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Energie: Vattenfalls geordneter Rückzug

Energie von Vattenfall: In Jänschwalde steht Deutschlands größtes Braunkohlekraftwerk.

Energie von Vattenfall: In Jänschwalde steht Deutschlands größtes Braunkohlekraftwerk.

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dpa

Steigender Kostendruck, schrumpfende Profitabilität, Herausforderungen für einen Umbau – das sind Stichworte einer Präsentation für Analysten, mit denen Vattenfall das Geschäft in den Niederlanden, in Großbritannien und in Deutschland beschreibt. Und Oystein Loseth, Chef des schwedischen Energiekonzerns, sprach am Dienstag von „einem fundamentalen Strukturwandel“ in der europäischen Energiebranche. Experten schätzen, dass ein Rückzug von Vattenfall aus Deutschland die Folge sein wird.

Vattenfall bekommt den Wandel heftig spüren. Der Konzern, der dem schwedischen Staat gehört, schloss das Jahr 2013 mit einem Verlust von 13,5 Milliarden Kronen (rund 1,5 Milliarden Euro) ab, im Vorjahr war es noch ein Gewinn von 17 Milliarden Kronen gewesen. Hauptgrund für das Minus in der Bilanz: Der Wert von Kohle- und Gaskraftwerken in den Niederlanden und in Deutschland wurde deutlich nach unten gesetzt. Dazu gehört eine 500 Millionen Euro schwere Abschreibung für das nagelneue Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg.

Das ist eine Folge der Energiewende. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien sind Überkapazitäten entstanden. An der Börse sind die Strompreise in den Keller gegangen. Das führt dazu, dass es für viele konventionelle Kraftwerke immer schwerer wird, profitabel zu arbeiten. Und dies hat sich für Vattenfall auch in den Niederlanden bemerkbar gemacht. Aufgrund des hiesigen Überangebots wurde Strom ins Nachbarland exportiert, wodurch dort Gaskraftwerke stillstanden.

2500 Stellen streichen

Vattenfall reagierte schon im vorigen Jahr auf die Verwerfungen mit einem Sparprogramm. Bis Ende 2014 sollen 2500 Stellen gestrichen werden, davon 1500 in Deutschland, wo Vattenfall neben Eon, RWE und EnBW zu den großen vier der Energiebranche zählt.

Der schwedische Staatskonzern expandierte nach der Jahrtausendwende in südliche Richtung. 2002 stieg er zunächst bei den Hamburgischen Elektrizitätswerken ein, es folgte ein Jahr später der Berliner Stromversorger Bewag. Zudem erwarb er die Lausitzer Braunkohle AG. Seither sind die Schweden im Braunkohletagebau aktiv, um den geförderten Brennstoff in riesigen Kraftwerken zu verfeuern. Vattenfall betreibt unter anderem Deutschlands größtes Braunkohlekraftwerk: Jänschwalde. Vattenfall war auch für die beiden Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel verantwortlich, sie sind inzwischen stillgelegt. In Schweden hingegen erzeugt der Konzern nach wie vor Atomstrom in zwei Anlagen. Dort konnte der Output im vorigen Jahr sogar wieder spürbar gesteigert werden.

Schweden hui, Deutschland pfui? Aus Sicht des Vattenfall-Managements sieht es ganz danach aus. Seit Monaten kursieren Spekulationen, dass der Energieriese die Auslandsgeschäfte loswerden will. Bestärkt wurden die Mutmaßungen noch dadurch, dass der Konzern seit Jahresbeginn geteilt ist: In eine schwedische Gesellschaft und eine Gesellschaft für Deutschland, Niederlande und Großbritannien. Gegenwärtig werde aber nicht nach Investoren für dieses Geschäft gesucht, sagte der Vattenfall-Chef am Dienstag.

Rodger Rinke, Analyst bei der LBBW, geht dennoch davon aus, dass der Abschied aus Zentraleuropa früher oder später kommt: „Das ist eine Frage des politischen Willens“, sagte er dieser Zeitung. Die stark auf Kohlestrom basierende Erzeugung insbesondere in Deutschland passe nicht ins Konzept der schwedischen Regierung, denn sie strebe eine „weitgehend kohlendioxid-neutrale Stromproduktion an“. Also Strom aus Kern-, Wind- und Wasserkraft.

Umsetzen soll das womöglich die derzeitige Finanzchefin Ingrid Bonde, die in gut einem Jahr Loseths Nachfolger werden könnte. Spannend wird, wie der Rückzug dann organisiert wird. Das Problem ist, dass sich Kohlekraftwerke derzeit schwer verkaufen lassen. Rinke hält es für denkbar, dass „Pakete geschnürt werden, also beispielsweise das Berliner Stromnetz plus Erzeugungsanlagen.“ Das Netz wäre das Bonbons, da es sichere Renditen bringt.

Loseth selbst brachte gestern eine andere Variante ins Spiel: Ein Börsengang der kontinentaleuropäischen Sparte könne in einigen Jahren eine Alternative zu einem Verkauf sein.


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