12.01.2012

Energie-Konzerne: Mainova langt zu

Von Peter Dietz
Heizkraftwerk der Mainova am Frankfurter Westhafen.
Heizkraftwerk der Mainova am Frankfurter Westhafen.
Foto: Imago
Frankfurt –  

Der Energieversorger Mainova erhöht die Preise für Strom und Gas. Und nicht nur die Mainova: EVO will nachziehen. Süwag prüft noch.

Strom und Gas werden teurer. Am Donnerstag kündigte der Frankfurter Energieversorger Mainova an, die Preise zum 1. März anzuheben. Weitere regionale und überregionale Energie-Unternehmen werden diesem Kurs folgen. Die Offenbacher EVO etwa will von April an ihre Preise „anpassen“; in welchem Maß wird der Energieversorger in den kommenden Wochen den Kunden mitteilen. Bei der Frankfurter Süwag hieß es am Donnerstag, man prüfe einen solchen Schritt noch. Laut Gesetz müssen die Energieversorger eine Preiserhöhung sechs Wochen vor Zahltag ankündigen.

Auf die 608.000 Privatkunden der Mainova kommt Folgendes zu: Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 2500 Kilowattstunden Strom steigen die Kosten im Tarif Mainova Classic um 42,15 Euro im Jahr; das entspricht einem Zuschlag von 6,5 Prozent. Beim Gas steigen die Kosten für eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr um 3,4 Prozent; die Abnehmer müssen demnach knapp 51,70 Euro mehr an die Mainova überweisen.

Sparen durch Wechseln

Prüfen sollte man in jedem Fall, ob der eigene Versorger nicht ein günstigeres Angebot bereithält. In Frankfurt spart ein Vier-Personen-Haushalt (4000
Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr)
bei dem Grundversorger Mainova mit dem Tarif Strom Direkt bereits 112,40 Euro pro Jahr im Vergleich zu dem Standard-Tarif.
Mit einem Wechsel kann die Rechnung meist aber noch weiter gesenkt werden. Selbst der günstigste Mainova-Tarif wird derzeit zum Beispiel von 16 Tarifen (ohne Vorkasse) unterboten.
Regional fällt diese Summe zwar sehr unterschiedlich aus, doch 50 bis 100 Euro pro Jahr lassen sich in der Regel im Vergleich zum regionalen Versorger durch einen Wechsel sparen – auch, wenn man auf einen halbwegs seriösen Anbieter Wert legt.
Bei Öko-Tarifen sollte man darauf achten, dass der Strom mit einem gängigen Zertifikat beglaubigt ist (beispielsweise Ok-Power, TÜV-Süd, GrünerStromLabel).

Das Management begründet den Aufschlag mit zusätzlichen Kosten im Zuge der Energiewende. Beim Strom benennt Mainova-Vertriebschefin Marie-Luise Wolff gleich vier Preistreiber. So müsse die Energiewirtschaft etwa nach Abschalten der Atomkraftwerke verstärkt in den bundesweiten Ausbau der Stromnetze investieren, um etwa Windenergie aus dem Norden in den Süden leiten zu können.

Diese Mehrausgaben führten zu erhöhten Netzentgelten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben würden.

Mehrkosten für Energiewende

Auch die aktuelle Erhöhung der Umlage nach dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) werde Strom ebenso teurer machen wie weiter steigende Einkaufspreise am Energiemarkt. Vor allem Privatkunden und Kleinbetriebe trifft die neue sogenannte Sonderkunden-Umlage. Danach werden große industrielle Energiefresser von Netzentgelten befreit – angeblich um Arbeitsplätze hierzulande zu schützen. Das geht zulasten der Kleinen. Denn Private und Mittelständler müssen die Zeche der Großen zahlen. Laut Wolff kommen in Frankfurt sieben Unternehmen in den Genuss dieser Befreiung, darunter große Rechenzentren.

Wolff geht davon aus, dass die nun beschlossene Tariferhöhung etwa ein Jahr halten wird. Im Oktober aber würden die Rahmenbedingungen des EEG erneut überprüft. Sollten danach weitere kostentreibende Maßnahmen beschlossen werden, sei eine weitere Preiserhöhung innerhalb der Branche nicht ausgeschlossen.

Für Verbraucher wird die Wahl des für ihn besten Tarifs immer schwieriger. Zwar hat die Marktöffnung zu mehr Preiswettbewerb geführt. Doch ist auch der Tarif-Dschungel dichter geworden. So waren im Januar im Netzgebiet Rhein-Main mehr als 110 Stromanbieter unterwegs; die Haushalte konnten zwischen 424 Tarifen wählen. Zum Vergleich: Im Sommer 2008 waren 43 Anbieter mit knapp 200 Strom-Tarifen am Markt. Ähnlich der Trend beim Gas: 80 Unternehmen bieten derzeit 274 Tarife; im Juli 2008 hatten die Verbraucher die Wahl zwischen fünf Anbietern mit zwölf Tarifen.

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