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Exporte aus der Hauptstadt: Russlandgeschäft von Berliner Unternehmen bricht dramatisch ein

Der russische Rubel rollt nur noch selten.

Der russische Rubel rollt nur noch selten.

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Das geht aus den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Berliner Zeitung vorliegen. Firmen aus der Hauptstadt müssen damit weitaus stärkere Einbußen im Handel hinnehmen als aus dem gesamten Bundesgebiet. Der deutsche Export nach Russland, das in einer wirtschaftlichen Krise steckt und wegen der Verwicklungen in den Ukraine-Konflikt unter starken westlichen Druck steht, fiel in den ersten sechs Monaten um vergleichsweise geringe 15,5 Prozent niedriger aus.

Rubelverfall ist ein Problem

Wie aus der Wirtschaft verlautete, sind für diesen Einbruch allerdings die gegen Russland verhängten Sanktionen oder die von Moskau aufgestellten Einfuhrverbote nicht verantwortlich. Die Sanktionen haben im genannten Zeitraum des ersten Halbjahres noch keine Rolle gespielt. „Der starke Rückgang ist vielmehr auf eine schon länger andauernde restriktive Haltung Russlands bei der Beschaffung ausländischer Produkte und dem Trend zum local content, also der Wertschöpfung im eigenen Land, sowie die Rubelschwäche und die lahmende russische Konjunktur zurückzuführen“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer.

So befürchtet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass Russland in diesem Jahr in eine Rezession fällt. Erwartet wird nur noch ein Wachstum knapp über der Nulllinie. Das führt zu einer sinkenden Nachfrage im Ausland.

Einschneidende Folgen hat vor allem der Verfall des Rubel-Kurses. Für Erlöse, die deutsche Firmen in der russischen Währung erzielen, können sie sich umgerechnet in Euro oder Dollar immer weniger leisten. Bereits im Jahr 2013 waren die Ausfuhren nach Russland im Vergleich zu 2012 um fünf Prozent gesunken.

Verunsicherung wegen Ukraine-Konflikt wächst

Außerdem wächst die Verunsicherung wegen des Ukraine-Konflikts, wie der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg Christian Amsinck, betont: „Denn die angespannte geopolitische Situation belastet das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland und verunsichert somit auch die regionalen Unternehmen. Aus Sicht der Berliner Wirtschaft besteht daher großes Interesse an einer politischen Lösung zur Beendigung der Krise.“

Die Berliner Firmen hatten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres Waren für 257 Millionen nach Russland ausgeführt, im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 396 Millionen. Russland ist für die Berliner das viertwichtigste Exportland. Sechs Prozent der Ausfuhren gingen im vergangenen Jahr dorthin, geht aus Berechnungen der Investitionsbank Berlin hervor. Wichtigstes Exportland waren die USA (zehn Prozent). Danach folgen Frankreich mit etwas mehr als sechs und Polen mit sechs Prozent. Hinter Russland rangierten 2013 China und England mit bereits deutlich unter fünf Prozent.

Geräte zur Elektrizitätserzeugung, pharmazeutische Produkte und Kraftmaschinen

Bezogen auf Warengruppen, stehen Geräte zur Elektrizitätserzeugung, pharmazeutische Produkte und Kraftmaschinen ganz oben auf der weltweiten Berliner Lieferliste. Das sind genau die Sektoren, in denen Russland als Zielland mit an vorderster Stelle steht. So gingen im vergangenen Jahr fast ein Fünftel (18 Prozent) aller ins Ausland gelieferten pharmazeutischen Produkte in das Land.

Das ist mehr als doppelt so viel wie die Lieferungen nach Japan, dem zweitwichtigsten Importland bei Medikamenten und Pillen. Bei den Geräten zur Stromerzeugung – Elektromotoren. Generatoren, Transformatoren, Stromrichter, aber auch Kabel, Drähte und Batterien – lag der Russland-Anteil bei zehn Prozent. Bei Kraftmaschinen – das sind Gasturbinen, Motoren sowie Antriebsmotoren für Schienenfahrzeuge – lag vor Russland nur Korea als wichtigstes Abnehmerland für derartige Produkte aus Berlin.

Tiefpunkt noch nicht erreicht

Möglicherweise verstärkt sich der Rückgang der Exporte nach Russland noch. Denn die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen betonten unlängst, dass das Russland-Geschäft – der drittwichtigste Absatzmarkt für die Branche – noch von Altaufträgen lebe. Der Auftragseingang fiel aber im ersten und zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zurück.

Solang der Konflikt mit Russland schwelt und die Sanktionen – die sowohl Rüstungsfirmen und Energieunternehmen als auch Güter und Technologien betreffen, die für zivile und für militärische Zwecke genutzt werden können – fortbestehen, seien die Handlungsmöglichkeiten beschränkt, sagt Senatorin Yzer. „Wir machen uns gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium stark für eine Beschleunigung der Hermes-Bürgschaften“, betonte sie. Betroffenen Unternehmen würden aber Bürgschaften und Kredite der KfW und der Investitionsbank Berlin (IBB) zur Verfügung stehen.