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Demografischer Wandel: Hohe Belastungen für ältere Arbeitnehmer

Ein Mitarbeiter der Kranbau Köthen GmbH lässt mit einem Schleifgerät am Metall funken sprühen.

Ältere Arbeitnehmer brauchen mehr Abwechslung und Entlastung im Job.

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dpa

„Die Einsicht ist zwar verbreitet, dass Arbeitsabläufe wegen der wachsenden Zahl älterer Beschäftigter umgestellt werden müssen. An der Umsetzung hapert es aber noch erheblich. Altersgerechte Arbeitsplätze sind nach wie vor Mangelware!“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban dieser Zeitung.

Rund zwei Drittel der Betriebe haben laut Urban noch nichts oder nicht genug unternommen, um etwa körperliche Belastungen zu mindern oder die Einsatzmöglichkeiten älterer Mitarbeiter zu erweitern. An arbeitsmedizinischen Erkenntnissen, wie man auch in fortgeschrittenen Jahren körperlich gesund, motiviert und geistig aktiv dem Beruf nachgehen könne, mangele es nicht.

Um der Theorie praktische Erfahrungen beizufügen, hat die größte deutsche Industriegewerkschaft im Herbst 2015 in Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmen Projekte zur altersgerechten Arbeitsgestaltung begonnen, die vom Bundesarbeitsministerium im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit gefördert werden.

Job-Rotation als Ausgleich

Ein Beispiel sind Lagertätigkeiten im Schweinfurther Logistikzentrum des Autozulieferers ZF Friedrichhafen. Die Tätigkeiten dort sind in aller Regel mit dem Heben und Tragen schwerer Teile verbunden. Die Arbeit ist körperlich belastend, geistig nicht sehr anregend und bietet zudem kaum berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Seit einigen Monaten wird in Schweinfurth eine Job-Rotation getestet, die zu einem Wechsel schwerer körperlicher Tätigkeiten mit weniger anstrengenden Arbeitsgängen sowie geistig anspruchsvolleren Aufgaben führt. Beschäftigte, die eine Zeit lang schwere LKW-Kupplungen wuchten, werden im Anschluss für den Transport leichterer Teile eingesetzt, um schließlich auch Frachtpapiere zu bearbeiten und andere Verwaltungstätigkeiten zu erledigen.

Dieser Wechsel  entlaste die Mitarbeiter nicht nur körperlich, er bringe auch Abwechslung in den Arbeitsalltag. „Mit den neuen Anforderungen entwickeln die Beschäftigten neue Fähigkeiten“, sagt Urban. Die ersten Erfahrungen mit dem Projekt seien durchweg positiv: „Andere Abteilungen haben schon nachgefragt, wann sie an der Reihe sind.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie Unternehmen versuchen, Belastungen entgegenzuwirken

Ein anderes Beispiel sind Fahrstuhl- und Rolltreppenmonteure von Thyssen Krupp Elevator. Sie verfügen über ein breites Fachwissen, verbringen viel Zeit mit Fahrten zu den  Einsatzorten,  müssen mitunter schwere Lasten bewegen und leisten regelmäßig Bereitschaftsdienste für steckenbleibende Lifte und andere Notfälle.

Ältere Beschäftigte empfinden insbesondere die Bereitschaftsdienste an Wochenenden und während der Nacht als belastend. Derzeit wird mit der Unternehmensleitung über eine Betriebsvereinbarung verhandelt, wie die Bereitschaftszeiten der älteren Kollegen reduziert werden können, ohne zugleich die Jüngeren noch stärker in die Pflicht zu nehmen.

Entlastung für ältere Arbeitnehmer

Entlastend könnten überdies ergonomisch gestaltete Einsatzfahrzeuge und Transporthilfen wie Trolleys und Rucksäcke sein. Weitere Modellversuche laufen in einem Soester Maschinenbauunternehmen und bei einem auf Heizungsanlagen spezialisierten Hersteller.

Die Projekte werden heute auf einer ganztägigen Konferenz in Frankfurt am Main Betriebsträten und Arbeitgebervertretern vorgestellt und diskutiert. „Unser Ziel ist eine an den demografischen Anforderungen ausgerichtete Arbeitsgestaltung. Und wenn der Impuls dazu nicht von den Unternehmen kommt, dann müssen eben Betriebsräte und Beschäftigte die Sache in die Hand nehmen.“, sagt Urban.

Und die Regierung müsse endlich die Rahmenbedingungen so gestalten, dass „gute Arbeit“ rechtlich abgesichert werde. Noch immer fehlten eindeutige und verbindliche Vorgaben zur Begrenzung psychischer Belastungen.

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