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Bombardier plant massiven Jobabbau

Bombardier

Im Bombardier-Werk in Hennigsdorf: Montage-Arbeiten in einem Wagenkasten.

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dpa/Bernd Settnik

Der kanadische Bahntechnik-Hersteller Bombardier vollzieht in Deutschland einen radikalen Schnitt: In der Zugsparte will der Konzern 1430 von insgesamt über 9000 Stellen streichen.

Damit wird in den nächsten zwei Jahren mindestens jeder siebte Arbeitsplatz hierzulande wegfallen. Das ist Teil eines umfassenden Sanierungsplans des Konzerns: Insgesamt will Bombardier, dessen zweites Standbein der Flugzeugbau ist, 7000 Stellen streichen, was in etwa jede zehnte Stelle des weltweit operierenden Konzerns ist.

„Folge von Fehlentscheidungen“

Zur Begründung sagte Vorstandschef Alain Bellemare, der Konzern müsste wieder wettbewerbsfähiger werden. Zur Bahnsparte hieß es, die Stellenzahl müsse an den Bedarf angepasst und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

Wie stark die einzelnen Standorte von den Abbauplänen betroffen sein werden, steht noch nicht fest. Der Chef der Transportsparte, Laurent Troger, sagte, es werde aber kein Werk komplett geschlossen. Rund die Hälfte der Stellen, die gestrichen werden sollen, ist zudem von Leiharbeitern besetzt.

In Deutschland entwickelt und baut Bombardier in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen Züge, Straßenbahnen und Loks, darunter auch den ICE 4.

Die Region Berlin-Brandenburg könnte allerdings stark unter den Plänen leiden, denn in Berlin sitzt die Weltzentrale der Bahnsparte von Bombardier mit rund 700 Mitarbeitern. In Hennigsdorf bei Berlin verfügt der Konzern über ein großes Werk, in dem weit mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Gewerkschaft protestiert

Scharfer Protest kam von der IG Metall und den Arbeitnehmervertretern. „Wir verurteilen die Pläne, Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten bei Bombardier auszutragen“, sagte Olivier Höbel, IG-Metall-Bezirksleiter der Region Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Jetzt werden Folgen von Fehlentscheidungen sichtbar, vor denen wir schon 2014 gewarnt haben.“

Bereits 2014 und 2015 war von der deutschen Unternehmensseite angekündigt worden, die Fertigungstiefe zu verringern und eventuell auch Standorte zu schließen, heißt es. Dagegen hätten sich IG Metall und Betriebsräte ausgesprochen und das Management aufgefordert, Prozesse zu verbessern, die Projektabwicklung zu optimieren und die Niedrigkostenstrategie zu beenden, statt Arbeitsplätze zu vernichten.

„Mit drastischem Personalabbau lassen sich vielleicht die Aktienmärkte beeindrucken“, sagte Michael Wobst, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der deutschen Bombardier Transportation. Bestehende Probleme würden dadurch jedoch eher verschärft als gelöst. „Zur Zukunftssicherung der Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland erwarten wir deshalb vom Management, das Unternehmen endlich zukunftssicher zu gestalten.“

Kahlschlagpläne abwenden

Auf einer Konferenz am 4. März soll ein Aktionsplan erarbeitet werden. Gemeinsam soll, so betonten IG Metall und Betriebsrat, eine Strategie für die Abwehr der Kahlschlagpläne und für die Sicherung der Zukunft der Bombardier-Standorte entwickelt werden. Auch Aktionen an den Standorten sind geplant. „Die Management-Fehler sollten nicht Anlass sein, die Zukunft von Menschen und ihren Familien zu gefährden“, sagte Olivier Höbel. „Ab jetzt ist Unruhe in den Betrieben angesagt.“

Angesichts der Probleme der Flugzeugsparte hatte Bombardier erwogen, einen Minderheitsanteil seines Bahn-Geschäfts über die Börse in Deutschland zu verkaufen. Nach dem Einstieg des kanadischen Staatsfonds Caisse de Depot wurden diese Pläne aber fallengelassen.

Troger, Chef der Bahn-Sparte, kündigte in Berlin an, er wollte mit seinem Geschäft in diesem Jahr 8,5 Milliarden Dollar umsetzen. Davon sollten sechs Prozent als Gewinn vor Steuern und Zinszahlungen bleiben. Damit würde die Profitabilität der Sparte gesteigert. Der Markt im Bahn-Geschäft sei aber immer schwerer einzuschätzen, so dass man darauf reagieren müsste, betonte Troger.



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