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DIW-Studie : Vermögensungleichheit in Deutschland wächst langfristig

Laut DIW-Studie wächst die Vermögensungleichheit in Deutschland weiter.

Laut DIW-Studie wächst die Vermögensungleichheit in Deutschland weiter.

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dpa

Auf den ersten Blick scheint sich die Kluft zwischen Arm und Reich zuletzt ein wenig geschlossen zu haben. Gemäß der Einkommens- und Verbraucherstichprobe aus dem Jahr 2008 besaßen damals zehn Prozent der wohlhabendsten Deutschen 53 Prozent des gesamten Volksvermögens. In der darauffolgenden Erhebung fünf Jahre später waren es „nur“ noch 51,9 Prozent. Dies geht aus Daten des Bundessozialministeriums hervor, die im laufenden Jahr in den fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung einfließen werden.

Bei näherer Betrachtung weisen die Zahlen allerdings nicht auf einen dauerhaften Abbau der Ungleichheiten in Deutschland hin. Es handelt sich vielmehr um den einmaligen Effekt der Weltwirtschaftskrise, die den Wert von Aktien, Immobilien und Fonds zwischen 2008 und 2013 vorübergehend drastisch minderte. Naturgemäß traf dies fast ausschließlich begüterte Mitbürger, während fallende Börsenkurse die Vermögensverhältnisse ärmerer Schichten nicht spürbar veränderten. Die Armen sind mithin nicht reicher geworden, sondern die Reichen nur ein bisschen weniger reich.

Langfristig wächst die Ungleichheit

Langfristig geht der Trend in die gegenläufige Richtung. Setzt man die Ergebnisse aus dem Jahr 2013 ins Verhältnis zu den 1998 und 2003 erhobenen Daten, ergibt sich das Bild einer stetig wachsenden Ungleichheit. 1998 besaß das reichste Zehntel der Deutschen 45,1 Prozent aller Immobilien, Wertpapiere, Unternehmensbeteiligungen, Fahrzeuge, Schmuckstücke, Edelmetalle, Bankguthaben, Bargeldbestände und privaten Versicherungsanwartschaften im Lande, 2003 waren es bereits 49 und 2008 wie erwähnt 53 Prozent. Umgekehrt verfügte die ärmere Hälfte der Bevölkerung 1998 noch über 2,9 Prozent des Gesamtvermögens. 2013 war der Anteil auf ein Prozent geschrumpft.

Dabei geben diese Zahlen, die auf den alle fünf Jahre vom Statistischen Bundesamt erhobenen Einkommens- und Verbraucherstichproben fußen, nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom vergangenen Herbst das wahre Ausmaß der ungleichen Verteilung nur unzureichend wieder. Laut DIW besitzt das reichste Tausendstel der Bevölkerung nicht, wie bis dahin angenommen, vier Prozent des Gesamtvermögens, sondern 17 Prozent.

DIW bezieht weitere Berechnungen ein

Für die Abweichung nennt das DIW mehrere Gründe. Der wichtigste: Die Teilnahme an den Vermögenserhebungen ist freiwillig, und das hat Konsequenzen. Denn erfahrungsgemäß ist die Bereitschaft besonders begüterterer Haushalte zu detaillierten Auskünften über die Vermögensverhältnisse nicht sehr ausgeprägt. Da es sich beim superreichen Tausendstel um nur etwa 40 000 Haushalte bundesweit handelt, reichen schon relativ wenige Verweigerer, um die Ergebnisse einer Stichprobe zu verzerren. Zudem beruhen die Angaben zum Wert von Sammlungen, Antiquitäten, Immobilien, Gemälden und anderen Sachwerten auf Schätzungen der Eigentümer. Untertreibungen sind mithin nicht auszuschließen.

Das DIW bediente sich für seine Berechnung weiterer Quellen, um die Vermögensverteilung realistisch abzubilden. Neben amtlichen Statistiken war das die Forbes-Liste der europäischen Milliardäre sowie die Liste der 200 reichsten Deutschen, die das Manager-Magazin jährlich erstellt. Unter Berücksichtigung dieses Personenkreises wächst der den 40 000 Superreichen zuzurechnende Vermögensanteil auf besagte 17 Prozent. In eine ähnliche Richtung zielt die jüngste Vermögensstudie der Hilfsorganisation Oxfam. Demnach besitzen die 62 reichsten Personen des Planeten ebenso viel wie die 3,5 Milliarden Individuen, die die ärmere Hälfte der Menschheit ausmachen.

DGB und die Linke fordern Steuererhöhungen

Der DGB und die Linkspartei forderten angesichts dieser Zahlen höhere Steuern für Wohlhabende. Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, sprach von einer „enormen Umverteilung von unten nach oben“ und plädierte für die Einführung einer „Millionärssteuer“. Danach sollen Vermögen oberhalb eines Freibetrags von einer Million Euro mit fünf Prozent besteuert werden. Auf ein Vermögen von zwei Millionen Euro würden mithin 50 000 Euro Vermögensteuer pro Jahr fällig.

Ohne konkrete Zahlen zu nennen, forderte auch DGB-Chef Reiner Hoffmann am Montag eine Wiederbelebung der Vermögensteuer, sowie höhere Steuern auf große Erbschaften und das Aus für die Kapitalertragssteuer. Anstelle des geltenden Steuersatzes von 25 Prozent sollten Kapitalerträge mit den individuellen Einkommenssteuersätzen von bis zu 45 Prozent belegt werden, sagte Hoffmann. Zudem bedürfe es einer gemeinsamen europäischen Unternehmensbesteuerung, um der Steuerflucht und dem Wettbewerb der Mitgliedsstaaten um die niedrigsten Steuersätze Einhalt zu gebieten.


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