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Erfolgsgeschichte in Adlershof: Berlin-Chemie geht auf Erfolgskurs

Läuft rund: Produktion bei Berlin-Chemie

Läuft rund: Produktion bei Berlin-Chemie

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dpa/Jens Kalaene

Berlin -

Seit Jahren ist Berlin-Chemie einer der Kernbetriebe der Pharmabranche in der Hauptstadt. Steigende Umsätze und Mitarbeiterzahlen verdeutlichen den anhaltenden Erfolg des Unternehmens. Nun rüstet Berlin-Chemie erneut auf und baut seinen Standort in Adlershof kräftig aus: Für insgesamt 80 Millionen Euro wird das Pharmaunternehmen in den kommenden zwei Jahren mehrere Gebäude errichten, die Büros, Werkstätten und die Labore für die Qualitätskontrolle aufnehmen sollen. Berlin-Chemie setzt damit wieder ein Zeichen: Das Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs, ein weiterer Personalzuwachs in Adlershof ist absehbar. Die Mitarbeiterzahl hat sich seit 2002 verdoppelt.

Bis Ende 2016 soll das Projekt abgeschlossen sein. Am Freitag übergab Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer an Vorstandschef Reinhard Uppenkamp einen Zuwendungsbescheid des Landes. Das Vorhaben wird mit Mitteln aus dem Fördertopf „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ unterstützt. Bei dieser Fördermitteln ist die Sicherung oder Schaffung von Stellen Bedingung. Mit dem Neubau erhält auch die geschützte Werkstatt ein neues Domizil. Dort sind 39 geistig und körperlich behinderte Menschen tätig, die eine sinnvolle Beschäftigung haben und von Fachleuten betreut werden.

Yzer nannte den Ausbau eine gute Nachricht für die Mitarbeiter, für das Unternehmen, aber eben auch für Berlin. „Es ist das Signal, dass Berlin als wettbewerbsfähiger Standort für die pharmazeutische Industrie begehrt ist.“ Uppenkamp bezeichnete das Investitionsvorhaben als „logische und erforderliche Konsequenz aus dem Erreichten der letzten Jahre, aber auch aus den Zielsetzungen für die Zukunft“. Er gab das Kompliment an die Senatorin zurück: Ohne die Stadt, ohne ihre Menschen und Potenziale wäre der Erfolg des Unternehmens sicher „nicht in diesem herausragenden Umfang möglich“ gewesen.

Die Pharmaindustrie zählt zum Rückgrat des Industriestandorts Berlin. 14 Prozent der Pharmaprodukte in Deutschland werden in der Hauptstadt hergestellt. Berlin-Chemie zählt neben Bayer, Pfizer und Sanofi-Aventis zu den „großen Vier“ in Berlin.

Viel freie Fläche

Für Berlin-Chemie ist es die größte Investition in neue Infrastruktur seit dem Verkauf des Unternehmens aus dem Treuhand-Bestand an das italienische Familienunternehmen Menarini 1992. Berlin-Chemie ist einer der wenigen Betriebe aus der DDR-Zeit, die nach der Wende mit neuem Eigentümer einen Aufschwung erlebt haben. Ein wesentlicher Grund liegt in der Unternehmenspolitik des Menarini-Konzerns, die nicht auf schnellen Profit, sondern auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtet war und ist.

Berlin-Chemie produziert vor allem Mittel gegen Diabetes und Herz-Kreislauf-Mittel. Der Umsatz lag hierzulande im vergangenen Jahr etwas über der Marke von einer halben Milliarde Euro. Das Doppelte davon setzte das Berliner Traditionsunternehmen im Ausland um. Zum Gesamtgeschäft des Menarini-Konzerns steuert Berlin-Chemie mittlerweile allein die Hälfte bei. Das Berliner Unternehmen deckt im Konzernverbund Mittel- und Osteuropa ab, während sich Menarini auf Westeuropa konzentriert.

Trotz der stetigen Umsatzverbesserung in den vergangenen Jahren blieb Uppenkamp im Gespräch mit der Berliner Zeitung vorsichtig, was die Entwicklung im laufenden Jahr angeht. Der Krieg in der östlichen Ukraine und die Spannungen zwischen Russland und dem Land blieben nicht ohne Auswirkungen auf das Geschäft. Die Abwertung des Rubel zum Euro bringe in Russland weniger Umsatz. In Kaluga in der Nähe von Moskau hat Berlin-Chemie jüngst einen Produktionsstandort aufgebaut. In der Ukraine wiederum hätten viele Menschen schlicht kein Geld mehr, um – auch lebenswichtige – Medikamente zu kaufen.

Am Standort Adlershof eröffnen sich indessen neue Perspektiven. Fast zwei Drittel des Geländes, auf dem Berlin-Chemie bislang beheimatet war, werden dann nicht mehr vom Unternehmen benötigt. Rund 260 000 Quadratmeter Fläche harren nun einer Entwicklung – ob als Gewerbegebiet oder als Wohnpark. Und das in bester Lage mit kurzer Verbindung zu Autobahn und Flughafen.