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E-Mobilität in Berlin: Berliner Carsharing-Unternehmen Citeecar muss Insolvenz anmelden

Das Berliner Unternehmen Citeecar ist auch in zehn weiteren Städten vertreten.

Das Berliner Unternehmen Citeecar ist auch in zehn weiteren Städten vertreten.

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Citeecar

Nach wie vor sind alle Mitarbeiter trotz der Insolvenzankündigung an Bord. Auch die Firmengründer von Citeecar sind im Unternehmen, und der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Trotz geänderter Situation sei die Durchführung aller Fahrten in der gewohnten Weise sichergestellt, ist auf der Internetseite des Unternehmens zu lesen. Im Moment bestünde für die Kunden der Citeecar GmbH kein Anlass, etwas zu unternehmen, heißt es dort.

Liquidation des Unternehmens möglich

Während für die Kundschaft also alles laufen soll wie bisher, hat am Firmensitz am Sachsendamm in Schöneberg inzwischen Philipp Hackländer entscheidend mitzureden. Der 47-Jährige Jurist wurde vom Amtsgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Er muss nun prüfen, ob Sanierungschancen bestehen. Nach seiner Einschätzung kann das Insolvenzverfahren spätestens am 1. Februar eröffnet werden. Bis dahin will Hackländer einen Käufer gefunden haben. Wenn nicht, könnte es sein, dass das Unternehmen liquidiert werden muss.

Hackländer, dessen Kanzlei White & Case unter anderem auch mit Insolvenzverfahren für Teldafax und Flexstrom betraut war, ist jedoch zuversichtlich: „Ich bin grundsätzlich optimistisch“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter und: „Es gibt bereits einige Interessenten, die sich das Unternehmen nun genauer anschauen wollen.“

Citeecar wurde Ende 2012 von dem Luxemburger Mauro Mariani und dem Briten Bill Jones in Berlin gegründet. Es war die Zeit, als die Stadt von den Missionaren des geteilten Autos entdeckt wurde. Daimler hatte Car2go zwar schon 2008 gegründet, sich aber erst vier Jahre später nach Berlin gewagt. Kurz zuvor, im September 2011, ging BMW mit dem Carsharing-Dienst Drivenow in Berlin an den Start.

In elf deutschen Städten unterwegs

Seinerzeit startete Citeecar mit 100 Fahrzeugen von Kia. Inzwischen gehören auch kleine Toyotas zur Citeecar-Flotte, die auf 500 Autos gewachsen ist und in elf deutschen Städten zur Verfügung steht. Damit ist Citeecar zumindest im Vergleich mit Car2go und Drivenow noch immer eine kleine Nummer. Denn allein die beiden Konkurrenten von BMW und Daimler haben zusammen mehr als 2 100 Fahrzeuge auf den Straßen Berlins.

Und auch das Geschäftsmodell der drei unterscheidet sich grundsätzlich. Während die beiden großen Dienste ohne feste Mietstationen auskommen, setzt Citeecar bis heute auf das klassische Carsharing-Prinzip mit festen Parkplätzen. Davon gibt es derzeit 110 in der Stadt. Dies sind sogenannte Citeecar-Stationen, für die Privatpersonen und Firmen eigene Parkplätze zur Verfügung stellen und im Gegenzug die Autos günstiger mieten können.

Wo sich das nächste Fahrzeug befindet, erfährt der Interessent per App oder Website. Pro Stunde kostet ein Auto ein bis zwei Euro. Außerdem kommen noch 24 Cent für jeden gefahrenen Kilometer hinzu.

2014 noch Geld eingesammelt

Wenngleich sich Citeecar so die horrenden Parkgebühren spart, die Car2go und Drivenow für ihre Fahrzeuge in der Innenstadt zahlen müssen, ging dem Unternehmen offenbar doch die finanzielle Kraft aus. Bekanntermaßen ist das minutenweise Vermietgeschäft von Autos kein sonderlich ertragreiches, zumal die Konkurrenz in den vergangenen Jahren stetig wuchs. Mittlerweile versucht sich in Berlin ein Dutzend Anbieter. Von Citeecar war erst im Frühjahr 2014 zu lesen, dass man bei Investoren acht Millionen Euro einsammeln konnte. Doch offenbar war man nun nicht mehr bereit, die Verluste weiter zu finanzieren.