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Deutsche Flugsicherung zu Fluglärm: „Die Lärmbelastung wird nicht wachsen“

Eine Umverteilung des Luftverkehrs ist in erster Linie eine politische Frage, sagt Klaus-Dieter Scherle.

Eine Umverteilung des Luftverkehrs ist in erster Linie eine politische Frage, sagt Klaus-Dieter Scherle.

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dpa/Arne Dedert

Jurist, CSU-Mitglied, entschiedener Verfechter der Marktwirtschaft – Klaus-Dieter Scheurle legte sich einst als Chef der Regulierungsbehörde heftig mit Telekom-Chef Ron Sommer an, weil er rasch für mehr Wettbewerb sorgen wollte. Heute steht er an der Spitze der Deutschen Flugsicherung, und er redet noch immer Klartext.

Herr Scheurle, Fluglärm ist in den Städten Berlin, Frankfurt und Köln ein viel diskutiertes Thema. Was kann die Deutsche Flugsicherung tun, damit es rund um die Flughäfen nicht noch lauter oder vielleicht sogar leiser wird?

Ich glaube, dass die Situation hier in Frankfurt exemplarisch ist. Was wir mit großem Aufwand betreiben, ist die Verbesserung des Lärmschutzes durch neue Flugverfahren. An- und Abflüge werden so gestaltet, dass sie möglichst wenig Lärmbelastung auslösen.

Also geht es darum, wie flach oder steil die Piloten den Flughafen anfliegen?

Ja, wir haben den Anflugwinkel auf der Frankfurter Nordwestbahn von 3,0 auf 3,2 Grad erhöht und auch mal einen ganzen Tag lang einen noch steileren Anflugwinkel, nämlich 4,5 Grad, ausprobiert. Aber je näher die Flugzeuge zur Landebahn kommen, desto geringer ist der Effekt.

Wird auch darüber nachgedacht, den Flugverkehr ganz anders zu verteilen? Dass man ihn konzentriert – was die Berliner und Frankfurter natürlich gar nicht gerne hören würden – oder auch dezentralisiert, also auf mehr Flughäfen verteilt?

So ein Gesamtkonzept ist theoretisch möglich und wäre auch sinnvoll. In der Praxis ist es aber so, dass jeder Flughafen als ein wirtschaftliches Unternehmen betrachtet wird, das profitabel arbeiten soll und ein wichtiger Stützpunkt für die regionale Wirtschaft ist. Deshalb will jedes Bundesland einen internationalen Flughafen haben.

Volkswirtschaftlich ist das aber Unsinn?

Wir haben in Deutschland 50 Flughäfen. Die meisten befinden sich in Besitz der Bundesländer. Eine Umverteilung des Luftverkehrs ist in erster Linie eine politische Frage, und da ist ein Konsens schwierig.

Könnten nicht schon engere Kooperationen helfen, etwa zwischen den Flughäfen in Frankfurt und Köln?

Ich plädiere in der Tat dafür, dass die ICE-Verbindung zwischen den Flughäfen in Frankfurt und Köln besser genutzt wird. Aber die Zusammenarbeit zwischen den beiden Flughäfen klappt nicht optimal, weil zwei verschiedene Bundesländer zuständig sind.

Meinen Sie mehr Bahn fahren statt fliegen; oder meinen Sie, dass Passagiere von Frankfurt nach Köln geschickt werden, um von dort aus mit dem Flugzeug zu starten?

Letzteres. Dass Flugverkehr nach Köln verlagert wird, als ein Beispiel, um vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen. Das könnte Frankfurt beim Lärm entlasten. Aber die Erfahrung zeigt, dass eine faire bundesweite Verteilung des Lärms politisch kaum machbar ist.

Wie wichtig ist ein großer Berliner Flughafen? Dann könnte man sich Zubringer-Flüge nach Frankfurt oder München sparen. Seit 20 Jahren wird über ein nationales Flughafenkonzept diskutiert.

Föderalismus heißt auch hier, dass es für eine mit allen Bundesländern abgestimmte Lösung eine schwierige Ausgangsposition gibt.

Wie ist beim Lärmschutz die Zusammenarbeit mit den Airlines? Immer wieder hört man von Piloten, die bestimmte Manöver, etwa den gekrümmten Anflug, nicht fliegen wollen, weil das zu gefährlich sei.

Sie müssen bedenken: Wir dürfen bei den An- und Abflugverfahren nicht nur an den gut ausgebildeten Lufthansa-Piloten denken. Wir müssen auch Piloten berücksichtigen, die aus Asien oder Afrika vielleicht zum ersten Mal in Frankfurt landen und eine nicht-europäische Ausbildung haben. Der Spielraum ist durch die Lage des Flughafens mit seiner dichten Besiedlung eingeengt. Das gilt im Prinzip auch für Köln oder Berlin.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich der Flugverkehr in den nächsten Jahren entwickeln wird.

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