18.11.2011

Carsharing der Bahn: Die Lust am Teilen

Von Peter Kirnich
Großes Netz: Die Bahn verfügt über eine Flotte von 2500 Autos in 140 Städten.
Großes Netz: Die Bahn verfügt über eine Flotte von 2500 Autos in 140 Städten.
Foto: dpa

Autokonzerne haben es gerade erst entdeckt – bei der Bahn wird Carsharing zehn Jahre alt. Das Geschäftsmodell rechnet sich: Immer mehr vor allem junge Menschen teilten sich ein Auto mit anderen.

Bahnchef Rüdiger Grube hat so seine besonderen Vorstellungen vom Reisen: Mit dem Mietauto oder Mietfahrrad von zu Hause bis zum Bahnhof, Umsteigen in den ICE – um am Zielbahnhof erneut per Mietauto oder Fahrrad die allerletzte Reisemeile zurückzulegen. Wenn dann noch auf jedem Verkehrsmittel ein dickes rotes DB prangt und der Zug halbwegs pünktlich ist, dann ist für den Bahnchef die Reise perfekt.

Zumindest theoretisch ist das schon seit zehn Jahren möglich. Damals startete die Deutsche Bahn als eines der ersten deutschen Unternehmen einen eigenen Carsharing-Service: DB Rent. Was 2001 in Berlin mit 200 Autos und in München mit einigen Hundert Fahrrädern begann und von vielen noch belächelt wurde, ist inzwischen ein Markttrend, der viele Nachahmer findet.

2500 Autos in 140 Städten

Heute verfügt die Bahn über eine Pkw-Flotte von 2500 Autos in 140 Städten und an 800 Stationen. Hinzu kommen 6000 Mietfahrräder. Damit besitzt das Staatsunternehmen das nach eigenen Angaben größte Netz bundesweit. Rund 170.000 Kunden sind beim Carsharing der Bahn angemeldet, das seit dem Sommer unter der Marke Flinkster firmiert.

„Vor zehn Jahren hatte die Bahn ein gutes Gespür für einen Markttrend und hat diesen konsequent weiterentwickelt“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch. Inzwischen rechnet sich das Geschäftsmodell sogar, wie ein Bahnsprecher verriet, zumindest das mit den Autos. Die Fahrradvermietung Call a Bike sei eher ein mobiler Werbeträger, dessen Verluste dank des Imagegewinns aber verkraftbar seien.

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Carsharing hat nach einer Studie des gleichnamigen Branchenverbandes Zukunft. Immer mehr vor allem junge Menschen teilten sich lieber ein Auto mit anderen, als sich ein eigenes zu kaufen. Diese Lust am Teilen verspricht gute Geschäfte. Der Verband rechnet mit einem jährlichen Wachstum der Kundenzahlen von 20 Prozent. In Deutschland ist noch Platz. Im internationalen Carsharing-Vergleich liegt die Bundesrepublik nur im Mittelfeld. Spitzenreiter ist die Schweiz, wo 100.000 der acht Millionen Einwohner zusammen 2500 Autos nutzen. In Deutschland stehen 190.000 Carsharing-Nutzern 11,9 Millionen Haushalte ohne Auto gegenüber.

E-Flotte wird ausgebaut

Kein Wunder also, dass nun auch die renommierten Autohersteller auf den Markt drängen. Mit Mercedes (Car2go) sowie BMW und Sixt (DriveNow) bieten zwei große Autokonzerne seit wenigen Monaten ebenfalls Carsharing an und melden eine außerordentlich große Nachfrage. Gerade erst brachte Volkswagen sein Carsharing-Modell Qicar an den Start.

Bahnchef Grube denkt derweil bereits über neue Möglichkeiten nach, das Geschäft zu beleben. Getreu der Devise: Wer teilt, gewinnt. Zwar verlangt die Carsharing-Tochter Flinkster von ihren Kunden im Vergleich zur Konkurrenz die höchste Anmeldegebühr, doch wer eine Bahncard besitzt, zahlt keine.

Zudem erhalten Besitzer von Abonnements in verschiedenen Verkehrsverbünden Sonderkonditionen beim DB-Carsharing. Auf diesen Wege lassen sich schnell neue Stammkunden auch für das eigentliche Geschäft auf Schienen gewinnen. Schon heute besitzen rund 60 Prozent der Flinkster-Kunden eine BahnCard oder einen Abo-Fahrausweis eines Verkehrsverbundes.

Künftig will die Bahn mit umweltfreundlichen Autos locken. Seit Beginn dieses Jahres gehören 85 E-Mobile fest zur DB-Flotte, die allesamt mit grünem Strom unterwegs seien, wie es heißt. Bis Ende 2012 soll der Anteil auf mehr als zehn Prozent steigen.

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