Neuer Inhalt

Deutsche Bank: Countdown für Bank-Chef Fitschen läuft

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann (l), und der Co-Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann (l), und der Co-Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.

Foto:

dpa

Es ist ein Jahr des Wandels für die Deutsche Bank – bis an ihre Führungsspitze. Der Abtritt von Co-Chef Jürgen Fitschen (67) ist beschlossene Sache, nach der Hauptversammlung am 19. Mai soll John Cryan (55) den Dax-Konzern alleine führen. Dass der Brite längst die Strippen zieht, bezweifelt kaum ein Beobachter. Seitdem wütende Aktionäre das um „Kulturwandel“ bemühte Duo Jürgen Fitschen/Anshu Jain abstraften und der Aufsichtsrat Anfang Juni mit dem Austausch von Jain durch Cryan die Notbremse zog, führen andere das Wort in der Deutschen Bank – weniger der durchaus schlagfertige Niedersachse Fitschen.

Bei seinem erstem öffentlichen Auftritt Ende Oktober tritt Cryan zunächst alleine ins Blitzlichtgewitter, um kurz darauf an der Seite von Fitschen mit weicher Stimme, aber bestimmt seine Agenda vorzutragen: „Wir müssen einfach besser werden.“ Weniger Personal, weniger riskante Geschäfte, weniger Auslandsmärkte – Cryan verordnet dem deutschen Branchenprimus einen harten Sparkurs. Und er verlangt nach der Skandalserie der vergangenen Jahre vor allem eines: Moralisches Verhalten. Fitschen nickt zustimmend. „Es war nicht genug“, räumt er mit Blick auf die bisherigen Bemühungen ein, das ramponierte Image der Bank aufzupolieren.

Fast jeden Dienstag bei Gericht

In München kämpft Fitschen derweil um seinen eigenen Ruf – es ist zum Ende seiner Karriere seine vielleicht wichtigste Schlacht. Seit acht Monaten ist der Manager dort Angeklagter vor Gericht. Fast jeden Dienstag sitzt der Top-Banker stundenlang in einem tristen Raum des Strafjustizzentrums mit grünem Teppich und Kruzifix an der Wand.

Die Staatsanwaltschaft will die Richter in dem Prozess vor dem Landgericht mit immer neuen Beweismitteln davon überzeugen, dass Fitschen zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer Richter anlügen wollte: Gemeinsam mit zwei weiteren Angeklagten sollen die Manager im Jahr 2011 versucht haben, die Wahrheit über die Pleite des Kirch-Medienimperiums zu verschleiern – zum Schutz der Deutschen Bank.

„Lügenmärchen“ wirft Oberstaatsanwältin Christiane Serini den Angeklagten vor. Immer wieder kommt es zwischen ihr und den Verteidigern zum Streit. Nach mehr als 100 gemeinsamen Stunden im Gerichtssaal liegen die Nerven blank.

Fitschen hält sich aus allen Wortgefechten heraus. Er will in dem Verfahren seine Unschuld beweisen. „Ich habe im Zusammenhang mit dem Kirch-Verfahren zu keinem Zeitpunkt gelogen oder betrogen“, sagte er zum Beginn des Prozesses. Seitdem lässt er meist seinen Anwalt Hanns Feigen sprechen. Und der ist von einem Freispruch für Fitschen überzeugt: „ohne Wenn und Aber“.

Bis zu einer Entscheidung muss Fitschen allerdings noch mehrere Reisen nach München antreten: Bislang ist der letzte Prozesstermin für den 17. Februar geplant. Der nächste Verhandlungstag ist an diesem Dienstag. (dpa)


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?