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DDR-Produkte: Ostprodukten sterben die Kunden weg

Und mittendrin ein Trabbi: In Wolgast soll am 30.08.2013 ein Lagerverkauf für Ostprodukte eröffnen.

Und mittendrin ein Trabbi: In Wolgast soll am 30.08.2013 ein Lagerverkauf für Ostprodukte eröffnen.

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dpa

Wenn jemand im Osten Deutschlands seinen Senf erfolgreich dazu gibt, dann ist es Bautz’ner.“ Frech und gewitzt werben die Senfhersteller aus Sachsen für ihr Produkt und untertreiben dabei eher noch. Denn Bautz’ner ist nicht nur das Schärfste, was der Ostdeutsche auf seine Echt Thüringer schmiert. Längst hat man auch im gesamten Bundesgebiet die Würze im Plastebecher aus der tausendjährigen Stadt schätzen gelernt. Denn Bautz’ner ist 23 Jahre nach der deutschen Einheit bundesweit der Marktführer.

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Das haben von den einstigen Ost-Marken nicht viele geschafft. Der Sekthersteller Rotkäppchen ist natürlich ebenso ein Beispiel dafür, wie sich ein ostdeutsches Produkt gesamtdeutsch durchgesetzt hat – in diesem Fall auch durch die Übernahme des West-Konkurrenten Mumm. Spee, seit vielen Jahren im Henkel-Konzern beheimatet, ist von Zittau bis Flensburg bekannt. Radeberger Bier zählt zwar in den alten Bundesländern laut einer Umfrage des Erfurter Instituts für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung (IMK) nicht zu den zehn bekanntesten Biermarken, gibt aber immerhin einer ganzen, zu Oetker gehörenden Biergruppe den Namen.

Vielen Markenprodukten aus Ostdeutschland ist dagegen der Sprung in den Westen nicht gelungen. Das liegt sowohl an der harten Konkurrenz im Westen wie auch an der Finanzkraft, ohne die Werbung nicht möglich ist. Ohne Reklame läuft nichts – und das gilt auch für die neuen Bundesländer. Denn die Ostmarken haben es selbst in ihren einstigen angestammten Gebieten nicht ganz einfach.

Von einer schleichenden Erosion der Marken und von aussterbenden Zielgruppen sprechen die Forscher des IMK Erfurt. Das heißt: Kaufen heute noch vor allem ältere Konsumenten Produkte wie Burger Knäcke oder Eberswalder Wurst, so sind diese den jüngeren Käufergruppen viel weniger bekannt. Vor allem verbinden diese keine prägenden Erinnerungen mehr mit einer Zeit, in der eine Flasche Goldbrand sehr gefragt war und man den Tag mit Moccafix Gold begann.

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Aber diese Befunde überraschen ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer nicht. Wer je geglaubt haben sollte, dass sich ein Ostalgie-Trend über Jahrzehnte hält, der dürfte beizeiten von der Realität überholt worden sein.
Viel wichtiger ist es heute für nicht ganz so kapitalkräftige Hersteller im Lebensmittelbereich, sich als Teil der Region zu definieren.

Die IMK-Forscher sagen dazu: Verteidigt die eigene Burg; der Heimatmarkt muss vor der Erschließung neuer Märkte stehen. Nah am Verbraucher produziert, kurze Transportwege, möglichst nach ökologischen Maßstäben produziert und Arbeitsplätze in der Region schaffend – das zieht nicht nur bei den jüngeren Verbrauchern.

Original Brandenburg oder Echt Sächsisch: Damit lässt sich bei den eher kleineren Firmen ein gutes Image aufbauen. Das Ost-Siegel hat ausgedient.