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Berliner Zeitung | Finanzlage der Krankenkassen: Krankenkassen erheben 2015 Zusatzbeitrag
14. October 2014
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Finanzlage der Krankenkassen: Krankenkassen erheben 2015 Zusatzbeitrag

Experten durchleuchten zurzeit die Finanzlage der Krankenkassen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Versicherte künftig wieder einen Zusatzbeitrag zahlen müssen.

Experten durchleuchten zurzeit die Finanzlage der Krankenkassen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Versicherte künftig wieder einen Zusatzbeitrag zahlen müssen.

Das Wort hat es in den Duden geschafft: Ein Zusatzbeitrag, so lehrt das Nachschlagewerk, sei eine Ergänzung einer regelmäßigen Zahlung an eine Versicherung. Und als Beispielsatz ist aufgeführt: „Immer mehr gesetzliche Krankenkassen erheben Zusatzbeiträge.“ Das ist sogar hochaktuell: Ab Januar werden alle Kassen Zusatzbeiträge verlangen. Einen ersten Hinweis auf den genauen Wert wird am Mittwoch der sogenannte Schätzerkreis liefern, der seit zwei Tagen über den Prognosen für die Ein- und Ausgaben der Krankenversicherung brütet. Schon jetzt ist aber klar: Für die meisten Versicherten wird es trotz der Zusatzbeiträge zumindest im kommenden Jahr nicht teurer.

Der Zusatzbeitrag wurde 2009 von der damaligen großen Koalition zusammen mit dem Gesundheitsfonds eingeführt. In diesen Fonds fließen die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie Steuermittel. Kommen die Kassen mit den Zuweisungen aus diesem Geldtopf nicht aus, können sie bei den Versicherten einen zusätzlichen Beitrag erheben. In den Jahren 2010/11 mussten etwa ein Dutzend Kassen zu diesem Mittel greifen, was zu einer massiven Wechselwelle der Versicherten führte. Wegen der guten Konjunkturlage erhebt aber seit 2012 keine Kasse mehr einen Zusatzbeitrag.

Das wird sich nun ändern. Denn die große Koalition hat zum einen den Arbeitgeberanteil eingefroren, zum anderen den sogenannten Sonderbeitrag von 0,9 Prozent abgeschafft, den seit 2005 allein die Versicherten zahlen müssen. Damit fehlt den Kassen Geld, dass sie sich über den Zusatzbeitrag zurückholen müssen. Unterm Strich zahlen die Arbeitgeber künftig dauerhaft 7,3 Prozent des Einkommens, die Arbeitnehmer 7,3 Prozent plus x Prozent.

Warum Geld fehlt

Die Frage ist, wie groß das x – also der Zusatzbeitrag – für 2015 sein wird. Dazu wird der Schätzerkreis, in dem Vertreter der Kassen, des Gesundheitsministeriums und des Bundesversicherungsamtes sitzen, die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben der Krankenversicherung prognostizieren. Unbestritten ist, dass durch den Wegfall des Sonderbeitrags den Kassen elf Milliarden Euro fehlen.

Hinzu kommt, dass die Kosten schneller steigen als die Einnahmen, was das Minus vergrößert. Allerdings wird nach Vermutungen der Kassen das Ministerium auf positive Annahmen drängen, damit das Defizit überschaubar bleibt. Erwartet wird daher, dass der Zusatzbeitrag im Schnitt so hoch sein wird, wie der alte Sonderbeitrag: 0,9 Prozent.

Dabei handelt es sich aber nur um einen rechnerischen Durchschnittssatz. Was der einzelne Versicherte tatsächlich zahlen muss, hängt von seiner Krankenkasse ab. Da die Kassen aufgrund ihrer Versichertenstruktur eine unterschiedliche Finanzentwicklung haben und über verschieden hohe Finanzpolster verfügen, kann der tatsächliche Zusatzbeitrag unter oder auch über 0,9 Prozent liegen.

Wie hoch der Satz ist, wird im Wettbewerb der Krankenkassen eine wichtige Rolle spielen. Schon seit Wochen belauern sich daher die Kassen gegenseitig. Sie versuchen, die Entscheidung über den Zusatzbeitrag möglichst weit in den Dezember zu schieben, um nicht vorangehen zu müssen. Das Ziel ist klar: Der Beitrag darf nicht zu hoch sein, damit die Versicherten der Kasse treu bleiben. Er sollte aber auch nicht unnötig niedrig sein, um die Reserven zu schonen.

Sechs Euro im Monat sparen

Einen niedrigen Zusatzbeitrag können sich vor allem die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), einige Betriebskrankenkassen und die Techniker Krankenkasse leisten. Sie werden voraussichtlich einen Zusatzbeitrag um die 0,7 Prozent erheben. In diesem Fall sinkt also der vom Versicherten zu zahlende Beitrag von heute 8,2 auf dann 8,0 Prozent. Bei einem Netto-Einkommen von 3000 Euro entspricht das einer Ersparnis von sechs Euro im Monat.

Schlechter ist dagegen die Lage bei den Innungskassen und einigen Ersatzkassen wie der DAK. Über den Durchschnittssatz von 0,9 Prozent wird aber dennoch niemand gehen. Denn in diesem Fall muss die Kasse ihre Versicherten in einem Brief auf die Möglichkeit hinweisen, in eine preiswertere Kasse zu wechseln. „Das wollen alle um jeden Preis verhindern“ , so ein Kassenvertreter.