blz_logo12,9

Erzeugung von Bio-Eiern: Crowdfunding macht Hühner und Verbraucher glücklich

Der Demeter-Bauernhof Weggun lässt seine Hühnerherde "crowd-funden".

Der Demeter-Bauernhof Weggun lässt seine Hühnerherde "crowd-funden".

Foto:

imago/SKATA

Wenn an diesem Sonnabend die berühmte Markthalle Neun in in Kreuzberg ihre Tore für die Kunden öffnet, wird auch der Bauernhof Weggun wieder vertreten sein. Marjolein van der Hulst wird diesmal am Stand stehen und die Köstlichkeiten vom Bauernhof in der Uckermark anbieten. „Wir wechseln uns ab“, sagt ihr Mann Frank. Die nächste Woche ist er dran.

Sie bieten unter anderem Marmeladen an, Fruchtaufstriche, Säfte und Sirup. Alles hausgemacht und nur aus eigenen Früchten, die vollreif geerntet wurden. Und Eier. Die sind nicht gerade billig, wie Frank van der Hulst selbst sagt. Sechs Stück für etwa drei Euro. An anderen Ständen gibt es auch schon mal die gleiche Menge konventionell erzeugte Eier für 0,99 Euro. Bei den Hulsts nimmt mancher Marktbesucher, der nicht zu den Besserverdienenden zählt, vielleicht nur zwei oder drei Stück. „Aber es wird wie an jedem Wochenende sein: Zum Schluss sind wir ausverkauft“, sagt der Landwirt, „wir könnten noch mehr Eier abgeben.“ Weil die Qualität hoch und die Wegguner Eier „von Feinschmeckern geradezu verehrt werden“.

Unter den Käufern werden Berliner sein, die auf eigene Art mit den Hühnern im mehr als 100 Kilometern entfernten Bauernhof westlich von Prenzlau verbunden sind: Sie haben gewissermaßen in die Legehennen investiert – per Crowdfunding. Im vergangenen Frühjahr hatte das Paar die Idee dazu. Sie wollten die Hühnerschar vergrößern. Was Geld kostet, nicht nur für die Tiere, sondern auch für mobile Ställe. Ab 50 Euro kann man sich – immer noch – beteiligen und erhält dabei auf fünf Jahre gesehen einen Bonus von zehn Prozent – das „Hühnerland-Pfand“.

Rückzahlung über fünf Jahre

Das System ist einfach: Wer beispielsweise 50 Euro gibt, bekommt einen Gutschein. Mit dem kann er in den fünf folgenden Jahren jeweils für elf Euro einkaufen – entweder am Stand des Bauernhofes in der Markthalle oder bei der Kette Bio Company, die die regionale Landwirtschaft fördert. Nach den fünf Jahren ist das Geld mit Dividende in Form von Eiern und anderen Produkten zurückgezahlt.

Etwa 200 Tierliebhaber und Eier-Esser haben sich am Crowdfunding bislang beteiligt. Die Hühnerschar ist schon auf 500 Tiere angewachsen. „Wer mitmacht, dem geht es nicht um eine Geldanlage“, sagt Frank van den Hulst. „Es geht ihnen um eine natürliche Form der Hühnerhaltung und keine industrielle Haltung.“ Die beiden Niederländer, die 2009 in die Uckermark zogen, wollen, dass die Verbraucher auch eine Beziehung zur Landwirtschaft, zum Leben auf dem Land und zu den Tieren aufbauen.

„Da ist so vieles in den vergangenen Jahren verloren gegangen“, sagt der Bauer. Familie Hulst erzeugt auf ihrem Demeter-Hof Lebens-Mittel im Sinne des Wortes, die im Einklang mit der Natur produziert werden – auf biologisch-dynamische Weise. Demeter steht für hohe ökologische Standards. Der Bauernhof zählt seit seiner Gründung zu den Regionalpartnern der Berliner Bio-Supermarktkette, die in den vergangenen Jahren stark expandiert ist.

Am Pfingstmontag ist übrigens Hühnertag in Weggun: Wer beim Hühnerpfand mitmacht, ist eingeladen und kann sich „seine“ Hühner ansehen. Vielleicht auch beim Einsammeln der Eier helfen. Die Hühner sind nicht auf Hochleistung getrimmt. Dennoch legt ein Huhn etwa 250 Eier pro Jahr, also fünf in einer Woche. Im Durchschnitt sind auf dem Hof jeden Tag rund 350 Eier einzusammeln und zu sortieren.

Frank van der Hulst glaubt, dass es in Bezug auf Landwirtschaft und Nahrungsmittel ein Umdenken in der Bevölkerung gibt. Weg von der Massentierhaltung unter oft schlimmsten Bedingungen, hin zu einem Kreislauf aus Boden, Pflanze, Tier und Mensch. „Das ist ein Prozess, der Jahre dauern wird“, sagt er, will aber selbst keine große politische Debatte führen. „Ich mache es einfach anders“, sagt der Holländer. Die Nachfrage nach guter Qualität sei ungebrochen, deswegen hätten sie auch beschlossen, die Zahl der Hühner zu erhöhen.

Entscheidende Größe: der Mist

Auf der Grünen Woche in Berlin hat er sich aber doch ein wenig an der Debatte beteiligt. Er hielt einen Vortrag über seinen Hof und seine Art, in der Landwirtschaft tätig zu sein. Er sprach unter anderem darüber, wie groß die Verantwortung des Menschen für ein Tier in Gefangenschaft sei und dass man „alle Tiere jeden Tag sehen können“ müsse. Das gehe nur, wenn man kleine Hühner-Gruppen habe.

Das Federvieh passt hervorragend zum Hof in Weggun, auf dem Beerenobst der Schwerpunkt ist. „Die Hühner picken Schädlinge von den Sträuchern, aus denen mal Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren wachsen sollen“, sagt Frank van der Hulst. Dazu liefern sie wichtigen Dünger. So ist die Obergrenze der Hühnerschar von einer natürlichen Grenze bestimmt. „Die Frage ist, wie viel Mist vertragen meine Pflanzen, und danach bemisst sich die Zahl der Hühner“, so der Landwirt. Die Obergrenze werden etwa 900 Tiere sein – und alle sind mit dem Bauern vertraut.

Katzen, Hund – aber kein Pferd

Die Landwirte kaufen die Küken nicht an, sondern entwickeln eine eigene Züchtung am Hof. Die wird robust sein und sich an die regionalen Bedingungen gewöhnt haben. Die Tiere müssen eigene Ställe haben, zum Teil mobil, damit die Tiere auf den wechselnden Standorten auf dem Gelände ihren Platz finden. Auch dafür haben die Hulsts das Geld verwendet. Denn die Hühner laufen frei durch die Pflanzreihen für das Beerenobst, aber für die Nacht, als Nestplatz für die Eiablage oder als Schutz vor Füchsen und Mardern, muss ein Stall sein.

Familie van der Hulst lebt mittlerweile zu sechst auf dem Hof. Zu viert waren sie angekommen, zwei Kinder sind in der Uckermark geboren worden. Neben den 500 Hühnern zählen noch 45 Schaf-Muttertiere, „meistens“ zwei Katzen und ein Hund zu den Tieren auf dem Hof. Ein Pferd allerdings nicht. Und warum nicht? „Das fragt mich meine Tochter auch immer“, sagt Frank van der Hulst und verweist auf den Aufwand. Aber vielleicht gibt es auf diese Frage ja einmal eine andere Antwort.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?