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Fischerei-Reform: Eine kleine Revolution auf hoher See

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Gefangen.
Gefangen.
Foto: PA/DPA/Maurice Mcdonald
Brüssel –  

Das EU-Parlament stimmt über die Fischerei-Reform ab. Eine Mehrheit im Parlament wäre eine kleine umweltpolitische Revolution auf See. Das Entscheidende: Beifang darf nicht mehr achtlos über Bord geworfen werden, sondern wird auf Fangquoten angerechnet.

Seit zwanzig Jahren mischt Ulrike Rodust in der Politik mit, erst im Landtag von Schleswig-Holstein, seit 2008 im Europäischen Parlament in Brüssel. „Aber das“, sagt die SPD-Abgeordnete, „ist der härteste politische Kampf, den ich je mitgemacht habe.“ Der Kampf, von dem Ulrike Rodust spricht, ist die Reform der EU-Fischereipolitik. Am Mittwoch ist der entscheidende Tag, dann stimmt das Parlament in Straßburg über die Reform ab. Es ist ein wenig auch Rodusts Reform, denn die Abgeordnete aus Schleswig-Holstein ist Berichterstatterin des Parlaments, sie hat die Reform mit vorangebracht.

Eine Mehrheit im Parlament wäre eine kleine umweltpolitische Revolution auf See. Das Parlament dringt auf eine nachhaltige Fischereipolitik ab 2015. Das entscheidende dabei: Beifänge, also Fisch, der im Netz landet, jedoch unerwünscht ist, darf nicht mehr achtlos über Bord zurück ins Meer geworfen werden, wo er meist verendet. Der Beifang muss künftig auch an Land gebracht werden und wird auf die Fangquoten angerechnet.

Was im Netz ist, zählt

„Wir wollen die Fischer dazu ermuntern, bessere Fangmethoden zu entwickeln, aber auch besser mit ihren Quoten zu makeln“, sagt Rodust. So sind Scholle und Seezunge beides Plattfische und landen beide im Netz. Ein Fischer also, der bisher nur auf Seezunge aus war, könnte künftig Quoten für Scholle eintauschen und dann beide Fische vermarkten.

Nicht alle sind von der Reform überzeugt. Vor allem in Spanien und Frankreich regt sich Widerstand. Im Parlament findet er seinen Widerhall in der Fraktion der Europäischen Volkspartei, die die Reform ablehnt. Rodust hofft dennoch, die Reform bis Juli zu besiegeln. Denn das Paket muss zwischen Kommission und Mitgliedsländern abgestimmt werden. Unterstützung erhält sie von Fischereikommissarin Maria Damanaki und der irischen Ratspräsidentschaft. „Wir wollen bis Juli ein Ergebnis“, so der irische Fischereiminister Simon Coveney.

Der Schlüsselbegriff der Reform lautet MSY – Maximum Sustainible Yield. Es geht um den maximalen Ertrag, den die Fischer fangen können, ohne die Grundsubstanz der Bestände zu gefährden. Damanaki ist so zuversichtlich, dass sie am Dienstag im Parlament vorrechnet, dass ab 2020 rund 15 Millionen Tonnen Fisch mehr gefangen werden könnten, wenn sich die Bestände erst wieder erholten. Ab 2022 könnten die Fischer ein Viertel mehr verdienen.

Aigner hält sich bedeckt

Saskia Richartz hört solche Rechnungen nicht gern. „Europas Gewässer sind seit den 80er-Jahren systematisch überfischt“, sagt die Fischereiexpertin bei Greenpeace in Brüssel. Sie fordert: „Mittelfristig muss die EU die Überkapazität bei der Fangflotte abbauen.“ Vor allem Frankreich und Spanien schicken große Boote aufs Meer. Diese beiden Länder wollen die Reform bremsen, sagt Richartz. Holland und Schweden zählen zu den Unterstützern. Und Deutschland, ein Land mit einer starken fischverarbeitenden Industrie, aber eher kleiner Fangflotte? „Das Agrarministerium hält sich in den Verhandlungen immer sehr bedeckt. Wir von Greenpeace würden uns wünschen, Ministerin Ilse Aigner entdeckte ihr Herz für den Fisch, und würde bei den Verhandlungen in Brüssel Position beziehen“, sagt Richartz.

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