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Facebook gründet Bank: So funktioniert die neue Facebank

Wird bald über eine Lizenz für elektronisches Geld verfügen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Wird bald über eine Lizenz für elektronisches Geld verfügen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

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AFP/ Montage: BLZ

Medienberichten zufolge soll Facebook in wenigen Wochen eine Lizenz der irischen Zentralbank erhalten, um elektronisches Geld in der EU auszugeben. Facebook schweigt noch zu seinem Vorhaben, das Interesse ist jedoch schwer zu leugnen. Wie die britische Financial Times berichtete, soll Facebook-Chef Mark Zuckerberg einem der Mitgründer des Start-ups Azimo aus London zehn Millionen US-Dollar für den Wechsel zu Facebook geboten haben.

Azimo ermöglicht es bereits, über Facebook Geld zu verschicken – per App, mit der man sein Bankkonto verknüpft hat. Im Blick hat das Start-up dabei besonders Arbeitsmigranten. Da mehr als eine Milliarde Menschen über Facebook mit Familie und Freunden Kontakt halten, sei dies auch der natürliche Kanal, Geld zu versenden, erklärte Azimo-Mitgründer Michael Kent, als die Firma den Dienst im letzten Jahr startete.

Tatsächlich steckt hinter den Geldsendungen in die Heimatländer ein gigantischer Markt: 436 Milliarden Dollar werden nach Prognosen der Weltbank in diesem Jahr von Migranten in Entwicklungsländer überwiesen. Derzeit wird dieses Geschäft dominiert von Diensten wie Western Union und MoneyGram, die ebenso wie Großbanken deutlich höhere Gebühren als Firmen wie Azimo verlangen. Zusammen machten Western Union und MoneyGram im vergangenen Jahr einen Umsatz von sieben Milliarden US-Dollar. Das entspricht in etwa Facebooks gesamten Werbeeinnahmen.

Praktisch für Facebook: Ausgerechnet in den meisten Ländern, die ganz oben auf der Empfängerliste solcher Überweisungen stehen, gehört Facebook zu den populärsten Web-Plattformen. In Indien, ein Land, in das im vergangenen Jahr 70 Milliarden US-Dollar von Verwandten überwiesen wurden, hat Facebook über Hundert Millionen Nutzer. Damit decken sich auch Analysen von Azimo. Laut Michael Kent nutzten nahezu drei Viertel der Kunden Facebook regelmäßig, und diese Personen waren zudem mehrheitlich über Facebook mit der Person in Verbindung, der sie Geld schicken wollten.

Nutzerdaten stärken

Um Betrug vorzubeugen, nimmt Azimo das Facebook-Profil der Kunden unter die Lupe. Ermittelt wird etwa, wie viele Freunde eine Person hat und wie lange es das Profil überhaupt gibt. Auch andere Start-ups greifen auf diese Daten zurück, um etwa Kredite in Entwicklungsländern zu vergeben. Für Facebook ist es verlockend, selbst in dieses Geschäft einzusteigen – schließlich hat keiner so umfangreichen Zugriff auf die Daten wie Facebook selbst.

Durch den Finanzdienst könnte Facebook zugleich das Kerngeschäft mit den Nutzerdaten stärken. Weiß Facebook, wie viel Geld seine Nutzer überweisen, wie häufig und an wen und wo sie einkaufen, kann es diese Informationen nutzen, um die Nutzerprofile bei den Werbekunden zu mehr Geld zu machen – oder selbst weitere Finanzdienste anzubieten, etwa Kredite. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers bestätigte gerade erst, dass Firmen wie Facebook ein hohes Vertrauen genießen würden und daher gut positioniert seien, um in die Finanzbranche einzusteigen.

Facebook-Chef Zuckerberg wird dabei sehr genau beobachtet haben, wie Chinas größter Internetkonzern Tencent den Mitteilungsdienst WeChat (Weixin) in einen mobilen Zahlungsdienst umgewandelt hat. Mit der Messaging-App kann man inzwischen an Getränkeautomaten in Pekings U-Bahn-Stationen ebenso bezahlen wie in Restaurantketten. Zudem können sich Nutzer untereinander Geld schicken. Facebook könnte mit dem kürzlich übernommenen Mitteilungsdienst WhatsApp Ähnliches umsetzen – und die teure Übernahme so in eine lukrative Einnahmequelle verwandeln.