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Berliner Zeitung | Finanzsektor: China probiert’s mit Privatbanken
08. January 2014
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Finanzsektor: China probiert’s mit Privatbanken

Langsam öffnet China seinen Finanzsektor. Noch in diesem Jahr, so teilte die Regulierungsbehörde für Banken (CBRC) kürzlich mit, dürften drei bis fünf private Banken entstehen. Ein zunächst kleiner Schritt. Was bezweckt die Regierung damit?

Chinas Reformwelt funktioniert nach dem Muster „Versuch und Irrtum“. „Wir müssen bei allen Fachleuten in die Lehre gehen und von ihnen respektvoll und gewissenhaft lernen. Wenn wir etwas nicht wissen, müssen wir das zugeben und dürfen nicht so tun, als wüssten wir es.“ Solche Sätze sagen chinesische Beamte und chinesische Ökonomen gern. Also versuchen sie – und begeben sich nun in den Finanzsektor.

Dieser ist in China stark reguliert. Bislang gibt es lediglich Staatsbanken, ausländische Finanzinstitute können nur sehr begrenzt und unter strengen Auflagen in China arbeiten. Kredite bekommen meist staatliche Unternehmen. Kleine private Firmen, die für ihre Ideen auf Fremdkapital angewiesen sind, haben oft Schwierigkeiten, Geld zu beschaffen. Auch deshalb florieren im Reich der Mitte sogenannte Schattenbanken. Dazu gehören Internetbanken oder auch Untergrundbanken, die unreguliert Kredite vergeben.

Zu den Schattenbanken kann man teilweise auch gewöhnliche Staatsbanken zählen, die mit Anlageprodukten handeln, die nicht reguliert sind und deswegen eine höhere Verzinsung bieten. Dieser Handel dürfte künftig reguliert werden. Es gibt bereits Bestimmungen für die Umwandlung der Schattenbanken in Bankeinheiten mit klaren Vorgaben. Die neuen Regeln müssen aber noch bestätigt werden.

Die Schaffung von Privatbanken war bereits auf dem dritten Plenum des Zentralkomitees von Chinas Kommunistischer Partei im November ein Thema. Damals beschlossen die Funktionäre ein großes Reformpaket. Darin ist die Rede davon, „kleinere und mittlere Privatbanken“ zuzulassen. Geplant ist nun eine Versuchsphase, die unter strenger Aufsicht der Regulierungsbehörde CBRC abläuft. Es könnten „bestehende Banken rekonstruiert oder neue errichtet werden“, heißt es in der Mitteilung der Behörde.

Wann die Banken entstehen werden, steht noch nicht fest, auch nicht, ob sie womöglich zunächst in der neuen Freihandelszone von Schanghai eröffnen, die seit September vorigen Jahres so etwas wie ein großes Experimentierfeld im Finanzsektor sein will. Ziel ist es, die Stadt bis 2020 zu einem internationalen Finanzzentrum zu entwickeln. Hier soll auch die Konvertibilität des Yuan und die Abschaffung der Kapitalverkehrskontrollen getestet werden.

Ob ausländische Finanzinstitute unter den ersten Privatbanken in China sein werden, gab die Regulierungsbehörde noch nicht bekannt. Die europäischen Finanzinstitute stünden jedenfalls bereit, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, der Anfang der Woche zu Gesprächen in Peking war. Die Zulassung privater Banken, ob in- oder ausländische, könnte jedenfalls ein Schritt sein, die Kreditvergabe aus dem Schatten zu holen. Vor allem kleinere Firmen könnten davon profitieren. Funktioniert das nicht, wird neu justiert – nach Chinas Motto „Versuch und Irrtum“.


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