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Datenanalyse des DGB: Kaum Jobchancen für Langzeitarbeitslose

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dpa

Langzeitarbeitslosen gelingt es kaum noch, dauerhaft auf sozialversicherungspflichtige Stellen zu wechseln. Von den 1,47 Millionen Personen, die sich 2014 aus der Langzeitarbeitslosigkeit verabschiedeten, meldeten sich 62 Prozent nicht länger arbeitssuchend und wanderten somit in die Nichterwerbstätigkeit ab. Etwa ein Viertel wurde in Weiterbildungskurs und öffentlich geförderte Beschäftigungsmaßnahmen vermittelt. Gerade einmal 13 Prozent der Abgänge bekamen tatsächlich eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt, wovon wiederum nur etwa die Hälfte das Arbeitsverhältnis dauerhaft halten konnte. Dies geht aus einer Datenanalyse des DGB hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Die Untersuchung zeigt, dass die steigende Beschäftigung in den vergangenen Jahren fast komplett an jenen Arbeitslosen vorbei geht, die länger als zwölf Monate keinen Job haben. „Seit 2010 hat sich der Bestand faktisch nicht mehr verändert“, befindet der Abteilungsleiter für Arbeitsmarktpolitik im DGB-Bundesvorstand und Studienautor Wilhelm Adamy. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) schwanke die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2010 zwischen 1,0 und 1,1 Millionen hin und her.

Besonders schlecht stehen die Aussichten auf eine reguläre Stelle für Hartz-IV-Empfänger, die knapp 90 Prozent der Langzeitarbeitslosen ausmachen. Im Schnitt wechseln monatlich nur 1,3 Prozent aus dieser Personengruppe in den ersten Arbeitsmarkt.

Von den Langzeitarbeitslosen, die nicht Hartz IV beziehen, schaffen das immerhin drei Prozent. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Menschen, die in Haushalten leben, deren höhere Einkommen einen Hartz-IV-Bezug ausschließen.

Noch deutlicher treten die Unterschiede beim Vergleich mit Kurzzeitarbeitslosen zutage: Pro Monat gelingt es etwa einem Zehntel dieser Gruppe, eine sozialversicherungspflichtige Stelle zu finden. Ihre Chancen auf einen regulären Job sind siebenmal besser als die von Hartz-IV-Empfängern.

Hinzu kommt, dass Langzeitarbeitslose vorrangig in Wirtschaftszweigen mit geringen Löhnen unterkommen. Ein Fünftel der 185 000 Menschen, die 2014 aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus eine reguläre Stelle antraten, landete in Leiharbeitsfirmen. Etwa 40 Prozent fanden Beschäftigung in Reparaturdiensten, im Sozial- und Gesundheitsbereich sowie im Handel und Gastgewerbe. Nur gut sieben Prozent erhielten eine Stelle in der Industrie, knapp sechs Prozent auf dem Bau.

Hilfen drastisch gekürzt

Dass die Entgelte oft nicht zum Leben reichen, zeigt Adamy anhand weiterer BA-Daten: Rund 53 Prozent der langzeitarbeitslosen Hartz-IV-Empfänger, die 2013 und 2014 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung annahmen, verdienten so wenig, dass sie als Aufstocker weiterhin auf staatliche Transfers angewiesen waren.

Dem Hartz-IV-System zu entkommen, erscheint mithin sehr schwierig. Dabei stehen auch gesundheitliche Einschränkungen sowie fehlende Ausbildungsabschlüsse vieler Betroffener einer Vermittlung im Wege. Anstatt aber Ausbildungsdefizite und andere Beschäftigungshemmnisse durch verstärkte Förderanstrengungen abzubauen, seien die BA-Mittel für diese Zwecke seit 2009 drastisch gekürzt worden, kritisiert Adamy: Begannen 2008 noch durchschnittlich 2,7 Prozent der Langzeitarbeitslosen pro Monat eine Fördermaßnahme, so waren es 2014 nur noch 1,4 Prozent.