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Berliner Zeitung | Fair Trade: Fairer Handel wächst um ein Drittel
06. August 2013
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Fair Trade: Fairer Handel wächst um ein Drittel

Kaffee ist der Fair-Trade-Klassiker.

Kaffee ist der Fair-Trade-Klassiker.

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reuters/YUSUF AHMAD

Fair gehandelte Produkte sind in Deutschland gefragt wir nie. Bundesweit stieg der Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent auf mehr als 650 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2008 verdoppelte sich das Volumen damit sogar. Die Steigerungsraten sind schon deshalb bemerkenswert, weil Fair-Trade-Waren in der Regel im oberen Preissegment angesiedelt sind und nicht überall erhältlich sind.

Gerade in diesem Punkt hat sich 2012 allerdings einiges getan, wie Antje Edler, Geschäftsführerin des Forum Fairer Handel am Dienstag in Berlin feststellte. Mittlerweile sind fair gehandelte Güter an 50 000 Verkaufsstellen erhältlich, vom Eine-Weltladen über Supermärkte und Tankstellen bis zum Kiosk und Naturkostgeschäft. 51 Unternehmen handeln mit zertifizierten Fair-Trade-Produkten, darunter die Supermärkte Edeka und Real, die Drogerie-Kette dm und die Discounter Aldi-Nord und Lidl.

Besonders hohe Zuwächse verzeichnet der faire Handel, der unter anderem für ausreichende Löhne, den Ausschluss ausbeuterischer Kinderarbeit und die Einhaltung von Umweltstandards garantiert, aber nicht im Lebensmittelbereich: Fair gehandelte Schnittblumen erzielten 2012 ein Importplus von 219 Prozent. Jede fünfte Rose, die 2012 in Deutschland verkauft wurde, stammte aus fairem Handel.

Standards für Textilien

Mit einem Marktanteil von 20 Prozent steht die edle Rose allerdings allein auf weiter Flur. Kein anderes Produkt erreicht auch nur annähernd diese Größenordnung. Selbst der Fair-Trade-Klassiker Kaffee, der 2012 um 25 Prozent zulegen konnte und 41 Prozent des gesamten Fair-Trade-Volumens in Deutschland ausmacht, hält am gesamten Kaffeemarkt nur einen Anteil von 2,3 Prozent. Bei fair gehandelten Bananen, deren Absatz im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte zulegte, liegt der Marktanteil bei 3,5 Prozent.

Andere Produkte wie Kakao, Tee und Schokolade fristen ein Nischendasein, wenn auch mit ebenfalls steigenden Verkaufszahlen. Sehr in den Anfängen steckt der Handel mit fair hergestellten Textilien. Fair-Trade International entwickelt derzeit Standards, die für die gesamte Wertschöpfung im Textilbereich gelten sollen. Insgesamt profitieren 1,4 Millionen Erzeuger und 4,6 Millionen Angehörige in Asien, Afrika und Südamerika vom fairen Handel.

Was die künftige Absatz-Entwicklung angeht, ist dem Forum Fairer Handel nicht bange. Jeder zweite deutsche Verbraucher gaben in aktuellen Umfragen an, bereits fair gehandelte Güter gekauft zu haben und dies auch künftig zu tun. Die Zahl jener, die sich dem fairen Handel gänzlich verschließen, nimmt seit Jahren ab und liegt aktuell bei nur noch 11,7 Prozent. 2010 hatte noch jeder fünfte Befragte seinen Widerwillen gegen Fair-Trade-Produkte bekundet.

Eine große Hürde erblickt das Forum in der unzureichenden Information der Verbraucher. Unternehmen müssten zwar Bilanzen offen legen, nicht aber über die Bedingungen Rechenschaft ablegen, unter denen ihre Produkte und die ihrer Zulieferer hergestellt werden. Edler: „Unternehmen sollen offen legen, inwiefern sie die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten sicherstellen.“