Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat am Mittwoch die etwa 200 Beschäftigten, die auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten und dort für die Abwicklung des Verkehrs verantwortlich sind, aufgefordert, zwischen 15 und 22 Uhr die Arbeit niederzulegen. GdF-Sprecher Dirk Vogelsang erklärte am Mittwochmittag, er gehe davon aus, dass es zu „erheblichen Beeinträchtigungen“ im Flugverkehr kommen werde. Die Fraport hat sich auf den Streik vorbereitet: Manager und Beschäftige, die in der Administration Karriere gemacht haben und früher auf dem Vorfeld gearbeitet haben, wurden geschult. Arbeitsdirektor Herbert Mai und Operations-Chef Peter Schmitz gingen am Mittwochnachmittag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz davon aus, dass deutlich mehr als 50 Prozent der Flüge abgewickelt werden können: Es sei vorstellbar, dass Interkontinentalflüge bevorzugt behandelt und innerdeutsche Flüge hintenangestellt werden, erklärte Schmitz. Man sei in engem Kontakt mit den Airlines. Den Passagieren wurde empfohlen, sich bei ihrer Fluggesellschaft zu erkundigen, ob und wann ihr Zielort angeflogen wird.
Bruttogehalt von 42.000 bis 69.000 Euro im Jahr
Mai und Schmitz kritisierten die Gewerkschaft der Flugsicherung scharf: Es handle sich um „keine klassische Gewerkschaft“, sondern um eine Organisation, die sich ohne Rücksicht auf andere Beschäftigte bereichern wolle. Es werde noch geprüft, ob der Streik rechtlich verhindert werden könne. Es wurden Kopien herumgereicht, auf denen die Forderungen der Gewerkschaft dargestellt wurden. Danach summieren sich die Forderungen, wenn Gehaltserhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen addiert werden, auf 64 bis 73 Prozent.
Wer stundenlang im Terminal sitzt und wartet, sollte seine Rechte kennen. Die sind in der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (Nr. 261/2004) geregelt und gelten für alle Reisen, die an einem Flughafen innerhalb der EU beginnen oder dort einen Zwischenstopp einlegen. Für Pauschalreisende gelten die Bestimmungen im Bürgerlichen Gesetzbuch.
Kann ein Passagier zum Beispiel nicht wie geplant von Paris nach Frankfurt fliegen, kann er nach fünf Stunden Wartezeit den Ticketpreis zurückverlangen. Die alleinige Ankündigung eines Streiks reicht aber nicht aus, um bereits im Vorhinein von der Reise zurückzutreten, wie Reiserechtsexperte Kay Rodegra erklärt.
Den Airlines steht aber frei, sich vorher mit den Passagieren darauf zu verständigen, zum Beispiel einen Flug von Frankfurt nach Berlin in eine Zugfahrt umzuwandeln. Eigenmächtig sollten die Reisenden aber nicht handeln.
Jeder Fluggast hat darüber hinaus Anspruch auf sogenannte Betreuungsleistungen. Dazu gehören Verpflegung, zwei kostenlose Telefonate und, falls nötig, die Unterbringung in einem Hotel.
Bei Kurzstreckenflügen müssen sich die Airlines nach zwei Stunden Verspätung um ihre Passagiere kümmern, bei der Mittelstrecke nach drei Stunden und bei Langstrecken nach vier.
Ansprüche auf zusätzliche Ausgleichszahlungen, wie sie Passagieren bei Flugausfällen im Allgemeinen zustehen, bestehen nicht. Für den Streik können die Airlines schließlich nichts.
Ist der annullierte Flug Teil einer Pauschalreise, kann der Passagier Rechte gegenüber dem jeweiligen Reiseveranstalter geltend machen. Verkürzt sich die Reise durch einen späteren Hinflug, kann der Reisende eine anteilige Erstattung des bezahlten Preises für versäumte Urlaubstage beanspruchen.
Reisende sollten sich vorab mit ihrer Airline oder ihrem Veranstalter in Verbindung setzen und klären, ob ihr Flug ausfällt oder verschoben wird. Informationen zur Lage am Frankfurter Flughafen gibt auch ein Call-Center des Airports. Es ist unter der kostenpflichtigen Rufnummer 01805/372 46 36 erreichbar.
Lufthansa: 01805/805805
Air Berlin: 01805/737800
Condor: 01805/767757
Tuifly: 01805/090150
Germanwings: 0900/1919100 (99 Cent pro Minute)
Air France: 01805/830830
British Airways: 01805/266522
Iberia: 01805/442900
SAS: 01805/117002
Singapore Airlines: 069/7195200
Emirates: 0699/45192000
United Airlines: 069/50070387
Tui: 01805/884266
Neckermann: 01805/336681
Alltours: 0203/3636360
Dertour: 01805/337666
FTI: 01805/384500
L'Tur: 00800/21212100 (kostenlos)
Schauinsland-Reisen: 0203/994050
ITS: 01805/670130 -
Tjaereborg: 01805/670140
Jahn: 01805/670120
Die Kosten für alle 01805-Nummern betragen 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz und maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz. (dapd/dpa)
Konkret geht es um drei Bereiche: die Vorfeldkontrolle, von der aus die Wege der Flugzeuge am Boden geregelt werden, die Verkehrszentrale, die den Maschinen ihre Position zum Andocken zuweist, und die Vorfeldaufsicht, von der Flugzeuge in gelben Autos geführt und begleitet werden. Derzeit erhalten die in diesen Bereichen Beschäftigten ein Bruttogehalt von 42.000 bis 69.000 Euro im Jahr. Nach Auffassung der Fraport sind mit Ausnahme der Vorfeldkontrolle alle anderen Tätigkeiten mit weniger gut bezahlten vergleichbar. Eine Ausbildung als Lotse sei nicht erforderlich. Das Gefüge bei den Einkommen dürfe nicht aus dem Gleichgewicht geraten, sagte Mai. Man habe eine Grenze setzen müssen.
Keine Abstriche bei der Sicherheit vorgesehen
Der Betriebsrat hat die 200 Kollegen aufgefordert, „zurückzufinden zum gemeinsamen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen“. Vom Fraport-Vorstand werde erwartet, dass er auf die „überzogenen GdF-Forderungen“ keinesfalls eingeht, auch nicht, wenn „massiver Druck“ aufgebaut wird. Die GdF kündigte an, die Arbeitskampfmaßnahmen so lange fortzusetzen, bis die Fraport einlenken wird. Es sei doch „ein bisschen aberwitzig“, so Vogelsang, dass die Gewerkschaft für die Umsetzung des Schlichterspruchs kämpfen müsse. Schließlich habe sich die Fraport selbst den Schlichter, Ole von Beust, ausgesucht. Der stehe als CDU-Mann nun wirklich nicht in dem Verdacht, den Gewerkschaften nahezustehen. Wenn heute der Verkehr am Boden von Fraport-Leuten übernommen werde, sorge man sich um die Sicherheit. Mai und Schmitz versicherten, dass man bei der Sicherheit keine Abstriche machen werde.

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