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Börse: Wie sich Aktionäre gegen den Kursverfall absichern können

Schwierige Zeiten für Anleger: Die Kurse sind auf Talfahrt.

Schwierige Zeiten für Anleger: Die Kurse sind auf Talfahrt.

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imago/blickwinkel

Für Aktionäre und Fondsbesitzer ist es ein höchst unerfreulicher Jahresauftakt: In den ersten beiden Handelswochen 2016 sind die Kurse an der Börse in rasender Geschwindigkeit nach unten gerauscht.

Doch wer jetzt aus Furcht vor weiteren Kursverlusten alle seine Aktien und Fondsanteile verkauft, begeht möglicherweise einen schweren Fehler. Denn wie es an der Börse weitergeht, weiß niemand. Vielleicht erholen sich die Kurse schon bald wieder. Auch in einer trüben Börsenphase wie dieser sollte man sich vor Augen halten: Mit keiner anderen Anlageform waren in der Vergangenheit ähnlich hohe Wertzuwächse zu verzeichnen, wie mit Aktien. In den vergangenen Jahrzehnten lagen die Jahresrenditen für deutsche Aktien im Schnitt bei rund acht Prozent.

Auf solche Renditen kommen auf Dauer aber nur Anleger, die geduldig sind und ihre Aktien jahrelang liegen lassen. Jetzt aber dem Kursverfall tatenlos zuzusehen, ist für viele Anleger auch nicht die Lösung. Doch es gibt Wege, drohende weitere Verluste zu begrenzen oder sogar ganz zu vermeiden, ohne auch nur eine einzige Aktie oder einen einzigen Fondsanteil zu verkaufen.

Die einfachste Lösung ist es, für einen gewissen Betrag Wertpapiere zu kaufen, die auf fallende Kurse setzen – also sogenannte Put-Optionsscheine. In den Augen vieler Anleger sind sie nur etwas für Zocker. Doch Put-Optionsscheine sind eigentlich als Absicherungsinstrumente gedacht. Sie werden zum Beispiel im Devisenbereich von Unternehmen gekauft, die sich damit gegen Wechselkursrisiken absichern wollen.

Nach dem gleichen Prinzip können sich Anleger mit Put-Optionsscheinen gegen Verlustrisiken an den Aktienmärkten absichern: Fallen die Aktienkurse weiter, fangen die Anleger diese Verluste mit Kursgewinnen bei den Optionsscheinen auf. Steigen die Aktienkurse wieder, verlieren die Optionsscheine dagegen kräftig an Wert. Doch im Vergleich zu den Gewinnen, die die Aktien erzielen, fallen die Verluste mit den Optionsscheinen meist nicht so sehr ins Gewicht. Das ist deshalb der Fall, weil die Put-Optionsscheine oft eine Hebelwirkung haben. Das bedeutet: Der Put-Optionsschein macht die Kursentwicklung einer Aktie um ein Vielfaches mit – nur in entgegengesetzter Richtung. Dadurch muss der Anleger für die Optionsscheine nur relativ wenig Geld aufwenden: Einem kleinen Einsatz steht also eine große Wirkung entgegen.

Optionsscheine gibt es auf steigende (genannt call oder long) und auf fallende Kurse (genannt put oder short) und jeweils in unterschiedlichen Ausprägungen. Hier eine kleine Auswahl:

Klassische Put-Optionsscheine

Mit ihnen erwirbt der Anleger das Recht, eine Aktie, eine Währung oder einen Rohstoff dem Emittenten zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen. Ein Beispiel: Ein Anleger kauft heute einen Put-Optionsschein auf die Siemens-Aktie, die ihm das Recht einräumt, zum 30. Juni dieses Jahres die Aktie zum Kurs von 100 Euro zu verkaufen. Aktuell notiert die Siemens-Aktie bei rund 82 Euro, damit ist der Optionsschein rechnerisch 18 Euro wert: Fällt der Siemens-Kurs in den nächsten Wochen beispielsweise auf 70 Euro, steigt der rechnerische Wert des Optionsscheins auf 30 Euro. Steigt der Kurs der Siemens-Aktie dagegen auf 100 Euro, ist der rechnerische Wert des Optionsscheins gleich null.

Faktorzertifikate

Sie wirken mit Hebelwirkung auf eine bestimmte Aktie oder einen Index. Ihre Funktionsweise soll anhand eines Short-Faktorzertifikats auf den Dax mit Faktor zwei erläutert werden: Angenommen der Dax steht bei 10 000 Punkten und das Zertifikat kostet genau zehn Euro. Fällt der Dax am nächsten Tag um zwei Prozent auf 9 800 Punkte, steigt der Kurs des Zertifikats um vier Prozent auf 10,40 Euro. Steigt der Dax dagegen um zwei Prozent auf 10 200 Punkte, fällt das Zertifikat um vier Prozent auf 9,60 Euro. Faktorzertifikate auf den Dax gibt es auch mit dem Faktor 4,6,8, zehn und zwölf. Je höher der Faktor, desto stärker schwanken die Kurse der Zertifikate. Sie haben keine Laufzeitbegrenzung, können aber praktisch wertlos werden.

Klar sein sollte jedem Anleger deshalb: Faktorzertifikate sollten nur über einen kurzen Zeitraum zum Einsatz kommen – zum Beispiel in Phasen großer Unsicherheit wie im Moment. Auf Dauer schmälern diese Zertifikate nämlich zu sehr die Rendite. Besonders in Phasen schwankender Kurse ohne klaren Trend verlieren sie stark an Wert. Dies sei am Beispiel eines Short-Zertifikats auf den Dax mit Faktor zehn erläutert: Steigt der Dax am ersten Tag von 10 000 Punkten um zwei Prozent auf 10 200 Punkte und sinkt am nächsten Tag wieder um zwei Prozent, steht er bei 9 996 Punkten und damit praktisch wieder auf dem Anfangsniveau. Das Short-Dax-Zertifikat dagegen (angenommener Startpreis wieder zehn Euro) steigt am ersten Tag wegen des Faktors zehn um 20 Prozent auf zwölf Euro und fällt am zweiten Tag wieder um 20 Prozent – auf dann nur noch 9,60 Euro. Das ist ein Verlust von vier Prozent in zwei Tagen, obwohl der Dax im selben Zeitraum praktisch stabil geblieben ist.

Reverse-Bonus-Zertifikate

Auch diese Zertifikate entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung zu einer Aktie oder einem Index, aber ohne Hebel. Anders als Faktorzertifikate haben sie eine feste Laufzeit. Steigt der Basiswert (beispielsweise der Dax) während der gesamten Laufzeit nicht einen einzigen Tag über ein vorher festgelegtes Niveau, erhält der Anleger am Ende der Laufzeit einen Bonus. Dadurch sind mit diesen Papieren jährliche Renditen im hohen zweistelligen Prozentbereich möglich, wenn die Aktienkurse fallen oder zumindest nicht steigen. Aufgrund dieser Konstruktion eignen sich Reverse-Bonus-Zertifikate auch langfristig zur Kursabsicherung von Aktien und Fonds.


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