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Bezahlen mit Smartphone: Bye, Bye Bargeld

Durch einen Aufsatz wird das iPhone zum mobilen Kartenlesegerät: Payleven-Mitgründer Steve Krieger zahlt in Schöneberg mit seinem eigenen System.

Durch einen Aufsatz wird das iPhone zum mobilen Kartenlesegerät: Payleven-Mitgründer Steve Krieger zahlt in Schöneberg mit seinem eigenen System.

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Berliner zeitung/christain schulz

Makiel Rouven Marx steht in seinem Beauty-Salon in der Motzstraße in Schöneberg. In der Hand hält er ein rechteckiges Gerät, das nur so groß wie eine Streichholzschachtel ist, aber das Bargeld überflüssig machen soll. Der Make-up-Profi verbindet die Box mit dem Kopfhörereingang seines iPhones und verwandelt das Handy so in ein Kartenlesegerät. Dann zieht er die EC-Karte durch den Kartenleser, der Kunde muss den Haargel-Kauf nur noch auf dem Touchscreen signieren. Bezahlt. Fertig.

Der Käufer ist Payleven-Mitgründer Steve Krieger, er unterzeichnet mit seinem Zeigefinger. Der 30-Jährige ist einer der Geschäftsführer desDasBerliner Start-up-Unternehmens, das auf diese Weise Zahlungen mit EC- und Kreditkarten immer und überall möglich machen will. Mussten bislang Händler Kreditkartenlesegeräte kaufen oder mieten, verteilt Payleven seine kleinen Boxen umsonst und verdient an der Transaktionsgebühr von 2,9 Prozent des Kaufpreises, die es sich mit Kreditkartenunternehmen teilt.

Pizza-Lieferanten, Flohmarkthändler und Taxifahrer – sie alle könnten mit dem Payleven-Produkt nun unkompliziert bargeldloses Zahlen anbieten, hofft das Start-up und setzt dabei darauf, dass Kartenzahlungen längst zur Gewohnheit geworden sind. Der Inhaber des Beauty-Salons sagt, die Profimodells, die er in ihren Hotels erst zu solchen macht, hätten noch nie Bedenken gehabt, ihre Karte dem Smartphone-Anstecker anzuvertrauen.

Mächtige Financiers

Damit das Smartphone zum Kartenleser wird, benötigen Händler neben der kleinen Box nur die ebenfalls kostenlose Payleven-App, die der Händler dann wie eine Registrierkasse benutzen kann. Die eingelesenen Kartendaten werden wie bei herkömmlichen mobilen Kartenlesern verschlüsselt über das Mobilfunknetz oder eine WLAN-Verbindung übertragen.

Ein einfaches Konzept, auf das auch die mächtigen Financiers setzen, die hinter dem Berliner Unternehmen stehen: Das Geschäftsmodell für Payleven hat Steve Krieger zusammen mit Oliver Samwer ausgestaltet, Deutschlands bekanntestem Internet-Investor. Mit seinem Brüdern Marc und Alexander hat der Rocket Internet aufgebaut, eine Berliner Firma, die mit einer Armada an jungen Programmierern, Wirtschaftswissenschaftlern und Marketingexperten wie am Fließband Internet-Start-ups hochzieht.

Mit 15.000 Mitarbeitern weltweit gehören die Berliner inzwischen weltweit zu den mächtigsten Akteuren in der Internetwirtschaft, in Deutschland ist der Online-Händler Zalando ihr bekanntestes Projekt. Die Samwer-Brüder setzen dabei vor allem darauf, erfolgreiche Geschäftsmodelle von US-Firmen zu kopieren. Nicht selten, um sie nach einiger Zeit lukrativ an das Original zu verkaufen.

Auch Payleven ist ein Klon: Vorbild ist Square – eine Firma, die vor zwei Jahren vom Twitter-Gründer Jack Dorsey erschaffen wurde. Dorsey ist in Kalifornien für viele der spirituelle Erbe des Apple-Gründers Steve Jobs – und der Aufstieg des Zahlungsdienstes Square ist mindestens so spektakulär wie der des Kurznachrichtendienstes. Im ersten Halbjahr hat sich die Zahl der Geschäfte, die die Kartenlesegeräte nutzen, auf zwei Millionen verdoppelt. Inzwischen wickelt das Unternehmen Zahlungen in der Höhe von sechs Milliarden Dollar jährlich ab. Bald dürfte es deutlich mehr sein. Denn ab Herbst wird Starbucks die Zahlung mit Square in tausenden US-Filialen einsetzen und steigt zugleich sogar bei der Firma mit einer Millionenbeteiligung ein. Seinen Wert konnte Square innerhalb von zwei Jahren auf drei Milliarden fast verfünfzehnfachen.
Bislang ist Square allerdings nur auf dem US-Markt aktiv und genau diese Lücke versucht Payleven zu schließen. Ob es gelingt, wird wohl vor allem die Geschwindigkeit entscheiden, mit der Payleven Händler für sich gewinnen kann. Denn auch andere eifern Square nach: In Berlin steht mit SumUp ein weitere Firmengründung bereit, in München testet bereits Streetpay, Ableger einer britischen Firma, sein System.

Zwar ist das Payleven-Firmenschild bislang nur ein mit Folie überklebtes Stück Papier und die Mitarbeiter bejubelten erst vor kurzem die erste Transaktion in Berlin. Doch anders als die meisten Konkurrenten setzte Payleven von Beginn an auf internationale Expansion. Mehrere Teams bereiten bereits die Eroberung von Märkten in Asien und Europa vor. In Brasilien werden die Payleven-Boxen sogar schon genutzt. Entsprechend ist das Start-Up innerhalb kurzer Zeit von fünf Mitarbeitern auf 70 angewachsen. Durchschnittsalter: 27 Jahre. Schon werden neue Büroräume gesucht, obwohl in der dritten Etage eines ehemaligen Fabrikgebäudes im Prenzlauer Berg, in die sie gerade erst eingezogen sind, noch Umzugskartons stehen.

Ein Wachstum, das ohne Rocket Internet nicht möglich wäre. Die Beteiligungsgesellschaft sorgt nicht nur für Kapital, sondern mit inzwischen Niederlassungen in 25 Ländern auch für lokales Markt-Know-how und einen Pool erfahrener Mitarbeiter, die oft von einem Start-up der Beteiligungsgesellschaft ins nächste wechseln.

Nur mit dem Namen zahlen

Auch wenn Payleven daher schlagkräftiger aufgestellt ist als viele Konkurrenten, ist der Markt des mobilen Zahlens hart umkämpft. Denn neben Konzernen wie Square und Payleven, die daraufsetzen, dass die Smartphone-Revolution Kartenzahlungen radikal vereinfacht, wollen andere erreichen, dass auch Karten bald gar nicht mehr gebraucht werden. Google etwa baut wie viele Mobilfunkkonzerne auf die NFC-Technologie, bei der bezahlt werden kann, indem ein mit einem speziellen Chip ausgerüstetes Smartphone einen Kontakt berührt.

Ausgerechnet Paylevens US-Vorbild Square ist nun sogar bereits ein Stück weiter gegangen. Dort kann man in Cafés, die Square einsetzen, einfach mit seinem Namen zahlen – ohne noch einmal das Telefon oder eine Karte zu berühren. Voraussetzung ist nur, dass auch der Café-Besucher die Square-App installiert hat und die Funktion für das Geschäft aktiviert hat. Dann erscheint auf dem Display des Inhabers das Porträtfoto des Kunden, sobald dieser den Laden betritt. Statt bar oder mit Karte zu zahlen, reicht es dann, seinen Namen als Authentizifierung zu nennen. Die Zahlungsunterlagen sind bereits bei Square hinterlegt.

Unternehmen, die wie Square und Payleven nun den Kreditkartenindustrie höhere Transaktionsvolumen bescheren, könnte sich für Visa und Mastercard so als trojanisches Pferd entpuppen, die die Kreditkarte überflüssig machen. Davon will Payleven-Mitgründer Steve Krieger noch nichts wissen, aber er sagt auch: „Die Entwicklung geht so schnell, dass wir derzeit in Wochen und Monate denken – nicht in Jahren.“