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Fair Trade: Fairer Handel liegt im Trend

Fair gehandelte und mit dem Transfair-Siegel versehene Bananen.

Fair gehandelte und mit dem Transfair-Siegel versehene Bananen.

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dpa

Köln -

Beim Blumenkauf greifen viele Deutsche längst wie selbstverständlich zu fair gehandelten Rosen: Der Marktanteil liegt im Inland mittlerweile bei mehr als einem Fünftel. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath nun auch bei fair gehandelten Bananen, die derzeit einen Marktanteil von fünf Prozent haben und das am stärksten zulegende Fairtrade-Produkt in Deutschland sind: Der Absatz verdoppelte sich im ersten Halbjahr auf 17 000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte Overath auf der Ernährungsmesse Anuga in Köln.

Es könnte noch weitaus mehr sein, wenn sich noch mehr große Handelskonzerne entschließen würden, zumindest bei Bio-Bananen ausschließlich auf Fairtrade-Produkte zu setzen, so Overath. Für Verbraucher wäre dies bei Bio-Ware auch nicht mit höheren Kosten verbunden. Viele Kleinbauern könnten derzeit nur einen Teil ihrer Ernte als Fairtrade-Ware verkaufen, weil die Nachfrage auch auf Europas Schlüsselmarkt Deutschland noch nicht groß genug sei, sagt Silvia Campos, Bananen-Expertin beim Dachverband Fairtrade International.

Umsatz von 300 Millionen Euro

Insgesamt leben 1,3 Millionen Kleinbauern und Kooperativen weltweit vom fairen Handel. Sie erhalten einen Mindestpreis, der über dem Weltmarktpreis liegt, sowie Sozialprämien, über die Entwicklungsprojekte in den ländlichen Regionen finanziert werden – etwa Schulen oder die ärztliche Versorgung. Viele Kleinbauern hätten im Moment große Probleme durch den Klimawandel, sagte Campos. Sie brauchten Know-how für neue Anbaumethoden angesichts der Wetterveränderungen.

„Die Dritte Welt deckt uns den Tisch, wird dabei aber selbst leider immer noch nicht satt“, sagte Overath. Transfair-Botschafter Hannes Jaenicke forderte im Rahmen der Messe Kunden auf, häufiger zu fairen Produkten zu greifen. „Wir Verbraucher haben es selbst in der Hand“, sagte der Schauspieler.

Deutschland sei mittlerweile der dynamischste Wachstumsmarkt für fairen Handel weltweit, sagte Overath. Sogar das traditionell starke Großbritannien sei nun überholt worden. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in Deutschland 33.742 Tonnen Fairtrade-Produkte verkauft. Das sind 45 Prozent mehr als im Jahr zuvor – das zweitbeste Ergebnis in der 20-jährigen deutschen Fairtrade-Geschichte. Der Umsatz stieg um rund 20 Prozent auf insgesamt 300 Millionen Euro.

Transfair-Geschäftsführer Overath ist zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzt – auch weil Großabnehmer wie Tchibo mehr Produkte ins Sortiment aufnehmen und auch der Discounter Aldi Testballons starte. Das dynamischste Wachstum erlebe man derzeit bei den Handelsmarken der großen Handelsketten, während die großen Markenhersteller eher zurückhaltend seien. Mehr als 40.000 Geschäfte in Deutschland führten mittlerweile Fairtrade-Produkte. Viele große Konzerne seien derzeit auf Fairtrade-Schnupperkurs. Für Unternehmen, die sich nicht beteiligten, steige der Rechtfertigungsdruck, weil immer mehr Verbraucher nach den Produkten fragten.


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