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Deutsche Start-ups: Gewichte an den Beinen

Das Durchstarten ist für junge Unternehmen nicht immer ganz einfach.

Das Durchstarten ist für junge Unternehmen nicht immer ganz einfach.

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REUTERS

Deutsche Start-up-Unternehmen fühlen sich von der Gesetzgebung ausgebremst. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Befragung. So gaben 57 Prozent der Start-up-Führungskräfte aus dem Bereich Informationstechnologie an, dass sich der deutsche Datenschutz negativ auf ihre Performance auswirke. Branchenübergreifend sehen viele junge Unternehmen auch in den Bestimmungen zum Arbeits- und Steuerrecht sowie zur Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern ein Hemmnis.


Den „Deutschen Start-up Monitor“, so heißt der Bericht, fertigte der im September vorigen Jahres gegründete Bundesverband Deutscher Start-ups gemeinsam mit der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) an. Für die Studie befragt wurden 454 Manager. Insgesamt gibt es in Deutschland schätzungsweise 5000 Firmen, die als Start-ups gelten. Der Monitor soll von nun an jedes Jahr das Befinden der jungen Unternehmer erfassen.

Eine Männerdomäne

„Wenn Deutschland der Regulierungsstreber der EU ist, können unsere Start-ups den Anschluss nicht halten“, sagte Florian Nöll, Vorstand des Start-up-Bundesverbands. Als Beispiel nannte Nöll den gesetzlichen Kündigungsschutz, der ab einer Betriebsgröße von zehn Mitarbeitern greift. „Bei Start-ups schwankt die Zahl der Beschäftigten, mal sind es fünf, dann sind es fünfzehn. Solch ein Arbeitnehmerschutz ist bei Start-ups nicht begründbar.“ Junge IT-Fachkräfte etwa kämen im Falle einer Kündigung schnell wieder unter, lockerer Kündigungsschutz erleichtere Einstellungen.


Bei der Gewerkschaft Verdi spricht man sich gegen diese Forderung aus: „IT-Start-ups mit einem seriösen Geschäftsmodell sind in der Lage, ihren Beschäftigten eine vernünftige Absicherung anzubieten“, so Bert Stach vom Fachbereich Telekommunikation.

Investoren sind wichtig

Die Gunst internationaler Investoren könnte durch Lockerungen allerdings zunehmen, vermutet HWR-Studienleiter Sven Ripsas. Für Gründer sind Investoren sehr wichtig, weil es für sie oft schwierig ist, von Banken einen Kredit zu erhalten. Dabei spielen Kapitalgeber aus dem Ausland eine große Rolle. 53 Prozent der Berliner Start-ups, die nach ihrer Gründung eine Beteiligung erhalten hatten, bekamen sie aus dem Ausland. Dass Bankkredite für die Finanzierung wichtig sind, befanden von allen Umfrageteilnehmern nur 19 Prozent. „Es ist schwer, mit einer kreativen Idee dort ein Darlehen zu bekommen“, sagte Gründer-Vorstand Nöll.


Insgesamt zeigte sich, dass die Start-up-Szene eine Männerdomäne ist: Laut Umfrage sind nur 13 Prozent aller Gründer Frauen. Die Wissenschaftler nahmen alle Firmen als Start-ups in die Befragung auf, die maximal zehn Jahre existieren, eine hohe Innovationsfähigkeit haben und ein deutliches Mitarbeiterwachstum vorweisen. Letzteres schlägt sich auch im Ergebnis nieder: 75 Prozent der Umfrageteilnehmer planen in diesem Jahr weitere Neueinstellungen. Im Durchschnitt beschäftigen Start-ups zwölf Mitarbeiter, die Berliner Gründer haben gar 15 Angestellte.