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Eigene Lieferdienste: Wie Amazon und Google den Einzelhandel verändern wollen

Pic Amazon

Symbolbild

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REUTERS

Berlin -

Online-Giganten wie Amazon und Google entdecken, wie wichtig die Offline-Welt für ihre Geschäfte wird. Deshalb bauen sie eigene Lieferdienste aus. Wir erläutern, was wie dies den Einzelhandel verändern könnte.

Was führt Amazon im Schilde?

Die Nachricht hört sich zunächst einmal harmlos an: Der Konzern habe in den USA heimlich Fahrer angeworben, sagten mehrere Fahrer der Nachrichtenagentur Reuters. Die Fahrer hätten bisher  für sogenannte Prime-Mitglieder Pakete zu den Kunden gebracht. Ihren Informationen nach sollen sie nun auch normale Bestellungen ausliefern. Damit würde das Angebot deutlich ausgebaut.

Worin liegt das Besondere?

Bislang gibt es klare Arbeitsteilung: Auf der einen Seite der mit großem Abstand weltgrößte Onlinehändler Amazon, der hierzulande einen Marktanteil von fast 25 Prozent hat. Auf der anderen Seite die Paketdienste UPS, DPD oder die Posttochter DHL. Seit geraumer Zeit kursieren Informationen, dass Amazon das Ausliefern selbst in die Hand nehmen will.

Was sind die Motive für ein stärkeres Engagement in der Offline-Welt?

Es gibt ein ganzes Bündel von Motiven. Einerseits sind es eine Kostenfrage. Auch DHL und Co .verdienen am Ausliefern, das ist Geld, das Amazon gerne hätte. Bislang schreckte der Konzern davor zurück, weil die Liefervolumina von Amazon allein vielfach zu gering waren, um eigene Flotte zu betreiben. Das ändert sich aber mit dem stetigen Wachstum des Onlinehandels, der in Deutschland ungebrochen mit zweistelligen Prozentzahlen zulegt. Insider halten es für möglich, dass Amazon zunächst punktuell in Großstädten eigene Lieferdienste ausbaut. Außerdem könnten die Amazon-Transporter auch Waren von anderen Onlinehändlern ausliefern. 

Welche Vorteile verspricht sich Amazon?

Der Wettbewerb im Onlinehandel wird härter. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, setzt Amazon alles darauf, schneller zu werden. Lieferung nur wenige Stunden nach der Bestellung: Darauf läuft es zumindest in großen Städten hinaus. Dies verlangt eine höchsteffiziente Logistik – das legt es nahe, alles aus einer Hand zu organisieren.

Was ist neben eigenen Fahrern noch nötig für Hochgeschwindigkeitslogistik?

Amazon plant auch, eigene Ladengeschäfte zu betreiben. Diese könnten auch die Funktion von Vorposten haben, wo bestimmte beliebte Produkte wie Literatur-Bestseller bereit liegen. Womöglich könnten dann auch neue schnellere Auslieferungskonzepte umgesetzt werden, also nicht mehr mit behäbigen Lieferwagen, sondern beispielsweise mit Lastenfahrrädern oder gar kleinen Lieferdrohnen.

Was wird sich in Deutschland tun?

Schon vor einigen Monaten gab es Medienberichte, denen zufolge Amazon ein Pilotprojekt mit eigener Paketzustellung mit dem Lager in Olching bei München angeht. Amazon-Manager werden mit den Worten zitiert, es gehe darum, größere Flexibilität vor allem bei der kurzfristigen Belieferung der Premiumkunden zu erreichen. Ferner sollen weitere Verteilzentren entstehen, die möglichst nah an Großstädten angesiedelt werden sollen. Dort könnten dann auch eigene Lieferdienste eingesetzt werden. 

Was bedeutet das für die Kunden?

Sie sollen von Amazon ihre Produkte schneller als bei anderen Händlern bekommen. Das wird nicht nur die Online-Konkurrenz, sondern auch den stationären Handel unter Druck setzen – denn mit der Lieferung am Bestelltag, wird das Einkaufen etwa per Smartphone fast genauso schnell wie der Impulskauf beim Einkaufsbummel. Hier wird es in der Zukunft einen heftigen Verdrängungswettbewerb geben.     

Passen die Offline-Aktivitäten überhaupt zu einem Internetunternehmen?

Internetfirmen entdecken zunehmend, dass die Auslieferung zum größten Problem im Onlinehandel wird und dass es dabei zugleich große Potenziale gibt. Es ist kein Zufall, dass Google mit seinem eigenen Lieferdienst gerade angekündigt hat, erste Projekte mit der Auslieferung von Lebensmitteln zu starten. Hier entwickelt sich ebenfalls ein heftiger Wettbewerb: Beim Geschäft mit den Dingen des täglichen Bedarfs tritt Google damit just gegen Amazon und gegen zahlreiche Supermarktketten an, die gerade dabei sind ihre Lebensmittel-Lieferdienste massiv auszubauen.