Einsatz eingestellt. Einzelhändler würden Verkäuferinnen zum Beispiel als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung für einige Wochen einsetzen, sagt Heribert Jöris, Geschäftsführer des Handelsverbands HDE. Fürs Weihnachtsgeschäft heuerten Kaufhäuser dagegen relativ wenige Aushilfen an, das werde eher über Arbeitszeitkonten bewältigt. Das Stammpersonal leistet also Mehrarbeit, die später abgefeiert wird. Das ist eine Alternative zum Heuern und Feuern nach betrieblichem Bedarf.

In der Filmbranche werden Techniker und Schauspieler seit langem nur für einzelne Produktionen eingestellt, von den 25.000 Beschäftigten hätten rund 20.000 nur einen kurzen Arbeitsvertrag, schätzt die Gewerkschaft Verdi. Projektgebundene Jobs lägen auch anderswo im Trend: In der IT- oder Bildungsbranche würden Fachkräfte immer öfter nur für einzelne Projekte eingestellt, sagt Verdi-Funktionär Matthias von Fintel.

nächste Seite Seite 1 von 2