15.02.2012

Flughafen Frankfurt: Fraport bereitet sich auf den Streik vor

Von Friederike Tinnappel
200 Beschäftigte wollen morgen den Frankfurter Flughafen für sieben Stunden lahmlegen. Der Betreiber Fraport rüstet sich mit Lotsen aus dem Management, um solche Szene wie aus dem Jahr 2010 zu verhindern.
200 Beschäftigte wollen morgen den Frankfurter Flughafen für sieben Stunden lahmlegen. Der Betreiber Fraport rüstet sich mit Lotsen aus dem Management, um solche Szene wie aus dem Jahr 2010 zu verhindern.
Foto: dpa

200 Beschäftigte wollen morgen den Frankfurter Flughafen für sieben Stunden lahmlegen. Der Betreiber Fraport rüstet sich mit Lotsen aus dem Management, um mindestens die Hälfte der Flüge abzuwickeln. Entwarnung für Flugpassagiere gibt es aber nicht.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat am Mittwoch die etwa 200 Beschäftigten, die auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten und dort für die Abwicklung des Verkehrs verantwortlich sind, aufgefordert, zwischen 15 und 22 Uhr die Arbeit niederzulegen. GdF-Sprecher Dirk Vogelsang erklärte am Mittwochmittag, er gehe davon aus, dass es zu „erheblichen Beeinträchtigungen“ im Flugverkehr kommen werde. Die Fraport hat sich auf den Streik vorbereitet: Manager und Beschäftige, die in der Administration Karriere gemacht haben und früher auf dem Vorfeld gearbeitet haben, wurden geschult. Arbeitsdirektor Herbert Mai und Operations-Chef Peter Schmitz gingen am Mittwochnachmittag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz davon aus, dass deutlich mehr als 50 Prozent der Flüge abgewickelt werden können: Es sei vorstellbar, dass Interkontinentalflüge bevorzugt behandelt und innerdeutsche Flüge hintenangestellt werden, erklärte Schmitz. Man sei in engem Kontakt mit den Airlines. Den Passagieren wurde empfohlen, sich bei ihrer Fluggesellschaft zu erkundigen, ob und wann ihr Zielort angeflogen wird.

Bruttogehalt von 42.000 bis 69.000 Euro im Jahr

Mai und Schmitz kritisierten die Gewerkschaft der Flugsicherung scharf: Es handle sich um „keine klassische Gewerkschaft“, sondern um eine Organisation, die sich ohne Rücksicht auf andere Beschäftigte bereichern wolle. Es werde noch geprüft, ob der Streik rechtlich verhindert werden könne. Es wurden Kopien herumgereicht, auf denen die Forderungen der Gewerkschaft dargestellt wurden. Danach summieren sich die Forderungen, wenn Gehaltserhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen addiert werden, auf 64 bis 73 Prozent.

Hotline-Nummern und die Rechte von Flugreisenden bei einem Streik

Wer stundenlang im Terminal sitzt und wartet, sollte seine Rechte kennen. Die sind in der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (Nr. 261/2004) geregelt und gelten für alle Reisen, die an einem Flughafen innerhalb der EU beginnen oder dort einen Zwischenstopp einlegen. Für Pauschalreisende gelten die Bestimmungen im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Konkret geht es um drei Bereiche: die Vorfeldkontrolle, von der aus die Wege der Flugzeuge am Boden geregelt werden, die Verkehrszentrale, die den Maschinen ihre Position zum Andocken zuweist, und die Vorfeldaufsicht, von der Flugzeuge in gelben Autos geführt und begleitet werden. Derzeit erhalten die in diesen Bereichen Beschäftigten ein Bruttogehalt von 42.000 bis 69.000 Euro im Jahr. Nach Auffassung der Fraport sind mit Ausnahme der Vorfeldkontrolle alle anderen Tätigkeiten mit weniger gut bezahlten vergleichbar. Eine Ausbildung als Lotse sei nicht erforderlich. Das Gefüge bei den Einkommen dürfe nicht aus dem Gleichgewicht geraten, sagte Mai. Man habe eine Grenze setzen müssen.

Keine Abstriche bei der Sicherheit vorgesehen

Der Betriebsrat hat die 200 Kollegen aufgefordert, „zurückzufinden zum gemeinsamen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen“. Vom Fraport-Vorstand werde erwartet, dass er auf die „überzogenen GdF-Forderungen“ keinesfalls eingeht, auch nicht, wenn „massiver Druck“ aufgebaut wird. Die GdF kündigte an, die Arbeitskampfmaßnahmen so lange fortzusetzen, bis die Fraport einlenken wird. Es sei doch „ein bisschen aberwitzig“, so Vogelsang, dass die Gewerkschaft für die Umsetzung des Schlichterspruchs kämpfen müsse. Schließlich habe sich die Fraport selbst den Schlichter, Ole von Beust, ausgesucht. Der stehe als CDU-Mann nun wirklich nicht in dem Verdacht, den Gewerkschaften nahezustehen. Wenn heute der Verkehr am Boden von Fraport-Leuten übernommen werde, sorge man sich um die Sicherheit. Mai und Schmitz versicherten, dass man bei der Sicherheit keine Abstriche machen werde.

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