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Europachef von Acer: „Wie die Jagd nach dem Ende des Regenbogens“

Acer-Laptop mit Windows 8: Acer will schnell neue Geräte mit dem neuen Windows auf den Markt bringen.

Acer-Laptop mit Windows 8: Acer will schnell neue Geräte mit dem neuen Windows auf den Markt bringen.

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REUTERS/Pichi Chuang

Das Geschäft mit Computern ist sehr schnelllebig – da ist es schon etwas Besonderes, dass Oliver Ahrens seit über 20 Jahren für den gleichen Konzern arbeitet. Von seiner Zwischenstation als Länderchef in China hat er eine Vorliebe für die dortige Küche mitgebracht und großes Interesse an der weiteren politischen Entwicklung. Nun ist er Europa-Chef und versucht, die Absatzkrise von Acer aus dem vorigen Jahr möglichst schnell vergessen zu machen, die den Konzern etwas bescheidener gemacht hat. Den Verkauf soll vor allem Windows 8 ankurbeln, das neue Betriebssystem von Microsoft – und eine Image-Offensive für Acer.

Herr Ahrens, ist der PC tot?

Der war schon oft tot – angeblich. Als die Netzwerkcomputer kamen, als das Internet sich verbreitete, als die Smartphones sich durchsetzten. Der PC lebt trotzdem noch, und er wird sich auch in zehn Jahren noch guter Gesundheit erfreuen. Ich gehe jede Wette darauf ein, dass die meisten Haushalte auch in Zukunft einen PC oder Laptop haben werden. Haben Sie mal versucht, auf einem Tablet-Computer Rechnungen oder ihre Bewerbungsunterlagen zu erstellen?

Nein. Aber besonders angenehm ist das sicher nicht.

Eben. Der klassische, leistungsfähige, sichere und gut bedienbare Computer bleibt uns noch lang erhalten. Natürlich werden immer mehr Leute den Tablet-PC ergänzend nutzen.

Aber die rasante Verbreitung der handlichen und billigen Tablets muss Ihnen Sorgen bereiten, denn zum Teil werden eben doch PCs verdrängt.

Wie gesagt: Wer effizient Inhalte erstellen und verwalten will und optimale Kommunikation möchte, der wird auch weiterhin nicht an einem Laptop oder Desktop-PC vorbeikommen. Und das sind die meisten Haushalte und Unternehmen. Die Entwicklung beim PC steht auch nicht still. Er wird sich ändern, in Form und Farbe. Mischformen mit dem Tablet, zum Beispiel Geräte mit berührungsempfindlichen Bildschirm, sind im Kommen und wir haben sie schon im Angebot. Andersherum nähern sich die Produkte auch an, zum Beispiel durch Tablets mit Tastatur in der Schutzabdeckung. Insgesamt findet der Kunde eine große Gerätevielfalt und nutzt je nach Situation das, was für ihn am besten passt.

Was ist mit Smartphones? Wollen Sie da endlich mal in die Offensive gehen?

Gegenfrage: Was verstehen Sie unter Offensive?

Zum Beispiel statt zwei neuer Geräte alle paar Monate fünf oder zehn auf den Markt zu werfen, so wie die großen Konkurrenten, zum Beispiel Samsung.

Also, das Geschäft mit Smartphones ist sehr hart umkämpft, derzeit wagen wir keine allzu großen Sprünge. Es ist ein eigenständiger Markt mit eigenen Mechanismen, eigenen Marktplayern, anderen Wettbewerbern. Aber wir wollen die Technik auf jeden Fall im Haus behalten und weiterentwickeln.

Lässt sich auf dem PC-Markt noch Geld verdienen?

Natürlich ist der Bedarf weitgehend gedeckt, und es wird hauptsächlich nur noch in Ersatzbeschaffung investiert, der Markt ist deshalb heftig in Bewegung. Starke Wachstumsraten gibt es nur noch in Schwellenländern, die noch aufholen. Für uns ist es erfreulich, dass wir gegen den Trend in Europa und Asien in 2012 einen Zuwachs haben.

Acer ist nach wie vor in Schwierigkeiten. Sie sind weltweit auf Platz vier der PC-Hersteller zurückgefallen statt Nummer eins zu werden, wie Sie sich vorgenommen hatten. Was läuft schief?

Wie auch in der Vergangenheit waren wir jüngst immerhin größter globaler Anbieter von mobilen PCs und gerade in Europa sehr gut im Geschäft.

2011 war trotzdem ein Jahr zum Vergessen für Sie. Erstmals schrieben Sie Verluste.

Das lässt sich nicht abstreiten. Die Absatzzahlen tauchten weg, aber unser Unternehmen hat das zu lange ignoriert. Das Resultat waren riesige Lagerbestände. Die sind aber inzwischen abgebaut. Jetzt wachsen wir wieder überdurchschnittlich stark und stehen zum Start von Windows 8, das gerade auf den Markt kommt, mit einem breiten Produktangebot in den Startlöchern.

Sind Sie denn überzeugt von Windows 8? Es gibt die Sorge, dass es floppen könnte.

Ja, ich bin davon überzeugt. Die Steuerung über Bildschirm-Berührung und das neue Design von Windows 8 fordert den Benutzern zwar einiges ab – ist diese Hürde erst einmal überwunden, funktioniert es sehr gut. Da aber nicht nur Content konsumiert wird, sondern auch erstellt wird, ist das gleichzeitige Verwenden eines berührungsempfindlichen Bildschirms und einer Tastatur der richtige Ansatz und Acer wird sehr schnell zahlreiche Windows-8-Geräte auf den Markt bringen. Davon erwarten wir uns für diesen Herbst noch mal einen mächtigen Schub für die Verkaufszahlen.

Trauen Sie sich noch mal ehrgeizige Ziele zu oder lassen Sie das in Zukunft?

Nummer eins oder Nummer drei im Markt, das ist für uns nicht das Entscheidende. Damit verdienen wir kein Geld. Unser Ziel ist es einen entsprechenden Marktanteil zu halten, wobei wir in Europa von etwa 25 Prozent ausgehen. In Deutschland zum Beispiel, einem starken Markt, liegt unser Anteil bei zirka 27 Prozent – den wollen wir sichern und weiter ausbauen. Nur mit hohen Stückzahlen können wir global unsere günstigen Kostenstrukturen verteidigen.

Sie kaufen Teile, bauen Computer zusammen und vertreiben sie weltweit, mit sehr niedrigem Gewinn. Wie wollen Sie sich da eigentlich von der Konkurrenz unterscheiden?

Mit unserer neuen Marketingstrategie haben wir einiges umgestellt. Wir wollen nicht nur zeigen, dass wir gute Produkte haben, sondern auch, was der User damit besser machen kann. Eine Botschaft „Wir waschen weißer als alle anderen“ holt keinen mehr ab. Daher investieren wir in unsere Marke und skizzieren den emotionalen Nutzen unserer Produkte, wie in der Kampagne mit dem US-Schauspieler Kiefer Sutherland humorvoll dargestellt wird.

Und das funktioniert? Ob der Kunde Acer, Asus oder Lenovo kauft, ist doch fast egal. Das Betriebssystem ist gleich und auch die Ausstattung ist sehr ähnlich.

Ganz falsch! So war es vielleicht mal früher. Markentreue ist heute wieder ein Thema und wenn die Nutzer gute Erfahrungen mit unseren Computern machen, kaufen sie uns wieder. Da haben wir gelernt und unsere Strategie in den vergangenen Jahren stark geändert. Die Leute kaufen jetzt unsere Produkte und sie sagen: Wow, das ist besser, als ich es erwartet habe. Die vorgenommenen Investitionen in sinnvolle Ergänzungen zur Hardware wie unseren eigenen Datendienst, die Benutzeroberfläche und Zusatzprogramme tragen zur Kundenbindung bei.

Die Unterscheidbarkeit hat aber immer die Grenze, dass Sie Windows als Betriebssystem einsetzen – wie alle anderen.

Es gibt auch innerhalb von Windows genug Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Ein eigenes Betriebssystem mag für einen Konzern zum erfolgreichsten Geschäftsmodell der Welt geworden sein…

… sie spielen auf Apple an …

…aber wie viele Dutzend Anläufe sind im Vergleich dazu schief gegangen? Wir bleiben lieber bei unserem Geschäftsmodell und machen unseren Job gut, als enorme Risiken einzugehen.

Preisverfall bei den klassischen Computern, neue Tablet-PCs, Windows 8 frisch auf dem Markt: Den Kunden kann man doch nur dazu raten, mit dem Kauf ein wenig zu warten, bis die Situation überschaubarer ist.

Ach ja? Wie lange denn?

Ein Jahr vielleicht.

Da jagen Sie das Ende des Regenbogens. Ich habe darüber vor einiger Zeit lange nachgedacht und würde genau das Gegenteil sagen: Wenn man Bedarf hat, ist morgen der beste Tag, sich einen neuen Computer zu kaufen.

Das müssen Sie als Manager eines Computerherstellers jetzt natürlich sagen.

Das sage ich nicht nur als Acer-Manager, sondern das rate ich auch Freunden und Familie, die mich immer wieder danach fragen. Ich garantiere Ihnen, wenn Sie den Kauf um ein Jahr verschieben, dann stehen sie genau vor den gleichen Entscheidungsschwierigkeiten. Es wird wieder zahlreiche Neuankündigungen geben, sie werden wieder sagen können, dass es vielleicht in einem Jahr übersichtlicher geworden ist – und wieder falsch liegen. Der Markt wird immer differenzierter, es gibt immer unterschiedlichere Angebote und immer mehr Neuerungen. Überlegen Sie sich vorher genau, was Sie mit dem Gerät machen wollen – das ist das meiner Meinung nach wichtigste Auswahlkriterium – und dann greifen Sie zu!

Das Gespräch führte Jakob Schlandt.


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