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Boomende Start-up-Branche: In Berlin wächst Deutschlands neuer Wirtschaftsmotor heran

Berlin ist im Aufschwung.

Berlin ist im Aufschwung.

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imago/Schöning

Berlin -

Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Start-up-Szene wächst rasant, und Berlin ist ihr Zentrum. Dies ist das Ergebnis einer Studie zu Internet- und Technologiefirmengründungen in Deutschland, die am Donnerstag vom Bundesverband Deutsche Start-ups vorgestellt wurde. Die Internet-Szene entwickle sich zum deutschen Mittelstand von Morgen, sagte Florian Nöll vom Start-up-Verband bei der Vorstellung der Studie in Berlin, für die der Verband gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft KPMG und der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht 900 Gründerinnen und Gründern befragt hatte.

Start-ups in Deutschland

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Das Wachstum der Start-up-Szene zeigt sich der Studie zufolge insbesondere in der Mitarbeiterentwicklung. Im Durchschnitt planten die Start-ups in den kommenden zwölf Monaten zehn neue Arbeitsplätze zu schaffen, sagt Nöll. Nöll sagte der Berliner Zeitung: „Wir erwarten, dass in einem Zeitraum von fünf Jahren hochgerechnet mehr als 150.000 Arbeitsplätze entstehen.“ Das wären mehr als die Dax-Konzerne Deutsche Bank, Bayer und Lufthansa zusammen in Deutschland beschäftigen.

Ihr Zentrum hat die Internet-Szene der Umfrage zufolge in Berlin. Hier sind 40 Prozent aller deutschen Gründungen beheimatet, darunter auch die meisten mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro. Auch die Mitarbeiterzahl liegt mit durchschnittlich 23 Personen deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt. Denn dort kommen die Firmen nur auf 15 Mitarbeiter. Nach Angaben der Investitionsbank Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren in Berlin 18.000 neue Jobs in der digitalen Wirtschaft entstanden. 59.000 Menschen sind bei Internet-Start-ups in der Hauptstadt beschäftigt. Zum Vergleich: Dies sind mehr als fünfmal so viele wie im Bauhauptgewerbe.

Bei den Finanzen bleibt es schwierig

Frank Wiethoff von der Beratungsgesellschaft KPMG geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Dies liege an der Netzwerkkultur der Hauptstadt: Der Austausch zwischen Gründern sowie der Zugang zu Know-how und Investoren gilt als bedeutsam für die Entwicklung eines Start-up-Zentrums – und wird von den Gründern in Berlin deutlich besser beurteilt als in anderen Start-Up-Clustern wie München oder Hamburg. In Berlin funktionierten die Netzwerke und es gebe eine funktionierende Innovationskultur, sagte Wiethoff bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Berlin zieht magisch an.“

Zu kämpfen haben die Internetfirmen allerdings deutschlandweit weiterhin mit Finanzierungsengpässen. Die wichtigste Kapitalquelle bleiben bei vier von fünf Unternehmern die eigenen Ersparnisse. Den Zugang zu für Internetfirmen wichtigen Risikokapitalgebern wird von mehr als einem Drittel der Start-ups als schwierig eingeschätzt. Die Aussicht auf Bankkredite bezeichnet gar jedes zweite Start-up als schwierig. Der überwiegende Teil des Kapitals für deutsche Internetfirmen kommt aus dem Ausland, insbesondere aus den USA.

Die Studie zeigt aber auch: Die Branche der Internet-Start-ups ist eine extrem Männer-dominierte Szene. Nur 10,7 Prozent der Start-ups werden vom Frauen gegründet. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Gründerinnen damit sogar noch einmal um ein Fünftel gesunken. Die extrem geringe Zahl an Gründerinnen in den Internet-Start-ups steht in einem scharfen Kontrast zu den Geschlechterverhältnissen im allgemeinen Gründergeschehen. Knapp die Hälfte der Firmen wird in Deutschland von Frauen gegründet.

Florian Nöll vom Start-up-Verband erklärt den geringen Anteil von Frauen mit der Altersstruktur der Gründerinnen und Gründer: Im Durchschnitt sind diese der Umfrage zufolge 35 Jahre alt. Während schon außerhalb der Start-up-Szene Familienplanung mit der Übernahme von Führungspositionen kollidiere, verschärfte sich im Bereich der Start-up-Gründungen die Situation durch das zusätzliche Risiko. „Um das zu ändern, müssen wird das Risiko für Gründer minimieren“, sagte Florian Nöll. „Das deutsche Insolvenzrecht ist viel zu gläubigerzentriert. Als Unternehmer steht man dagegen schon fast mit einem Fuß im Gefängnis, ohne es zu wissen. Das muss sich dringend ändern.“


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