19.01.2012

Energiewirtschaft: Fünf Bieter für E.ON-Gasnetz

Eon kann beim Verkauf des Gasnetzes offenbar aus dem Vollen schöpfen.
Eon kann beim Verkauf des Gasnetzes offenbar aus dem Vollen schöpfen.
Foto: dapd/Archivbild

Der durch die Finanzkrise und den Atomausstieg geschwächte Energieriese E.ON muss sich von Beteiligungen in Milliardenhöhe trennen. Beim Verkauf des Gasnetzes geben sich die Interessenten offenbar die Klinke in die Hand.

Der Energiekonzern E.ON kann sich den Käufer für sein bis zu drei Milliarden Euro teures Ferngasnetz aussuchen: Mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge wollen fünf internationale Firmenkonsortien bis Freitag ein Angebot vorlegen. Das mit etwa 12.000 Kilometern größte deutsche Ferngasnetz ist besonders für Interessenten in Westeuropa attraktiv, die sich die Versorgung mit russischem Erdgas sichern wollen.

E.ON hatte kürzlich den Verkaufsprozess für die in Essen ansässige Tochter Open Grid Europe gestartet. Der durch die Atomwende und das schwächelnde Gasgeschäft unter Druck geratene größte deutsche Energiekonzern will bis Ende 2013 Beteiligungen im Wert von mehreren Milliarden Euro abstoßen.

Franzosen mit Vorsprung

Einen leichten Vorsprung im Bieterrennen könnte der französische Energieriese GDF Suez haben, der sich mit dem französischem Versicherer CNP Assurances und dem Fonds IFM Australian Infrastructure zu einem Konsortium zusammengeschlossen hat. GDF arbeitet bereits mit E.ON beim Gastransport in Süddeutschland zusammen.

Allerdings könnten sich hier Kartellprobleme ergeben: E.ON und GDF Suez hatten 2009 Kartellstrafen von je 553 Millionen Euro für ihr Verhalten auf den Gasmärkten beider Länder auferlegt bekommen. Besonders finanzstark seien zwei Bietergruppen mit kanadischer Beteiligung, erfuhr Reuters von einem Banker, der sich um eine Rolle in dem Verkaufsprozess bemüht: Eine der Gruppen bestehe aus RREEF Infrastructure, Singapurs Staatsfonds GIC und der kanadischen Borealis, die andere aus dem Versicherungskonzern Allianz, dem kanadischen Pensionsfonds CPP und den niederländischen Netzbetreiber Gasunie.

Auch Italien und Belgien gut im Rennen

Der italienische Netzbetreiber Snam erwäge ein Zusammengehen mit seinem belgischen Konkurrenten Fluxys und mit Global Infrastructure Partners (GIP) zu einem Konsortium, sagte eine informierte Person. Zu einer weiteren Gruppe gehören die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) und die Beratungsfirma British Colonial.

E.ON hat nach Reuters-Informationen die US-Investmentbank Goldman Sachs für den Verkauf engagiert. Open Grid Europe beschäftigt in Deutschland etwa 1800 Mitarbeiter. (rtr)

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